Das Netzwerk "Asyl" und der Runde Tisch "Asyl Forchheim" gehen an die Öffentlichkeit. In einer Podiumsdiskussion "Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung - Chancen für die oberfränkische Wirtschaft" am Montag, 23. Juli, 17 Uhr, diskutiert die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Anette Kramme (SPD), in der Berufsschule Forchheim (Fritz-Hoffmann-Straße 3) mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Handwerk, Industrie sowie Hotel- und Gaststättengewerbe die Situation.
Im Rahmen eines Faktenchecks berichten auch Betriebe über ihre Situation und ihre Erfahrungen, die sie sowohl mit Flüchtlingen selbst als auch mit bürokratischen Hürden gemacht haben. Die Veranstaltung moderiert Eleonore Birkenstock vom Bayerischen Rundfunk. Ende Juli beenden an der Berufsschule Forchheim drei Berufsintegrationsklassen ihre schulische Ausbildung mit dem Mittelschulabschluss. Die jungen Menschen - Flüchtlinge aus allen Krisenländern - haben dann innerhalb von zwei beziehungsweise drei Jahren nicht nur eine ihnen ursprünglich völlig fremde Sprache soweit erlernt, dass sie gut verstehen und sich ebenso gut verständigen können, sondern auch in anderen Fächern wie beispielsweise Mathematik sich gute Grundkenntnisse erworben. Etliche von ihnen hatten erstmals in Deutschland überhaupt die Chance, eine Schule zu besuchen.
Alle Schüler haben im Laufe der beiden letzten Jahre mehrere Berufspraktika absolviert. Die allermeisten Schüler haben sich dabei bewährt, so dass die Praktikumsbetriebe ihnen Ausbildungsplätze angeboten haben. Das Netzwerk "Asyl Forchheim", das diese jungen Menschen auf ihren bisherigen Weg begleitete, sieht nun aber mit Sorgen, dass die Absolventen völlig unterschiedliche Perspektiven haben - abhängig von dem Land, aus dem sie kommen. Nicht ihr Engagement, ihre Integrationsbereitschaft und die von ihnen unternommenen Anstrengungen zählen, lediglich das Herkunftsland und damit eine vermeintliche "Bleibeperspektive" sollen nun wegweisend für die Zukunft dieser Menschen sein.
Auf der anderen Seite beklagen Handwerks- und Industriebetriebe, insbesondere aber das Hotel- und Gaststättengewerbe, einen großen Bedarf an Fachkräften. Gerne würden sie Flüchtlinge als Auszubildende nehmen, die sich im Rahmen eines Praktikums bewährt haben. Sie können nicht verstehen, dass trotz abgeschlossener Lehrverträge in Bayern, insbesondere aber in Oberfranken, seitens der Behörden diesen potenziellen Auszubildenden die Beschäftigungsaufnahme versagt wird. Während in anderen Regionen die bundesweit gültige Regelung "3 + 2" (Ausbildung und anschließend Arbeiten im erlernten Beruf) zur Anwendung kommt, weiche laut Veranstalter " Bayern aus rational nicht nachvollziehbaren Gründen hiervon ab".
Als Folge davon würden viele Betriebe einen Mangel an Fachkräften beklagen, der sogar dazu führe, dass Aufträge mangels Kapazitäten nicht mehr angenommen werden könnten. Viele zusätzliche "Ruhetage" bei Hotels und Gaststätten seien auf akuten Personalmangel zurückzuführen. Faktisch gingen hierdurch den Betrieben Einnahmen verloren und damit auch den Kommunen und dem Staat, denen die Steuern auf diese Einnahmen entgehen würden. red