"Wir sind eine bunt gemischte Truppe", stellte Birgit Janson fest. Die Pastoralreferentin hatte zusammen mit Förster Ludwig Winkler aus Woffendorf die Frühjahrs-Familienwallfahrt der katholischen Pfarrgemeinde Altenkunstadt organisiert. Die Pilgertour, die alle Altersgruppen vereinte, stand unter dem Motto "Bergige Orte, felsige Landschaft und steinerne Glaubenszeugen".

Nach einer kurzen Gebetsandacht in der 1977 errichteten Kapelle in Frankenberg ging's los. Die Route führte durch die Fluren von Frankenberg nach Mosenberg. Die Feldlerche hat hier noch ihr Revier; fasziniert verfolgten die Wallfahrer ihren Steigflug. Der trockene Sommer hat im Wald seine Spuren hinterlassen, wie die Baumschäden deutlich machten. An 20 Jahre alten Fichten zeigte Ludwig Winkler die Fraßgänge des Kupferstechers. "Obwohl er nur etwa drei Millimeter misst, kann er großen Schaden anrichten. Den Waldbauern in unserer Region macht er schwer zu schaffen", erklärte der Förster. Um weiteren Käferbefall zu verhindern, müssten die betroffenen Bäume gefällt und aus dem Wald geschafft werden. In der "Herösen", so nennt man dieses Waldgebiet, werden die "Herrenhölzer" von Grenzsteinen aus Sandstein unterteilt. Die Darstellung eines Kelchs auf den "steinernen Zeugen", so vermutet Winkler, deutet wohl darauf hin, dass dieser Wald früher zum Kloster Langheim gehörte. Im Zuge der Säkularisation seien die Klosterbesitzungen unter der Bezeichnung "Herrenholz" unter den ansässigen Bauern aufgeteilt worden.

Ihre Kletterkünste testeten Kinder und Jugendliche am "Hohlen Stein", einem beeindruckenden, von der Witterung geformten Felsmassiv. Auf dem Flurbereinigungsweg ging es weiter nach Mosenberg. In der restaurierten Marienkapelle, die vom örtlichen Kapellenbauverein liebevoll gepflegt wird, informierte Ludwig Winkler über die Geschichte der Bergdörfer im Jura. "Frankenberg, Mosenberg und Wallersberg bildeten zusammen mit der Weihersmühle bis Anfang der 1970er Jahre eine selbstständige Gemeinde", erzählte er. Erst nach der Eingemeindung in die Stadt Weismain seien die Straßen ausgebaut worden. Das schmucke Gotteshaus der Mosenberger in der Dorfmitte habe die ursprüngliche kleine Andachtskapelle am Ortsrand ersetzt. Mindestens zweimal im Monat werde hier Gottesdienst gefeiert. Winkler führte die Pilger zum "Rauhenstein", wo sie einen herrlichen Ausblick auf den Kötteler Grund hatten. Sie bestaunten die Wacholderhänge und sahen auf der anderen Bergseite das Dorf Arnstein mit seiner imposanten Pfarrkirche St. Nikolaus. Ziel der Ausflügler war die Ortschaft Wallersberg mit ihrer der heiligen Katharina geweihten Wallfahrtskirche. Der Ursprung des Sakralbaus reicht in das 14. Jahrhundert zurück. Die Wallfahrt basiert auf einer Quelle, deren Wasser man besondere Kräfte nachsagte. "Mit dem Versiegen der Quelle versiegte aber auch das Wallfahrtswesen", berichtete Birgit Janson.

Der Weismainer Stadtpfarrer Gerhard Möckel feierte mit den Altenkunstadtern einen Wallfahrtsgottesdienst, an dem auch viele Gläubige aus den umliegenden Bergdörfern teilnahmen. In seiner Predigt befasste sich der Geistliche mit der Wirkung des Heiligen Geistes und der Bedeutung eines "guten Geistes" für eine Gemeinschaft und die Familie. bkl