Sebastian Schanz

Im Ebracher Forst ist jede gefällte Buche ein Politikum. Vor dem Hintergrund des langen und intensiven Tauziehens um einen Nationalpark Steigerwald und dem Nein von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fragen sich nicht nur Naturschützer: Wie geht es nun weiter? Mit Spannung wurde deshalb erwartet, was die Bayerischen Staatsforsten in ihren 16 500 Hektar Wald bei Ebrach im kommenden Geschäftsjahr vorhaben. Zum Inforundgang kamen knapp 40 Interessierte.
Die Befürworter eines Nationalparks nahmen vor allem ein Versprechen von Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner zur Kenntnis: "Besonders dicke Buchen werden als Methusalembäume, ökologisch wertvolle Bäume als Biotopbäume geschützt." Wenn ein Baum 80 Zentimeter Durchmesser in Brusthöhe erreicht habe, bleibe er von der Säge unberührt. Ebenso wenn er Astlöcher oder andere Brutmöglichkeiten für die Waldbewohner aufweise. Kahlschlag werde es nicht geben. "Weil auch schwächere Buchen dicker werden, wird die Anzahl von Bäumen über 60 Zentimeter nicht sinken, selbst wenn zur Versorgung der heimischen Laubholzsäger einzelne Bäume genutzt werden", sagte er.


Lange gewachsen, schnell gefällt

Liebhard Löffler, FDP-Kreisrat und Aktivist im Bündnis "Faire Chance für den Steigerwald", hält das für eine "Milchmädchenrechnung". Gefällte Buchen seien unwiederbringlich weg, es brauche Jahrzehnte, bis sie wieder nachwachsen. Und vor allem: Wenn stets alle Buchen mit 60 Zentimetern Dicke der Säge zum Opfer fallen - wie sollen dann weitere Methusalembäume nachwachsen? Konfrontiert mit dieser Kritik erklärte Mergner: "Wir lassen zehn Biotopbäume pro Hektar stehen, die durchaus hoch werden und eine wichtige Funktion für die Natur entwickeln. Und auch bei den anderen Bäumen wird ein Teil zum Methusalem, wenn er für die Forstwirtschaft uninteressant ist, bei Drehwuchs, Krümmungen oder Hanglagen."


Begehrtes Holz aus der Region

Löffler und seine Mitstreiter hatten am Ende auch Lob für die Pläne zur nachhaltigen Bewirtschaftung übrig. "Die Pläne befördern einen konstruktiven Prozess, hin zu mehr Sachlichkeit", sagte Löffler.
Die Vertreter der Waldwirtschaft waren ebenfalls erleichtert: Die 2000 Brennholzkunden, besonders aber die über 20 auf Laubholz spezialisierten regionalen Sägewerke. "Meine Kunden schätzen es, dass das Holz nachhaltig aus der Region kommt", sagte Stefan Reinlein, der in Geiselwind ein Sägewerk mit 60 Mitarbeitern führt. 2400 Erntefestmeter sollen in der Holzerntesaison 2018/19 in den Revieren Schmerb und Oberschwarzach insgesamt geschlagen werden. Für die Laubholzsäger sind besonders die Bäume mit einer Dicke von 50 Zentimetern aufwärts interessant, wie Mergner erklärte. Eben diese haben freilich auch die Naturschützer im Auge.
Für die ist besonders das Trittsteinkonzept ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es nicht neu ist, sondern seit 2006 existiert. "Zwei große Naturreservate und über 40 kleine ungenutzte Trittsteinflächen bilden zusammen mit den Biotopbäumen und dem Totholz ein ökologisches Netzwerk", erklärte Mergner, der unaufgeregt durch das Revier Schmerb führte. Der Forstbetriebsleiter rechnete vor: Sechs Naturreservate zwischen 23 und 183 Hektar ergeben 430 Hektar Gesamtfläche. Hinzu kommen mehr als 200 Trittsteine und ökologisch wertvolle Waldränder mit 750 Hektar Fläche. Und die 150 000 Biotopbäume erstreckten sich mit ihren Kronen auf 750 Hektar. "In der Summe ergibt das fast 2000 Hektar geschützter Fläche, fast zwölf Prozent des Gesamtwaldes."
Das umstrittene Gebiet Ebracher Forst, auch Hoher Buchener Wald genannt, sieht er als nicht außergewöhnlich. Was die Menge der Biotop- oder Methusalembäume angehe, gebe es an anderen Stellen mehr Schützenswertes. Doch Mergner sieht die Fläche ohnehin als zweitrangig an, wie er erklärte. Wichtiger sei es, Biotopbäume stehen, Totholz liegen zu lassen. "Ziel der Waldpflege ist der artenreiche Laubmischwald." Besonders die Eiche soll zukünftig gefördert werden, außerdem Edellaubbäume wie Ahorn und Elsbeere. Das ist dem Klimaschutz geschuldet - aber auch wirtschaftlichen Interessen.
Apropos Interessen: Die Befürworter und Gegner eines Nationalparks fanden bei dem Inforundgang freilich kaum gemeinsame Nenner. Immer wieder glitt die Diskussion in gegenseitige Vorwürfe ab, besonders einige Vertreter der Gegner taten sich hier lautstark hervor. Konsens herrschte immerhin, dass es ein gutes Ansinnen der Staatsforsten ist, jährlich über ihre Pläne zu informieren.