von unserem Redaktionsmitglied 
Lisa Kieslinger

Kreis Haßberge — Das geplante Motiv für einen Wagen des Rosenmontagszuges in Köln: Ein Jeck stopft einem Terroristen einen Stift in den Waffenlauf. So wollte der Kölner Karneval für den Schutz der Meinungsfreiheit eintreten, die durch das Attentat auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris erschüttert wurde. Der Entwurf siegte bei einer Abstimmung in Facebook. Nun entschloss sich das Kölner Faschingskomitee aber, den Bau des Wagens zu stoppen. Man stehe zwar zur Botschaft des Motivwagens, jedoch habe es Rückmeldungen von besorgten Bürgern gegeben, teilte das Festkomitee mit.
Viele stellen sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie weit die Narrenfreiheit eigentlich gehen darf. Der Fränkische Tag hat sich in den Faschingshochburgen im Landkreis Haßberge umgehört, ob der Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin hierzulande zum Faschingsthema wird.

Wagen ohne Charlie Hebdo

Seit 40 Jahren ist Günter Flach-senberger Präsident des Sander Faschingskomitees und damit für die Organisation des Faschingszuges zuständig. "Bei der ersten Sitzung zum Faschingsauftakt habe ich gleich alle Teilnehmer darauf hingewiesen, welche Themen bei uns nicht gehen", so der Präsident. Dazu gehören neben dem Thema Terror auch rechtsradikale Parolen. Zusätzlich bekommen die Teilnehmer des Faschingszuges ein Merkblatt ausgehändigt. "Darin steht nochmal genau, an welche Regeln sie sich zu halten haben. Da bin ich strikt dahinter", unterstreicht Günter Flachsenberger.
Jede Gruppe, die am Sander Faschingszug teilnimmt, bestimmt eine Aufsichtsperson, welche für den Themenwagen und die gesamte Gruppe verantwortlich ist. "In meinen 40 Jahren hat sich jeder an die Regeln gehalten. Solche Themen sind mir deswegen noch nicht untergekommen", erzählt er.
Thomas Fensel von der Stadtverwaltung Zeil kümmert sich seit 20 Jahren um die Organisation des Faschingszuges. Themenwagen zur großen Politik oder zu solchen Ereignissen wie in Paris sind ihm bis jetzt noch nicht begegnet. "Bei uns geht es eher um das Regionale. Mit solch tragenden Themen mussten wir uns noch nicht beschäftigen", erzählt er.
Für die Anmeldung der Themenwagen ist im Eltmanner Faschingskomitee Lisa Stolz zuständig. Bis jetzt sind noch keine Wagen in diese Richtung gelistet, jedoch läuft die Anmeldefrist noch. "Ich glaube aber nicht, dass einer in die Richtung Charlie Hebdo oder Meinungsfreiheit gehen wird. Die Themen sind zu groß für unseren Faschingszug", erklärt der Vorsitzende des Eltmanner Faschingskomitees, Mario Pfister.
Die Wagenbauer für den Trossenfurter Faschingszug halten sich noch bedeckt. Petra Klug von der Gemeinde Oberaurach sind überhaupt noch keine Themen zu Ohren gekommen. Bis zuletzt versuchen die Wagenbauer, ihr Motto geheim zu halten, um bei den Besuchern einen möglichst großen Überraschungseffekt zu erreichen.
Das lokale Geschehen stand auch im Vordergrund der Büttensitzungen der "Elf weisen Hasen" in Haßfurt. "So ein Thema wie das Attentat auf Charlie Hebdo, das ist für Fasching zu weit weg - zum Glück. Damit mussten wir uns noch nicht beschäftigen", äußerte der Vizepräsident der "Elf weisen Hasen", Sebastian Sahlender.
Auch bei den Büttensitzungen in Knetzgau wurde der Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo nicht thematisiert. "In unserer eher ländlichen Region ist so etwas kein Thema. Da geht es eher um das Regionale", sagt Anita Geuß vom Faschingskomitee in Knetzgau.

Fehlende Relevanz des Themas

Charlie Hebdo und die Meinungsfreiheit spielen in keiner Faschingshochburg im Landkreis eine Rolle. Das hat aber weniger mit der Brisanz zu tun, die das Thema mit sich bringt, als vielmehr mit der Relevanz: Das Thema ist nicht lokal und damit unbrauchbar für Büttenreden und Faschingsumzüge.