Im Schraubstock zwischen hohen Kosten für Betriebsmittel, unter anderem für Futter und Energie, und im Vergleich dazu nach wie vor deutlich zu niedrigen Schweinepreisen droht vielen Schweinehaltern, insbesondere Ferkelerzeugern, die Luft auszugehen. Das wurde bei einem Seminar Schweinehaltung in der Gaststätte Rose in Grub am Forst deutlich.
Eingeladen hatte der Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung (Vlf) Coburg und der Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung, Bezirksverband Oberfranken, sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Rüdiger Wintersperger leitete das Seminar mit rund 100 Landwirten aus Oberfranken.
Mit drei Fachvorträgen wurden relevante Themen der Schweinehaltung intensiv beleuchtet. Simon Michel-Berger vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt stellte Lösungsvorschläge vor, wie Erzeuger mit ihren Verbrauchern kommunizieren sollten. Da gebe es eine Diskrepanz zwischen Verbraucherwünschen und Handeln, sagte Michel-Berger und zitierte den Ernährungsreport 2016. Demzufolge schätzen Verbraucher die Landwirtschaft. Trotzdem glauben nur 21,1 Prozent der befragten Verbraucher, dass es den Tieren heute besser gehe als früher. 52 Prozent seien der Ansicht, dass der Bauer nur mit vielen Tieren genug verdienen könne. Aber die Befragten gäben zu bedenken, dass es nicht um das Wohl der Tiere gehe, sondern um den Gewinn des Landwirts. "Etwas stimmt da nicht", stellte der Referent fest. 45 Prozent der Deutschen würden bei tiergerechter Haltung zwei Drittel mehr für ein Kilo Fleisch bezahlen. 85,2 Prozent der Deutschen stimmten folgender Aussage zu: "Wenn die Tiere für unser Essen sterben müssen, so sollen sie vorher gut gelebt haben." "Aber leider sagen 80,5 Prozent der Deutschen, dass trotz anderer Behauptungen beim Einkauf doch nur auf den Preis geachtet wird", sagte Michel-Berger. Notwendig sei es, in der Öffentlichkeit ein realistisches Bild der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu schaffen. Michel-Berger zeigte verschiedene Beispiele, die deshalb erfolgreichen seien, weil Landwirte glaubwürdig und authentisch im Dialog mit dem Verbraucher ihre Arbeit erklärten.
Marco Röstel, Versicherungsfachmann der Versicherungskammer Bayern, ging auf Märkte und Preise, Risiken und Absicherung eines jeden Betriebs ein. Er empfahl eine regelmäßige Überprüfung des Hofes und der bestehenden Verträge.
Aus der Praxis meldete sich Landwirtschaftsmeister Henning Arndt aus Thedinghausen südlich von Bremen zu Wort. Er zeigte auf, welche Voraussetzungen notwendig sind, um den steigenden Anforderungen heute gerecht zu werden. Unter den aktuellen Marktbedingungen sei es nicht möglich, kostendeckend zu wirtschaften - geschweige denn, Zukunftsinvestitionen zu planen, sagte er.


Riesige Preisschwankungen

Übereinstimmend wurde festgestellt, dass die Schweinehaltung heute von einer geringen Marge lebe, die es zu verbessern gelte. Carsten Oehrl, dem VlF-Vorsitzenden, machen die riesigen Preisschwankungen Sorge. Bei der Milch gehe es auf und ab. Bei den Schweinepreisen sei ein Tiefstand erreicht.
Henning Arndt stellte fest: "Die größte Wertschöpfung ist durch ein geschlossenes System zu erreichen". Das bedeute, eigene Sauen zu halten und die Ferkel selbst zu mästen.
In seiner abschließenden Zusammenfassung machte Rüdiger Wintersperger deutlich, wie wichtig Tiergesundheit und Nachhaltigkeit als Bewertungsmaßstäbe in der Erzeugung seien. Tiergesundheit könne als Maßstab mit den Verlusten dargestellt werden. In der Schweinemast seien diese in Oberfranken mit 1,5 Prozent phänomenal niedrig, die Futterverwertung, das bedeute, wie viel Kilogramm Futter zur Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch notwendig sind, liege aktuell bei 2,78 Kilogramm. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei 3,06 Kilogramm. Das bedeute pro Mastschwein eine Futtereinsparung von 50 Pfund. So würden in der Erzeugung Ressourcen geschont. Er appellierte an die Landwirte, diese Sachverhalte noch deutlicher im Erzeuger-Verbraucher-Dialog herauszustellen. aw