von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Bad Staffelstein — Das Fränkische zu erhalten, sagt Karl-Heinz Müller, ist keine staatliche Aufgabe, kein hochwissenschaftliches Projekt - es ist die Aufgabe der Basis, der Leute eben, die in der Region leben. Die fränkische Sprache, die Volksmusik zu erhalten, ist eigentlich leicht, wenn sie im Alltag vorkommen. Zum Beispiel beim gemeinsamen Feiern und Singen im Festzelt. Deshalb planen die Staffelsteiner Kultur- und Freizeitfreunde nun ein eigenes Frankenfest. Am ersten Septemberwochenende wird es unter dem Namen "franggn middich" auf dem Gelände am "Anger-Stübla" steigen.
Das urfränkische Wort "middich", erklärt Karl-Heinz Müller, stehe für "mitten in Oberfranken, mitten im Europa der Regionen und mitten unter die Leut‘". Bei diesem Fest seien also alle willkommen, die die fränkische Idee sympathisch finden, ob Franken, Ostfriesen oder Oberbayern.

Selbstbewusst und eigenständig

"Middich" stehe aber auch für mitten in der Gesellschaft, nicht parteipolitisch, nicht links oder rechts - "middich halt". Der Begriff symbolisiere zudem Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit, habe aber keineswegs etwas Abspalterisches. "Middich" stehe für fränkisches Selbstverständnis, Originalität und Bodenständigkeit, sagt der 61-Jährige.

Brauchtum, Mundart und Musik

Vorbild für die Staffelsteiner Kultur- und Freizeitfreunde sei der Tag der Franken, der seit neun Jahren alljährlich gefeiert werde, fährt Müller fort. Franken feiere sich seither ganz offiziell selbst - mit Festlichkeiten fürs Volk und jeweils einem Empfang für Prominente. Dass Franken weiterlebe, lasse sich nicht durch staatlich geförderte Frankentage in den drei Bezirken alleine sicherstellen, meint Karl-Heinz Müller. Um dies sicherzustellen, müsse die Region in Brauchtum, Mundart und Musik fränkisch bleiben. Das könne und solle schon im Kleinen geschehen, an der Basis, ist Karl-Heinz Müller überzeugt. Geschehen könne dies etwa durch bewusstes Fränkisch-Plaudern beim Bäcker oder Metzger. "Es wäre schön, wenn sich das Fest fortsetzen ließe", wünscht sich Karl-Heinz Müller, wenn also "franggn middich" als jährliches Kulturereignis etabliert werden könnte.

Drei Siegerbilder ausgewählt

Die Fotogruppe des Vereins hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben. Unter 104 eingereichten Aufnahmen galt es auszuwählen. Ein halbes Dutzend Juroren unter Leitung von Mario Kern suchte am Montagabend die drei Siegerbilder aus. Wer gewonnen hat, wird am Sonntag, 7. September, um 19 Uhr bekanntgegeben. Alle anderen Fotos sind vorher schon im Nebenzimmer des "Anger-Stübla" zu sehen. Wundervolle Bilder, die das illustrieren, was der Dichter Friedrich Rückert im 19. Jahrhundert schon erkannte: "Deutschland in Europas Mitte, und in Deutschlands Mitte Franken ..."
Der Schdafflschdaaner Franggndooch beginnt am Freitag, 5. September, mit einem "Fränggischn Abend" - musikalisch gestaltet von der Klampfengruppe und der "Feieromdmussig". Am Samstag, 6. September, gibt's zum Frühschoppen "Blaua Zipfl", und am Nachmittag lädt die Klampfengruppe zum Wunschkonzert ein - unter dem Motto: "Wünsch dich woss!".

Konzert von "Saitenwynd"

Am Samstagabend stößt Fränkisches dann auf eine andere bezaubernde europäische Region: das uroberfränkische Sextett "Saitenwynd" spielt auf und verbindet irische und fränkische Livemusik in bester Weise. Dann wird, neben süffigem fränkischem Bier, natürlich auch Guinness gezapft.
Der Sonntag, 7. September, beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst; dazu und danach spielt die Klampfengruppe. Zum Mittagessen werden "ächd fränggischa Schäuferla mit Klöß" serviert.
Dem Familiennachmittag (14 bis 18 Uhr) mit Kaffee, Kuchen, Hüpfburg, Kinderolympiade und Kinderschminken folgt am späten Nachmittag der krönende Abschluss, denn ein fränkisches Unikum tritt auf, deftig und urig: Gert Backert.Besonders erfreut sind die Macher des Frankenfestes auch von der Zusage des Frankenland-Versandes Nürnberg, der mit einem eigenen Pavillon während der drei Festtage alle möglichen Gebrauchs- und Schmuckartikel für Lokalpatrioten anbieten wird.