Über eine halbe Million Mitglieder haben sich in Bayern in 3250 Vereinen zusammengefunden, um gemeinsam ihre Umweltziele zu verwirklichen. Im Landkreis Haßberge sind es 6500 Mitglieder, die in 78 Vereinen tätig sind. Diese Zahlen stellte Felicia Carano von der Geschäftsstelle des bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege bei einer Tagung im Umweltbildungszentrum (Ubiz) in Oberschleichach vor.

Wie sie betonte, ist noch vor wenigen Jahrzehnten der Anbau von Nutzpflanzen zur Selbstversorgung notwendig gewesen. Auch heute sei die Selbstversorgung "wieder in". Der "Praktische Gartenratgeber" sei mit rund 120 000 Abonnenten eine der meistgelesenen Fachzeitschriften für den Freizeitgartenbau. Der erste Jahrgang sei im Jahr 1893 unter dem Titel "Monatsblätter für den Obstbau" erschienen, erinnerte sie.

Viel Lesenswertes zur Natur

Inzwischen gebe es auch den verbandseigenen Verlag mit einem breiten Sortiment an Fachliteratur. Mit seiner Garten- und Versandbuchhandlung betreibe der Landesverband eine der größten Fachbuchhandlungen für Garten, Natur und Umwelt in Deutschland. Felicia Carano stellte auch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen vor wie den "Gartenpfleger im Verein", für den nach Aufbau-, Fortbildungs- und Spezialkursen auch eine Prüfung abgelegt wird. Fortbildungskurse gebe es im Juli in Veitshöchheim und im September in Weihenstephan. Die Spezialkurse beschäftigten sich dann mit den Themen "Kies & Co" sowie Wildobst und Wildblumensaaten.

Kreisfachberater Guntram Ulsamer sagte, der Kreisverband wolle für die Vereine eine Art "Netzwerkzentrum" und Partner bei der Lösung von Fragen sein. Natürlich gebe es in den Vereinen ganz unterschiedliche Schwerpunkte, von der Erhaltung der Kulturlandschaft über die Gärten bis hin zum Umweltschutz. Der Erfahrungsaustausch sei auch hilfreich bei der Ortsbildverschönerung bis hin zum Thema "Tradition und Brauchtum".

Auch die Gartenkultur und das ökologische Wirtschaften seien wichtige Themen. Feststellen müsse man aber auch, dass die Kreislaufwirtschaft im Garten mit Kompost immer mehr verschwinde, obwohl aus dem Kompost ein guter Humus werde. Auch das Auffangen von Regenwasser sollte bei der Wasserknappheit in den Sommermonaten wieder mehr in den Fokus gerückt werden, riet er.

Es gehe aber nicht nur um den Hausgarten, sondern auch um öffentliche Plätze im Wohnort oder Friedhöfe. "Hier stellen wir einen starken Wandel in der Bestattungskultur fest, denn schon 50 Prozent der Bestattungen finden über eine Verbrennung und Urne statt", sagte Ulsamer. Der Friedhof könne dadurch von einer Steinwüste zu einem Aufenthaltsraum werden.

Bild der Traurigkeit

Mit der "Achtsamkeit für die heimische Vogelwelt" beschäftigte sich Helmut Hey vom Obst- und Gartenbauverein Unfinden. Früher habe er beruflich immer für die Schönheit des Landkreises geworben. Nun mische sich aber ein "Wermutstropfen" hinein, woran auch der Klimawandel schuld sei. Durch Flurbereinigung im Wein-, aber auch im Feldbau sehe man in der Landschaft oft keinen einzigen Baum mehr, für ihn ein Bild der Traurigkeit. Viele Vogelarten seien gar nicht mehr heimisch. "Man hört kaum noch die jubilierende Lerche. Auch die Freude am Schaukeln des Kiebitzes bei seinem Flug ist kaum mehr zu beobachten." Der Unfindener Verein habe im Sommer 27 Wasserschöpfstellen eingerichtet, die den ganzen Sommer über befüllt und gereinigt wurden. Der Erfolg habe zu einer zweiten Initiative geführt, so dass im November viele kleine Vogelfutterstellen eingerichtet wurden.

"Wir brauchen auch eine artenbezogene Flora und ein natürliches Nahrungsangebot", so machte Hey deutlich. Die Begriffe "Schädlinge, Unkraut, Flurbereinigung" seien menschliche Wortschöpfungen mit teilweise schwerwiegenden negativen Folgen. 35 Prozent der heimischen Vogelarten seien bereits vom Aussterben bedroht.

Helmut Hey schlug vor, in jedem Dorf einen Mahnstein zu errichten. Auf diesem solle, fordert er, ein Leitgedanke stehen, der von den Einwohnern bestimmt und sichtbar gelebt wird.