Bernhard Panzer Es wurde fleißig gezählt und gerechnet, gewogen und geschätzt - rund 30 Grundschüler hatten im Kinderhort richtig gut zu tun, und das in den Ferien. Denn im Rahmen der Kinderbetreuung gab's dieser Tage einen besonderen Besuch: Hendrik Seegebarth stellte seine Sammelaktion für junge Menschen in aller Welt vor, an der sich auch die Kinder vom neuen Kinderhort der Carl-Platz-Schule beteiligen.

Seit Jahresbeginn 2016 unterstützt Seegebarth aktiv ein Projekt der Rotaryclubs, das in ganz Europa angeboten wird. Bundesweit koordiniert es der Nürnberger Verein "Deckel drauf." Es geht darum, Drehverschlüsse von Flaschen zu sammeln, damit sie als Plastik wiederverwertet werden können. Unermüdlich spricht der Herzogenauracher seither die Menschen an und sucht nach Sammelstellen für diese Plastikdeckel. 70 solcher Stellen sind seiner Aussage zufolge im Landkreis bereits eingerichtet, darunter zahlreiche Supermärkte.

Von dem Erlös des Verkaufs können Schluckimpfungen für Kinder in aller Welt gegen Polio (Kinderlähmung) finanziert werden. Europaweit nennt sich die Aktion "End of Polio now." Noch im ersten Jahr kam auf diese Weise die erste Million an Deckeln in und um Herzogenaurach zusammen. Wie der engagierte Rentner berichtet, haben sich auch Märkte im Höchstadter Raum angeschlossen. Das Sammelvolumen liege bei etwa 50 000 Deckeln wöchentlich.

Im November 2017 und kurz vor Weihnachten 2018 gab es dann die größten Lieferungen von gesammelten Deckeln: Fünf Millionen dieser Drehverschlüsse wurden von der zentralen Sammelstelle bei Möbel Fischer in der Zeppelinstraße in Herzogenaurach vom Wiederverwerter jeweils abgeholt. Jedes Mal konnten somit 30 000 Schluckimpfungen garantiert werden.

Seit anderthalb Jahren

Jetzt besuchte Seegebarth den Kinderhort. Auch dort werden nämlich seit anderthalb Jahren Plastikdeckel gesammelt. Tina Lauer, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, hatte damals die Idee. Sie machte sich im Internet schlau und stieß auf den Sammler aus Herzogenaurach. So entstand der Kontakt. Am Donnerstag übergaben die Sechs- bis Zehnjährigen gemeinsam mit der Initiatorin und der Hortleiterin Helene Sabelfeld die ersten Säcke: 16 Kilo Deckel wurden gewogen. Umgerechnet reicht das für 16 Schluckimpfungen, wie die Schüler errechneten. Und da eine Stiftung von Melinda und Bill Gates weltweit das Doppelte drauflegt, können nun 48 Kinder, vor allem auch in Krisengebieten, mithilfe ihrer Herzogenauracher Unterstützer mit einer Schluckimpfung versorgt werden.

Helfer erwünscht

In Herzogenaurach werden die Deckel in der zentralen Sammelstelle bei Fischer in der Zeppelinstraße oder im Zwischenlager bei Getränke Wirth bis zur Abholung gebunkert. Rund 30 Prozent aller Deckel bringe er selber dorthin, sagt Seegebarth. Er würde sich deshalb noch weitere Helfer wünschen (E-Mail an HeSee.Herzo@arcor.de). Im Pressegespräch bedauerte er, dass er doch ziemlich alleine da stehe mit seinem Engagement.

Trotzdem: "Als Rentner hat man Zeit", erklärte er vor den Hortkindern. Und lobte sie für ihr Mittun. Denn durch das Sammeln von Plastikdeckeln könne man sowohl anderen Kindern in der Welt helfen als auch die Umwelt schützen.