Vor genau 50 Jahren, am 24. Juli 1969, kam großes Unheil über Siegritz. "Für uns Kinder war es der erste Ferientag. Ich war damals zwölf Jahre alt, und wir genossen die freie Zeit in der Natur", erinnert sich Otto Audenrith. Mit seinen Freunden spielte er in einem kleinen Wäldchen am Ortsrand. "Wir schreckten auf, als mitten in der Ortschaft schwarzer Rauch aufstieg. Als neugierige Jungs rannten wir natürlich sofort los Richtung schwarzer Rauch", erzählt er.

Sie überlegten, wer denn wohl was angeschürt haben könnte, und tippten auf den Backofen der Familie Häfner. "Doch kurz bevor wir da ankamen, läuteten schon die Glocken des alten Schulhauses von Siegritz. Alle sprangen wild herum und schrien laut: ,Es brennt'", berichtet Audenrith. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht, und die Löscharbeiten begannen.

Eigene Familie betroffen

Aus Siegritz stammt auch Heiligenstadts Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit). Seine Familie war ebenfalls betroffen. Er fasste im Dokument "Siegritz - ein Großbrand verändert das Dorf" die Geschehnisse von damals zusammen. Um 10.35 Uhr brach in der Scheune des Hauses Nummer 25 ein Feuer aus. Um 10.40 Uhr wurde die Polizei in Ebermannstadt informiert. Die örtliche Feuerwehr rückte mit ihrer Tragkraftspritze aus, die jedoch nicht sofort funktionierte. Dann standen die Flammen so hoch, dass sie nicht mehr viel erreichen konnte.

Krämer schreibt: "Die Viecher brüllten. Menschen schrien. Die Flammen wurden immer größer. Der Rauch verdeckte vieles, aber dennoch, das Blaulicht und die Martinshörner der Polizei und der großen Feuerwehren waren nicht zu übersehen und zu überhören." Mittlerweile hatte das Feuer bereits die Häuser Nummer 25, 24, 23, 22 - das Haus der Familie Krämer - und 26 erfasst. "Bis zur Erschöpfung kämpften die Feuerwehrleute gegen die alles zerstörenden Flammen. Das Vieh musste aus den Ställen geholt werden. Es war ein Glück, dass so viele Helfer so schnell zur Stelle waren", schreibt Helmut Krämer.

VieleTiere nicht zu retten

Trotz der intensiven Brandbekämpfung kamen zahlreiche Rinder und Schweine ums Leben. "Die Bewohner wollten ihr Hab und Gut retten und hatten dabei manchmal vergessen, sich selbst zu schützen. Das Vieh rannte durch die Straßen, Bretter flogen, Heu- und Strohreste zischten durch die Luft", erinnert sich Krämer.

Gegen 12.30 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Am Nachmittag konnte das schreckliche Ausmaß des Brands gesehen werden: Fünf landwirtschaftliche Anwesen waren vom Brand betroffen. Vom Anwesen der Familie Krämer waren Scheune, Holzlege, Schweinestall und Garage dem Brand zum Opfer gefallen.

Der Großbrand hatte Schaden in Höhe von etwa einer Million D-Mark verursacht. "Viele hatten Hab und Gut verloren und standen vor dem Nichts", weiß Helmut Krämer zu berichten und schreibt: "Es war ein Bild des Jammers. Doch Hilfe kam von allen Seiten."

Es gab Geld- und Sachspenden, so dass die Menschen, die alles verloren hatten, wenigstens etwas zum Anziehen erhielten. Auch die Behörden reagierten schnell und eine Dorfsanierung wurde eingeleitet. Familie Krämer siedelte Richtung Neudorf um; an der Stelle, an der das Haus Nr. 22 stand, befindet sich jetzt ein Kinderspielplatz.

Der Großbrand war schrecklich, doch gemeinsam haben die Siegritzer ihr Dorf wieder aufgebaut.