72 Hektar werden in Coburg im Sinne der Blühwiesen nicht gedüngt und lediglich ein- bis zweimal im Jahre gemäht. Dadurch werden diese blühenden Wiesenflächen zu einer Heimat und einem Rückzugsort für zahlreiche Insekten. "Wer Insektenschutz sagt, kümmert sich vorwiegend um die Wildbienen. Insektenschutz heißt Wildbienenschutz", betonte Bernhard Ledermann, Amtsleiter des Coburger Grünflächenamtes. Zusammen mit seinem Stellvertreter Werner Pilz und einigen Mitarbeitern des Grünflächenamtes setzten sie sogenannte "Insekten-Pins" (Hinweisschilder) oberhalb des Wirtsgrundes/Kaffeewegs.

Ledermann und Pilz wiesen darauf hin, dass in Coburg etliche Flächen derart gekennzeichnet seien. Im Rosengarten am Palmenhaus, in der Ketschendorfer Straße, in der Geleitstraße, in Rögen, auf der Bertelsdorfer Höhe und der Lauterer Höhe, an den Beiersdorfer Obstwiesen und an weiteren seien oder würden noch derartige Insekten-Pins angebracht.

Obstwiesen stünden Insekten weiterhin als Lebensraum zur Verfügung, auch wenn sie gemäht seien, erklärten die beiden Experten. Von den erwähnten Wildbienen gebe es in Deutschland etwa 500 unterschiedliche Arten, die spezielle Lebensräume für sich eroberten. Manche lebten im Holz, manche auf Sand und Kies. Einige legten sogar in leeren Schneckenhäusern Vorratskammern an, die sie dann mit Tannennadeln oder ähnlichem tarnten, damit die Vögel nicht an sie herangingen. Von den 500 Wildbienenarten stünden 50 Prozent auf der Roten Liste, also seien immens in ihrer Existenz bedroht.

Ledermann und Pilz wiesen auf Nachfrage darauf hin, dass die nur ein- bis zweimalige Mahd der Wiesen dem Grünflächenamt keine Arbeitserleichterung per se bringe. Eine regelmäßige Wiesenmahd und die Entsorgung der abgemähten Gräser sei ein in sich schnell und logisch automatisierter Prozess. Dies betreffe in Coburg noch etwa 50 Hektar an Wiesenflächen, die als Gebrauchsflächen gepflegt würden. Um dagegen den Erhalt und die Fürsorge der Insekten zu gewährleisten, müsse man die Natur gut beobachten und entsprechend reagieren.

Das Coburger Grünflächenamt bewirtschaftet schon seit Jahrzehnten seine Wiesen auf diese ökologische Art. Ein Herzenswunsch von Ledermann und Pilz ist es, dass auch in den privaten Gärten der Bürger Coburgs etwa 50 Prozent der Wiesenflächen den Insektenarten mit Blühpflanzen zur Verfügung stünden.

Die Wiesen, die mit einem derartigen Insekten-Pin gekennzeichnet wurden, dürfen gerne von den Bürgern betreten werden. Zudem spreche auch nichts dagegen, sich privat einen Strauß Wiesenblumen mit nach Hause zu nehmen, betonten Ledermann und Pilz.