"Das Klavier zum Beispiel", sagt Peter Makowsky auf die Bühne weisend, sei zum Teil aus dem Preis finanziert worden, den der Jazzkeller 2013 erhielt. Ein Schlagzeug ist auch vorhanden. Schön für die Musiker, die sich quasi ins gemachte Nest setzen können. "Hier ist eigentlich Baustelle", sagt Makowsky und betritt den Nebenraum. Der ist eine Besonderheit des Bamberger Jazzkellers: Links steht ein Sofa, rechts hängt ein Fernseher, auf dem Gäste die Bühnendarbietung nebenan verfolgen können.

Hier wird demnächst die Beleuchtung erneuert. Das werde zum Teil durch den Preis finanziert, den der Jazzkeller in diesem Jahr erhielt: 20 000 Euro - "Applaus" ist der höchstdotierte Musikpreis der aus Bundestöpfen finanziert wird. Eine besondere Auszeichnung für die ambitionierten Programme der vielen kleinen Clubs abseits von Mainstream und großangelegter Kulturförderung.

Peter Makowsky ist seit etwa zwölf Jahren Zweiter Vorsitzender des Vereins, Marianne Benz seit bald 30 Jahren die Erste Vorsitzende. "Sie ist die gute Seele des Clubs", sagt Makowsky, "die Erste die kommt und die Letzte die geht." An Konzertabenden heißt das, die Schicht dauert von 17 bis etwa 2 Uhr.

Die Geschichte des Jazzkellers reicht zurück bis in die 50er-Jahre. Der Verein existiert seit 1974. In der Sandstraße fand er 1977 seine Heimat. Durch die Vereinsstruktur handelt es sich per se um ein nichtkommerzielles, ein idealistisches Unterfangen.

Georg Fößel muss bei der Programmgestaltung naturgemäß mit den Einschränkungen eines knappen Budgets zurechtkommen. "Wir können nicht 30 Euro Eintritt verlangen", sagt Marianne Benz. "Das heißt, wir könnten schon, aber das entspricht nicht unserer Philosophie."

Teilweise gelingt die Finanzierung eines begehrten Künstlers dann durch zusätzliche Geldspritzen von Vereinsmitgliedern. Weil jemand einen bestimmten Musiker unbedingt in Bamberg sehen will.

So oder so: Es ist dem kleinen Club mit Platz für etwa 100 Gäste immer wieder gelungen, Größen nach Bamberg zu holen.

Was das Highlight angeht, sind die beiden sich einig. Billy Cobham ist der erste Name, der fällt. Der Schlagzeuger, der unter anderem mit Miles Davis zusammengearbeitet hatte, spielte zum 30-jährigen Bestehen des Clubs in den Haas-Sälen. Oder Klaus Doldinger, Komponist der Tatort-Melodie, der mit seiner Big Band zu Gast war. "Das sind so Größen", sagt Makowsky, "die können schon wirklich was."

Auf dem Tresen liegt ein Foto von Werner Kohn, das Cobham und Benz zeigt, die sich gerade scheckig lachen. Aber es sind nicht nur diese Momente, wenn die Großen mal reinschauen. Es lohnt sich auch, weil der Club dem Verein die Möglichkeit gibt, Abseitiges zu veranstalten, so lange man es damit nicht übertreibt. Das Stammpublikum kommt: "Wenn wir Freejazz machen, kommen halt immer dieselben zehn Leute. Die kennt man schon", sagt Makowsky.

Von wem war noch gleich das Zitat, dass der Jazz noch nicht tot sei, aber bereits komisch riecht? Frank Zappa? Makowsky und Benz haben schon schlechtere Zeiten für "ihr" Genre gesehen. "Es gibt immer Aufs und Abs", sagt Benz. "Gerade befinden wir uns in einem Auf." Etwas mehr als 50 Konzerte veranstaltete der Jazzkeller 2017, was für den Applaus-Preis zweiter Kategorie qualifiziert. Nicht wenige seien ausverkauft gewesen.

Die Jugend wird vermisst

Allein die Jugend vermisst Makowsky noch etwas. "Bei 13 000 Studenten", sagt er, "müsste doch eigentlich der eine oder andere Jazzer dabei sein. Aber die lassen uns etwas hängen."

Nicht nur der Verein ist älter geworden, auch seine Mitglieder. Über einen Mangel an Engagierten können sich die beiden nicht beschweren - aber ein bisschen Nachwuchs wäre schon schön. Schließlich zahlen die Mitglieder ja auch weniger für die Konzerte. Und für Studentinnen und Studenten gibt es eine Schnupperkarte.

Die Jazz-Szene in Bamberg ist nach wie vor lebendig genug, um den Laden regelmäßig voll zu machen. Auch um den Zulauf an hochklassigen Musikern aufrecht erhalten zu können, sind die 20 000 Euro eine große Hilfe. Der Preis wird nicht einfach so verliehen, die dahinterstehende Initiative Musik will regelmäßige Verwendungsnachweise sehen.

Oder in den Worten von Peter Makowsky: "Die wollen schon wissen, dass wir das Geld nicht nehmen, um 14 Tage Urlaub auf Mallorca zu machen." Verwendungszwecke allerdings wird es ausreichend geben.