Johannes Schlereth

Dass die Operette nicht so altbacken wie ihr Ruf ist, zeigt Iva Simon, die Organisatorin des "Kissinger Operettenzaubers". "Wir haben viele junge Talente eingeladen wie etwa die Sopranistin Jenifer Lary", führt die Ramsthalerin auf. Der diesjährige Operettenzauber steht unter dem dem Motto "Strahlender Mond".


Tribut an Berlin

Im Verlauf des Abends werden Klassiker aus der Berliner Operette, wie "Frau Luna" von Paul Lincke, dargeboten. Den Grund dafür lieferte Simons eigene Vergangenheit: "Ich komme ursprünglich aus Prag, fühle mich aber in Deutschland zu Hause. Berlin war als Hauptstadt für mich schon immer ein Fixpunkt. Als dann die Mauer gefallen ist, war das ein Hoffnungsschimmer. Ich verneige mich also dieses Jahr sozusagen vor Berlin."


Roter Faden

Das Programm sei jedoch nicht wahllos gewählt, stattdessen könne eher von einer Versatzstückoperette gesprochen werden, bei der Lieder aus verschiedenen Operetten in einen neuen Zusammenhang gebracht werden. "Der rote Faden war uns wichtig", betont Mitorganisator Dieter Simon. Viele Lieder seien "echte Gassenhauer": "Wenn man die Melodien hört, kommt sofort der Gedanke - hoppla, das habe ich schon mal gehört."
Deutlich wird das Iva Simon, wenn sie Gesangsunterricht gibt: "Manche Schüler, die bei mir zur Stimmbildung sind, sagen, dass sie sich bei manchen Stellen zum Beispiel an ,Phantom der Oper‘ erinnert haben. Die Operette ist ja quasi eine Art Vorläufer des Musicals - was ja modern ist." Um jedoch die Zusammenhänge zwischen den Stücken deutlich zu machen, haben sich Iva und Dieter Simon etwas einfallen lassen: Der Bariton Patrick Rohbeck soll die Freunde der Operette durch den Abend führen.
"Patrick ist mittlerweile das vierte Mal als Moderator, Schauspieler, Tänzer und Sänger mit dabei", erinnert sich die 55-jährige Organisatorin. Deutlich werde am Beispiel Rohbecks vor allem, dass die Operette zwar "eine leicht Muse" sei, die jedoch höchste Anforderungen an die Künstler stelle.
Um die geeigneten Musiker für den Operettenzauber zu engagieren, planen Iva und Dieter Simon seit dem Herbst vergangenen Jahres. "Wir schauen uns alle Künstler meistens live an, dann sprechen wir mit ihnen, ob sie Interesse haben - im Regelfall sagt keiner nein, aber der finanzielle Rahmen spielt natürlich auch eine Rolle", erklärt Dieter Simon das Booking.
"Ich kenne durch meine Vergangenheit an der Oper viele Künstler in der Szene, das erleichtert uns das alles", fügt die gebürtige Pragerin an. Wichtig sei vor allem, dass der Künstler die Rolle füllen könne. "Er muss sich mit der Person identifizieren, um in ihr aufgehen zu können. Wir versuchen deshalb, das Programm auf die Künstler zuzuschneiden."


Hochkarätige Besetzung

Beim Blick in die Viten der Sänger zeigt sich, dass den beiden die Auswahl gelungen ist: Die Bregenzer Festspiele oder die Dom-Stufen-Festspiele sind nur zwei von vielen Highlights, auf denen die engagierten Künstler des Operettenzaubers bisher auftraten. Begleitet werden sie von der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. "Wir haben anfangs einen Operettenabend am Klavier begleiten lassen und auf Video gefilmt. Das haben wir dem Orchester dann zukommen lassen. Tatsächlich waren sie begeistert und sofort mit an Bord", erinnert sich Dieter Simon an den Beginn der Kooperation.


Erfolgsgeschichte

Dass ihr Konzept aufgeht, zeigt die Entwicklung des Operettenzaubers über die Jahre hinweg. "Wir haben ganz klein im ,Weißen Saal‘ angefangen - da waren so 80 bis 90 Leute da, und es war ausverkauft. Also haben wir uns vergrößert und sind ins Theater. Auch das war für den Operettenzauber schnell zu klein. Dann sind wir im Max-Littmann-Saal angekommen", erklärt Dieter Simon die Geschichte.
Jahr für Jahr sei die Resonanz stets positiv ausgefallen. "Wir hoffen natürlich auch 2018 auf großes Interesse und viele Besucher des Operettenzaubers", resümiert Iva Simon.