"Du hast Talente, nutze sie." Diese Worte ihrer Mutter prägten die Forchheimerin Lisa Hoffmann, die selbst sagt: "Bildung war meiner Mutter wichtig. Und ich ging gern in die Schule und habe auch gern Wissen aufgenommen."

Im Dezember 1950 wurde Lisa Hoffmann in Forchheim als zweites von vier Kindern geboren. Ihr Vater war Arbeiter, die Mutter hatte eine Ausbildung zur Büroassistentin gemacht, "doch in der Zeit blieb man als Frau und Mutter zuhause".

In den 1950er Jahren gab es wenig. Lisa Hoffmann trug die Kleider der großen Schwester auf. Und sie freuten sich, wenn sie aus der Verwandtschaft abgelegte Klamotten bekamen. Die Familie wohnte mit der Tante in der Innenstadt von Forchheim. Lisa Hoffmann besuchte den Kindergarten im Waisenhaus. Die Geschwister begleiteten sich gegenseitig und passten auf sich auf. "Heutzutage lassen die Eltern ihre Kinder nicht aus den Augen. Das war früher legerer", sagt Lisa Hoffmann. Nach der Mädchenschule besuchte sie die Mittelschule, in der es Klassen für Jungs und welche für Mädchen gab.

Nach der Mittleren Reife wollte Lisa Hoffmann Geld verdienen und ließ sich in Erlangen zur Kinderkrankenschwester ausbilden. "Ich wohnte im Schwesternwohnheim. Die Ausbildung war sehr anspruchsvoll. Das hat mir viel Spaß gemacht", sagt sie. Mit 21 Jahren schloss sie die Ausbildung ab und lernte ihren zukünftigen Mann kennen.

"Damals musste man heiraten, wenn man zusammenleben wollte, denn da gab es den Kuppelparagrafen noch", erinnert sie sich. Früher mussten Vermieter zum Beispiel darauf achten, wenn sie ein Zimmer an eine Studentin vermietet hatten, dass der Herrenbesuch rechtzeitig verschwand. Sonst konnten sie sich des Vorwurfes der Kuppelei aussetzen.

Kollegen sind irritiert

Etwas irritiert waren die Kollegen ihres Mannes, da das Paar nicht gleich Kinder bekam. "Wir haben bewusst damit gewartet. Damals gab es ja dann die Pille. Die durfte man aber nicht zur Verhütung nehmen, sondern man bekam sie nur, wenn man Menstruationsbeschwerden angab", erzählt Lisa Hoffmann. Das Paar arbeitete und wohnte in Erlangen und genoss schöne Urlaubsreisen. Dann kamen die beiden Töchter zur Welt und die Familie zog nach Forchheim. Hier leitete die junge Mutter eine Stillgruppe. Da es nur Mutter-Kind-Gruppen gab, gründete sie mit Freundinnen eine Frauengruppe, die immer noch besteht. "Da standen die Frauen als solches im Mittelpunkt. Doch das war uns nicht genug", erläutert Hoffmann.

In der Welt tat sich viel und die Frauen wollten nicht nur irgendetwas basteln bei ihren Treffen. So wurden sie politisch aktiv und gründeten die Friedensgruppe "Frauen für den Frieden". Ostern sangen sie zum Beispiel Friedenslieder am Paradeplatz. Mit den Kindern ging es auch nach Wackersdorf oder zu Friedensmärschen.

Rückkehr ins Berufsleben

Dann kamen die Kinder in die Schule und Lisa Hoffmann fragte sich: Was jetzt? Sie besuchte einen Kurs für Rückkehrer ins Berufsleben und arbeitete vormittags für die Arbeiterwohlfahrt (Awo). "Mein Chef konnte sich meinen Namen nicht merken, deshalb war ich am Anfang "Frau Dings", erzählt Lisa Hoffmann lachend. Sie machte eine berufsbegleitende Ausbildung und stieg von "Frau Dings" zur Geschäftsführerin auf. In dieser Zeit wurden zum Beispiel die ambulanten Hilfen zur Erziehung ausgebaut, ein Kinderhort entstand, es gab Hilfen für straffällige Jugendliche oder Essen auf Rädern. Mittlerweile hat sie die Leitung abgegeben, ist Kreisvorsitzende und ehrenamtlich für die Awo tätig.

"Früher habe ich erwartet, dass sich die Dinge schneller verändern. Aber nach wie vor lastet immer noch viel auf den Schultern der Frauen", meint Lisa Hoffmann nachdenklich. Frauen seien wohl besser ausgebildet und selbstbewusster, "aber dieser Spagat, auch mal fordern zu müssen und dabei die Weiblichkeit nicht zu kurz kommen zu lassen, ist immer noch da". Lisa Hoffmann ist der Ansicht, dass Frauen flexibler sein müssten, da das Leben ganz andere Anforderungen an sie stelle. Sie selbst setzt sich schon immer für andere ein, denn ihr Motto ist: "Man muss die eigene Welt gestalten, aber auch die Gesellschaft." Deshalb ist sie seit 20 Jahren SPD-Stadträtin in Forchheim und setzt sich für Seniorenthemen ein.