Eve Madlen Löffler (8), Katharina Graf (8), Xenia Popp (8) und Liv Seidel (9) sitzen ganz ruhig da. Sie machen Hausaufgaben. Sie sind voll konzentriert, keiner redet. "Jeder macht seine Hausaufgaben alleine", erklärt Eve Löffler. "Nein, wir schreiben nicht ab", beteuert Liv Seidel. "Hey, ich weiß nicht, wie das geht. Was muss ich machen?", fragt Xenia Popp in die Runde und hält ihr Mathematikbuch hoch. Schnell helfen die anderen drei weiter. Sie erklären, doch lösen muss Xenia die Aufgaben selbst.
Obwohl der neue Mainleuser Hort erst seit wenigen Tagen geöffnet ist, fühlen sich die Kinder, die nachmittags, nach der Schule hierherkommen, schon richtig wohl. "Der Hort versteht sich als ein familienunterstützendes und -ergänzendes Angebot mit dem Auftrag der Erziehung, Bildung und Betreuung von Schulkindern", sagt Michael Seck, Leiter des Zentrums für Kinder und Familie. "Wir begleiten die uns anvertrauten Kinder in die Selbstständigkeit, sehen uns als Begleiter in ihre Entwicklung. Dabei beziehen wir alle Kompetenzbereiche ein und unterstützenden das Kind im aktiven, selbstbestimmten Tun", formuliert Seck den Anspruch.
In der Praxis bedeutet dies: Die Kinder gehen - direkt nach der Schule - einfach eine Treppe höher und gelangen so in den "katholischen" Hort. Aktuell sind 30 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren angemeldet, Platz wäre für 40 Kinder.


Große Küche das Herzstück

"Durch die Erweiterung des Hortes und die Aufstockung von 25 auf 40 Plätze haben wir in Mainleus eine Bedarfsdeckung von fast hundert Prozent erreicht", sagt Seck und zeigt sich mit den großangelegten Umbauarbeiten äußerst zufrieden. Herzstück des neuen Kinderhortes ist eine große Küche. Nach der Schule wird hier das Essen ausgegeben - um Punkt 13 Uhr. Natürlich wird gemeinsam im großen Aufenthaltsraum "gefuttert". "Es geht uns nicht nur um die reine Nahrungsaufnahme, sondern um ein festes Ritual, das die Kommunikation und die Vertiefung sozialer Aspekte sowie die Tischkultur zum Ziel hat", so Seck.
Und einmal pro Woche - jeden Freitag - kochen die Kids selbst. "Wir bereiten nachmittags auch die Sachen für eine gesunde Pause zu", erklärt Hortleiterin Nina Schorsch und betont, dass die großen Familienküchen bei der Konzeptionierung des Hortes Vorbild gewesen seien. "So wie sich bei den Familien zu Hause das Leben in der Küche abspielt, so ist es auch bei uns", sagt sie.


Viel Platz zum Spielen

Geöffnet ist der Hort im Obergeschoss des Mainleuser Rathauses täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr. Die Kinder haben Platz, sich auf 280 Quadratmetern richtig wohl zu fühlen. Es gibt einen Intensivraum, der die Möglichkeit bietet, sich auch einmal zurückzuziehen, Projekte durchzuführen. Außerdem hat der Hort mehrere Hausaufgabenräume. "Sie sind bewusst klein gehalten. Die Kinder sollen ja in Ruhe lernen können", so Amelie Heller.
Ronny Schweitzer (9) ist schon fertig mit Hausaufgaben. Als erster stürmt er in die Lego- und Bauecke. Doch er bleibt nicht lange allein. Auch Tim Winkler (8) und Laila Zeller (8) stoßen bald dazu. "Schaut mal, ich habe eine Höhle gebaut", lockt Romeo Wagner. Der Siebenjährige hat Stühle mit einer Decke überdeckt, genießt seinen ganz persönlichen Rückzugsort.


Offizielle Einweihung geplant

Bürgermeister Robert Bosch (CSU) freut sich, dass der Hort "nahezu komplett" fertig ist und dass sich die Kinder bereits so wohl fühlen. "Uns war es wichtig, bewusst mehr Plätze anzubieten, als wir eigentlich benötigen. Der Raum gibt das einfach her", so Bosch.
"Jetzt müssen wir nur noch einige Feinarbeiten machen. Dann soll es auch eine offizielle Einweihung mit Dekan Hans Roppelt geben", so Bosch.
Die letzte Umbaumaßnahme in Sachen Hort ist der Ausbau des Rathaus-Obergeschosses allerdings nicht. Denn der Markt Mainleus hat bereits den Bedarf von weiteren 15 Hortplätzen anerkannt, die vom evangelischen Kindergarten bereitgestellt werden sollen. "Dieser Hort soll noch gebaut werden. Die Eltern haben dann ein Wahlrecht", sagt Bosch.