Eine "durchwachsene Saison" und das Hoffen auf "junge, hungrige Spieler" sowie die Vermutung "uns ist vielleicht einiges erspart geblieben": so lässt sich das Meinungsbild unter den 600 Fans bei der diesjährigen - nach dem 1:3-Vechta-Aus sehr frühen - Abschlussfeier des amtierenden Pokalsiegers, der diesen Triumph und das Final Four-Erreichen als das Aushängeschild 2018/19 in den Fokus rückte, auf einen Nenner bringen. Die gut dreistündige Feier (samt Autogrammstunde), die angesichts der Tatsachen auf dem Parkett nicht mit der Party-Stimmung vergangener Meisterjahre zu vergleichen war, fand erstmals am und im Strullendorfer Trainingscenter (mit Frei-Bier und Gratis-Bratwürsten) statt.

Dies war sicherlich nicht nur aus finanziellen Gründen eine sehr kluge Entscheidung: "War eine gute Wahl, denn da sehen die Fans auch einmal wo die Spieler trainieren" (Norbert Burkard, Erster Vorstand des Brose Bamberg e.V.) und "da sind die Jungs zuhause, das ist ein nettes Zusammensein und auch die Atmosphäre super" (Geschäftsführer Arne Dirks) als treffende Aussagen über die Hauptsmoorhallen-Veranstaltung, deren offizieller Teil von Christopher Fleight (Radio Bamberg) - souverän bei seiner Premiere - moderiert wurde.

Lob und Tadel

Wer wie Werner Kupfer bereits seit fünf Jahrzehnten Dauerkartenbesitzer ist, bleibt gelassen: "Es gab schon schlimmere Zeiten! Angesichts der Altlasten aus der Euroleague-Zeit verständlich, das Gehaltsniveau ist Euroleague-Niveau geblieben, das Spielniveau aber deutlich niedriger. Ich sage nur Back to the Roots", spricht der 60-Jährige Klartext und äußerst den Wunsch, dass wieder mehr Kontakt zwischen Spielern und Zuschauern bestehe müsse ("Ende der Söldner-Mentalität") und auch die drei Fan-Clubs besser harmonieren sollten.

Apropos Fan-Club: Marco Bolz - in der Vorstandschaft von "Faszination Basketball Bamberg" - bringt zwar den in kämpferischer Hinsicht "versöhnlichen Abschluss" ins Spiel, berichtet von seiner Vorahnung "dass es so kommen musste" und kann auch aus der Vechta-Pleite etwas Positives ziehen, was viele Fans im Hinterkopf haben. "Vielleicht besser so, bevor wir uns gegen den FC Bayern blamieren. Finanziell gesehen sparen wir uns zwei Fahrten"! Der 26-Jährige, der bis auf vier Partien auch auswärts in ganz Europa mit dem Team unterwegs war, nimmt kein Blatt vor den Mund: "Es tut gut, wenn viele Spieler gehen würden. Nikos Zisis, so gut er auch einmal war, hat seinen Zenit überschritten. Wünsche mir, dass Olinde, Schmidt und Stuckey größere Rollen bekommen und die Stimmung in der Brose Arena wieder besser wird."

Nur zwei Meter vom Bamberger Headcoach sitzt Reinhold Schulz seit 16 Jahren in der ersten Reihe direkt hinter der Brose-Bank. "Es hätte in dieser Aufbausaison mehr sein können. Man sollte das Augenmerk auf deutsche Akteure richten, Spieler, die mit Herz dabei sind. Mit den deutschen Spielern steht und fällt alles", argumentiert der Schammelsdorfer, der auch weiterhin auf Federico Perego setzt. "Er sollte bleiben; sollte jedoch ein qualifizierterer Headcoach gefunden werden, dann eben als Co-Trainer."

Geschenk von den Fanclubs

Den Dankes-Worten von Präsident Norbert Sieben, der nach dieser "schwierigen Saison" gar nicht wusste ob er sich freuen oder nicht sollte, beleuchteten Geschäftsführer Arne Dirks, Nikos Zisis und Louis Olinde diese Achterbahn-Spielzeit. Ein Extra-Lob bekamen Sponsoren und Fans ab: "Nach der Vechta-Niederlage hat es sich gezeigt, warum ich nach Bamberg kam. Einzigartig wie Ihr hinter der Mannschaft steht."

Die viel Gelobten, vertreten durch Ronnie Arendt ("Faszination Basketball Bamberg"), Markus Heublein ("Freakcity Frankenpower") und Lukas Winkler ("Sektion Südblock"), brachten auch Geschenke für das Team, das mit Ausnahme von Ricky Hickman (weilte bereits in den USA), mit auf die Bühne. Ein Brose-Bamberg-Kissen! Zum Ausruhen in der Offseason passend, aber spätestens nach dem Saisonstart 2019/20 weglegen. Das Abschlussbild verschönerten noch die Dancers, die bundesweit sicher mit an der Spitze stehen und die mit Blumensträußen wertgeschätzt wurden.

Den Dauer-Worten "Bamberger Weg mit Herz-und Seele-Spielern" und das Drücken des Reset-Knopfes müssen endlich Taten folgen, die dafür sorgen, dass die Stimmung bei der Abschlussfeier 2020 - hoffentlich wieder etwas später - etwas euphorischer ist und sich die Spieler unter die Fans zum "Meet and Greet" mischen.