Man spürt Macht. Irgendwann aber auch Erschöpfung. Die Rettungsschere, mit der ganze Fahrzeugsäulen an Autos durchgeknipst werden können, wiegt an die 30 Kilo. Die bedient man besser zu zweit. Am Wochenende wurden Feuerwehrleute an Geräten wie diesen geschult. Das Wochenende gehörte bei der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenfels einem "Technische Hilfeleistungslehrgang".

Eine Adresse auf dem Gelände des einstigen Getränkemarkts in der Siedlerstraße. Eine Halle steht hier leer. Üblicherweise. Doch am Wochenende war dem nicht so. Vor der Halle Feuerwehrautos. Intakt. Vor der Halle aber auch Autos. Schrottreif. Aber gut zu Übungszwecken, eigens hier abgestellt und mit den demolierten verkrachten Existenzen in der Halle an die 20 zählend. Die Scheiben sind eingeschlagen, die Karosserien verbeult, die Autos sind mitunter sogar an Baumstämme gebunden. Und in manchen von ihnen befinden sich noch Insassen. Puppen eben, die solche darstellen, vielleicht nicht besonders lebensecht wirkend, aber glaubwürdig schwer.

Rufe gellen durch die Halle

20 Feuerwehrleute sind hier werkelnd, allesamt Lehrgangsteilnehmer. Weitere zehn Feuerwehrleute sind zur Stelle, geschult und anleitend. Kompressoren laufen, es birst und kracht, dann und wann gellen Rufe und Kommandos werden gegeben.

Einer von denen, die an diesem Tage auf Kühlerhauben steigen und Fotos vom Geschehen schießen werden, ist Florian Helmbrecht, routinierter Feuerwehrmann, Atemschutzträger und Pressesprecher der Feuerwehr. Auch er in schwerer Montur, so wie jeder hier, sieht man mal von denen ab, die etwas abgelegt haben, um sich mal einen Kaffee oder ein Stück Kuchen zu gönnen.

Zwei Tage Lehrgang können schlauchen, sie wollen organisiert und mit wenigstens den nötigen Annehmlichkeiten versehen sein. Man sieht Feuerwehrleute auch mit Mundschutz, denn was hier splittert, ist Verbundglas, neigt sehr wohl zu Feinstaub und besser, man kommt damit nicht mit bloßer Hand in Berührung.

Doch neben Lautem gibt es auch Leises. "Den Stempel aufdrücken" funktioniert hier anders: der Stempel drückt selbst auf. Leise, da mit Akku betrieben, drückt er von zwei Männern bedient das Dach eines Autos nach oben, immer weiter ausfahrend und wie eine Teleskopstange. Wichtig für den Fall, dass man über das Dach an Insassen gelangen müsste. Das Auto selbst ist an einen dicken Baumstamm gebunden. Er soll im Wege stehen, massiv und unverrückbar. So wie es auch in der Wirklichkeit bei einem Seitenaufprall am Baum wäre.

200 Mal rückte die Feuerwehr im Jahr 2018 aus, bemerkt Helmbrecht, 200 Mal zu Bränden, Unfällen und mehr. Schon das zeigt, wie notwendig Schulungen wie diese sind. "140 Stunden Vorbereitung und die Schrottautos haben wir selber geholt, mit Hilfe des Bauhofs", erklärt Helmbrecht ein Puzzle-Teil eines mehrtägigen Seminars, das am Donnerstag mit einer theoretischen Schulung eröffnet wurde. Thema: Neue Verbundwerkstoffe, die in Autos verbaut werden, mitunter aus fünffach gewalztem Blech. Wie schneidet man das auf? Welche Komplikationen treten dabei auf? Das sind Fragen.

Leihanzug 54 steht dort, wo sich an Anzügen im Regelfall Brusttaschen befinden. Im Leihanzug 54 steckt Bürgermeister Andreas Hügerich. Er wird eine B-Säule bei einem Auto durchzwicken, er wird spüren, wie kräftezehrend es sein kann, einen Spreizer oder eine Rettungsschere zu bedienen. 20 Minuten kann im Ernstfall die Handhabung der 30 Kilo dauern.

Mehrere Stationen aufgebaut

Ist man danach platt? Helmbrecht schmunzelt und bejaht dringend. "Wenn man mit schwerem Gerät arbeitet, dann schon. Muskelkater hast du am nächsten Tag auf jeden Fall." Mehrere Stationen sind in der Halle aufgebaut, an ihnen vorgehalten die entsprechenden Werkzeuge zu den entsprechenden Aufgaben. An ihnen arbeiten in Gruppen aufgeteilt die Seminaristen. Es haben sich im Vorfeld Arbeitsgruppen gefunden, die für Probanden Übungen ausgearbeitet haben.

"Unsere Freizeit für eure Sicherheit", bringt Helmbrecht einen Slogan der Feuerwehr in Erinnerung. Als der Sonntagabend naht, ist die Zeit für die Manöverkritik gekommen. "Es war durchweg positiv", so das von Helmbrecht getroffene Fazit.

Drei Tage ehrenamtliche Seminarteilnahme waren Geschichte. Möglicher anfallender Lärm für Anwohner, der seitens der Feuerwehr bedauert wurde, auch.