Peesten feiert in diesem Jahr seinen 725. Geburtstag, aber das Dorf ist viel älter! Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt sogar der 1000. Geburtstag schon lange zurück - nur die "Geburtsurkunde" wurde erst 1294 ausgestellt. In dieser Urkunde wird ein Adelsname "v. Besthen" erwähnt. Dieser ritterliche Dienstmann wird in der Urkunde auch als "Bestenher" bezeichnet und war wohl der Vogt, der die Förtsche von Thurnau in Peesten vertrat.

Worauf stützt sich die Behauptung, Peesten sei schon weit mehr als 1000 Jahre alt? Das lässt sich aus dem Ortsnamen und der Besiedlungsgeschichte erschließen. Zunächst zum Ortsnamen. Peesten ist kein Wort, das wir verstehen wie Mühlhausen, Karlsruhe oder Heinersreuth. Das Wort stammt aus einer anderen Sprache und gibt somit einen Hinweis auf die Gründer und Namensgeber des Ortes. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt der Ortsname Peesten aus dem Altslawischen und bedeutet so viel wie "Sand" oder "sandiger Ort".

Zwei gute Argumente

Da Peesten tatsächlich auf der geologischen Formation des Rähtsandsteins erbaut ist, kommt folglich zur sprachlichen Erklärung des Ortsnamens ein sachliches Argument dazu, das die Ableitung stützt.

Für die Gründung Peestens als slawische oder wendische Siedlung sprechen weitere Hinweise. In der Peestener Flur haben sich zwei Flurnamen erhalten, die ebenfalls aus dem Slawischen stammen: Prelitz (slawisch "am Wald gelegen") und Toberwiese ("Eichenwäldchen"). Zusätzlich gibt es in der nächsten Umgebung weitere Dörfer mit slawischem Namen: Lopp, Döllnitz, Windischen-haig, Kemeritz und Zettlitz.

Man kann also davon ausgehen, dass diese Ortschaften von einer slawischssprachigen Bevölkerung gegründet wurden und sich die Dorfnamen auch in späterer Zeit gehalten haben.

Nun zum zweiten Baustein der Beweisführung für das bedeutend höhere Alter Peestens, der Siedlungsgeschichte. Man kann davon ausgehen, dass um die Mitte des ersten Jahrtausends nach Christus Mitteleuropa entweder fast siedlungsfrei oder extrem dünn besiedelt waren. Die drei maßgeblichen Epochen der Siedlungsgeschichte seien hier kurz skizziert:

? Besiedlung des Altsiedellandes vor dem 6. Jahrhundert: Nur in den klimatisch begünstigten großen Flusstälern, den Beckenlandschaften und den sich durch die hohe Bodengüte auszeichnenden Lößgebieten Mitteleuropas waren wenige kleine Siedlungen zu finden. In Oberfranken gehörten die Regnitzfurche oder der Obermainbogen dazu.

? Frühmittelalterliche Landnahme und erster Landesausbau vom 6. bis zum 11. Jahrhundert: Zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert kam es in Mitteleuropa in der ausklingenden Völkerwanderungszeit zur Landnahme durch germanische Stämme. Von Westen her drangen fränkische und alemannische und aus Osten auch slawische Zuwanderer in das fast menschenleere Gebiet ein und gründeten ihre Siedlungen. Dadurch verdichtete sich die Bevölkerung. Hinzu kamen neue Siedlungsgebiete in den Randbereichen, zum Beispiel im Kulmbach-Bayreuther Bruchschollenland. Das ist die Landschaft, in der Peesten liegt. Dieser erste Landesausbau dauerte bis zum 11. Jahrhundert.

? Hochmittelalterlicher Landesausbau vom 11. bis zum 13. Jahrhundert: Die Bevölkerungszahl in Mitteleuropa hatte sich in den vorangegangenen Jahrhunderten mindestens verdoppelt oder sogar verdreifacht. Deshalb wurden neue Agrartechniken wie der schollenwendende Pflug und die Dreifelderwirtschaft notwendig, um die agrarische Tragfähigkeit des Landes zu erhöhen und mehr Menschen ernähren zu können. Neben einer weiteren Siedlungsverdichtung wurden jetzt planmäßig neue Siedlungsplätze in den unwirtlichen Mittelgebirgen gerodet. Dabei handelte es sich um große Waldgebiete mit wesentlich schlechteren Böden und einem raueren Klima, wie das im Frankenwald und Fichtelgebirge der Fall ist. Dörfer, die in dieser Zeit gegründet wurden, sind oft an der Endung -reuth oder -roth zu erkennen.

Zurück zur Geschichte von Peesten. Im oberfränkischen Bruchschollenland in einem ehemals geschlossenen Waldgebiet auf Rhätsandstein, liegen jeweils an Bächen drei kleine Weiler oder Dörfer mit slawischem Namen: Döllnitz, Lopp und Peesten. Dieses Gebiet wurde wegen der weniger günstigen agrarischen Eignung relativ spät von der frühmittelalterlichen Landnahme durch die Franken erfasst. Aus diesem Grund bestand hier noch im 7. und 8. Jahrhundert die Möglichkeit der Ansiedlung von slawischer oder wendischer Bevölkerung.

Woher kamen die Slawen?

Woher kamen die Slawen oder Wenden? Ursprünglich wohl aus der Gegend um die russischen Flüsse Bug, Dnjepr und Don. Später wanderten sie nach Westen, machten in Schlesien und Pommern Station und siedelten in Böhmen. Teile dieser Stämme kamen auch nach Oberfranken. Die Einwanderung der Slawen setzte wohl bereits im 6. Jahrhundert ein. Teilweise drangen die Wenden in siedlungsleere Gebiete wie unser Waldgebiet auf Rhätsandstein ein, teilweise wurden sie sogar von fränkischen Grundherren noch in karolingisch-ottonischer Zeit (ca. 750 bis 1024) als Siedler und Kolonisten gerufen, um Siedlungslücken zu schließen.

Deshalb ist in diesem Raum die Anzahl der slawischen Orts-, Flur- und Flussnamen höher als in anderen Teilen Oberfrankens. Zur Zeit Karls des Großen (747 bis 814) zählte das Gebiet um Bamberg noch zur "terra Sclavorum", zum Slawenland. Später im 10. Jahrhundert, waren die germanischen Stämme bereits so weit nach Osten vorgedrungen, dass die Grenze der fränkisch dominierten Siedlungsräume weit östlich von Peesten lag.

Im 11., allerspätestens jedoch im 12. Jahrhundert ist die slawische Sprache in Oberfranken ausgestorben. Nach dieser Zeitmarke ist kein slawischer Ortsnamen mehr entstanden. Peesten muss also vor 1100 entstanden sein. Die frühestmögliche Entstehung wäre im 6. Jahrhundert mit dem Beginn der Einwanderung der Slawen gegeben.

Diese Einwanderung darf man sich nicht als kriegerische Auseinandersetzung vorstellen. Wie erwähnt, wurden die Siedler teilweise sogar von den fränkischen Grundherren gerufen.

Will man nun ein Resümee ziehen, kann man sagen, dass Peesten aufgrund des slawischen Ortsnamens und der skizzierten Siedlungsgeschichte sicherlich lange vor 1294 entstanden ist, denn um diese Zeit war die slawische Sprache in Oberfranken längst ausgestorben. Seit etwa 600 sind Slawen eingewandert, ab da wäre eine Gründung Peestens denkbar, es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Ort erst gegründet wurde, als der Zuzug der Wenden im 7.oder 8. Jahrhundert stärker wurde. Endgültig beweisen lässt sich das jedoch nicht. Die Anfänge des Ortes werden vermutlich immer im Dunkel der Geschichte bleiben.

Deshalb tun die Peestener gut daran, den urkundlich belegten Geburtstag gebührend zu feiern.