"In was für einer Welt leben wir denn? Ich bin wirklich geschockt", sagt Marcus Müller, Küchenchef im Landgasthof Lahner in Veilbronn. Denn am Donnerstag vor einer Woche war in seinem Lokal eine Familie mit behindertem Kind angepöbelt worden. "Ich habe das erst gar nicht richtig mitbekommen, weil ich in der Küche gearbeitet habe", berichtet Müller und erzählt weiter, dass ihn seine Servicekräfte darauf aufmerksam machten, dass Gäste am Nebentisch laut darüber lästerten, dass ein behindertes Kind in einer Gaststätte nichts zu suchen habe.

Gast schreibt Beschwerdemail

Als Müller einschreiten wollte, waren die Gäste allerdings bereits gegangen. "Ich habe mich geärgert, hätte aber nichts weiter gemacht. Erst als ich dann eine Mail von ihnen erhalten habe, war ich richtig sauer", erzählt er, denn darin stand geschrieben: "Man solle doch bitte drauf achten, welche Klientel man sich ins Haus holt. Wenn sowas öfters da ist, kommen wir nicht wieder." Behinderte Menschen sollten sich laut dem Gast nur in Heimen aufhalten.

Der Küchenchef war entsetzt und antwortete per Mail, dass diese Leute bei ihm als Gäste nicht mehr willkommen seien. Er konnte sich gar nicht mehr beruhigen und beschrieb das Vorgefallene auf seiner Facebook-Seite.

"Wir haben ausländische Servicekräfte, lesbische und schwule Freunde und meine Halbschwester Marianne ist behindert. Für uns sind alle Menschen gleich und herzlich willkommen", sagt Müller und gibt zu bedenken, wer zukünftig wohl sonst noch diskriminiert werden könnte: "Alte? Dicke? Blonde?" Er möchte keine intoleranten Gäste haben, die sich dann auch noch laut am Nachbartisch äußern, damit es jeder hört. Etwas überrascht war der Küchenchef jedoch über die große Resonanz seines Posts. Viele Menschen fanden es gut, dass er so deutlich Stellung bezogen hatte. Bis Donnerstagabend wurde sein Beitrag über 10 000 Mal "gelikt", rund 1500 Mal kommentiert und über 4000 Mal geteilt.

Kuno Eichner, der als Leiter von Integra Mensch in Bamberg mit viel Herzblut dafür arbeitet, gehandicapte Menschen unter anderem als Mitarbeiter an Betriebe zu vermitteln, zeigt sich auf FT-Nachfrage entsetzt über das Verhalten der Gäste: "Wer so intolerant ist, benötigt selbst Hilfe und muss an sich arbeiten." Niemand sei letztlich vor Behinderung gefeit. Aus seiner Sicht verdienten viele Familien mit behinderten Kindern größten Respekt und Hochachtung. "Jeder sollte sich einmal in ihre Situation versetzen! Unsere Gesellschaft braucht deshalb solche Leute wie Herrn Müller, die klar und offen Stellung beziehen."