"Von einem besonderen Gottesdienst an einem besonderen Ort" sprach Pfarrer Weck beim Sommerfest der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef am Wochenende in Eltmann. Es hebt sich ohne Zweifel von anderen Sommerfesten ab. Es ist ein Fest von Jugendlichen und für Jugendliche, die hier außerhalb einer Familie Hilfe für ihren weiteren Lebensweg erfahren, oder inzwischen auch für junge Asylbewerber aus verschiedenen Ländern, die von hier aus einen neuen Weg in ihre Zukunft gehen wollen. Aber auch die Bürger der Stadt Eltmann nehmen daran Anteil und tragen diese Einrichtung seit vielen Jahrzehnten mit.
Die Kinder- und Jugendhilfe St. Josef feierte vor vier Jahren ihr 125-jähriges Bestehen, denn schon im Jahr 1854 hat sich der damalige "Johannis-Zweig-Verein" eine Satzung gegeben. Vom bayerischen Königshaus war die Anregung zur Gründung solcher Vereine ausgegangen. Im Jahr 1889 wurde dann um den Preis von 12 000 Mark ein Gebäude erworben, um in Eltmann "ein Asyl für Verwaiste, verwahrloste oder der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzte Kinder zu errichten".
Der Alltag der Heimkinder hat sich im Laufe der über 100 Jahre sehr verändert. Früher wurden vor allem Waisen und Kriegswaisen versorgt. Auch der Name "Heim" wurde aus dem Vokabular gestrichen und durch die Worte Kinder- und Jugendhilfe ersetzt.
Natürlich geht es hier immer noch um Kinder, die kein Zuhause mehr haben, aus zerrütteten Familien kommen und zum Teil auch keinen Kontakt mehr zu ihren Familien haben. Die Kinder- und Jugendhilfe Eltmann stellt dafür heute ein vernetztes Jugendhilfe-Angebot mit verschiedenen ganzheitlich orientierten Hilfen bereit, das jungen Menschen ein sozial und beruflich integriertes, selbstständiges und erfülltes Leben ermöglichen oder zumindest erleichtern soll.


In der Stadt fest verwurzelt

Wie eh und je ist diese Einrichtung in der Stadt Eltmann fest verwurzelt. Das zeigte sich auch beim Sommerfest: Beim Festgottesdienst war das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt.
Das Fest stand unter dem Motto "Fairplay", und auch Pfarrer Weck fand in seiner Festpredigt dazu viele Gedanken. Dies hatte seinen Ausgangspunkt in den Worten "Auge um Auge, Zahn um Zahn" im Alten Testament und wurde auch im Neuen Testament bei dem Evangelisten Matthäus erwähnt: "Ihr habt gehört, dass den Alten gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Jetzt aber sage ich euch: Leistet dem, der euch Böses getan hat, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!" Daraus entstanden auch die Worte "Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen".
Christus wolle, dass wir einen anderen Weg gehen und "Fairplay" betreiben. Fairplay gebe es nämlich nicht nur im Sport, sondern es sei überall wichtig, wo Menschen leben und arbeiten. Dies sei mit der Forderung verbunden, auch Menschen, die man nicht mag oder am liebsten von hinten sähe, anzunehmen und mit ihnen klarzukommen.
In einem Rollenspiel setzten dann auch die Jugendlichen dieses Fairplay in Szenen zum Fußball um. Die Singgruppe aus Lauter umrahmte den Gottesdienst musikalisch.
Nach dem Mittagessen gab es im Rahmen des Festes Auftritte vom Kindergarten, vom Hort, von Mädchen- und Wohngruppen sowie vom Chor im Festzelt. Es gab aber auch viele Möglichkeiten in der Spielstraße, beim Dart- oder Kickerturnier, beim Torwandschießen oder beim Public Viewing.
Stationär werden derzeit 100 Mädchen und Buben betreut und außerhalb in Wohngruppen weitere 40 Jugendliche, Flüchtlinge oder Asylbewerber. Die Fallzahlen für Flüchtlinge sind nach den Worten von Martin Gehring, dem Leiter der Einrichtung, enorm zurückgegangen. Ursprünglich hatte man dafür in Abstimmung mit dem Kreisjugendamt 60 Plätze eingerichtet. Nun kämen fast keine Jugendlichen mehr, was auch an der Verteilung von Bayern auf andere Bundesländer liege.


Zum Teil in Vereine eingebunden

"Viele von den 40 Jugendlichen sind auch in der Schulausbildung oder wurden in mittelständische Betriebe oder ins Handwerk vermittelt. Es ist auch unser Konzept, diesen nächsten Schritt mit dem Jugendamt zu begleiten." Sozialpädagoge Peter Rödelmaier wies darauf hin, dass diese unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen zunehmend selbstständig würden und schulische Abschlüsse erreichten. Die Jugendlichen stammen vorwiegend aus Afghanistan, Eritrea und in letzter Zeit auch aus afrikanischen Ländern wie Gambia oder Guinea. Sie seien zum Teil schon über den Sport wie Fußball oder Judo in die Vereine eingebunden, hätten aber auch berufliche Ziele. Zwei von ihnen engagierten sich bei der Tafel, ein anderer in der Pflege, und ein Jugendlicher fahre jeden Tag mit dem Fahrrad nach Sand, um dort als Fliesenleger zu arbeiten. Aber auch im übrigen Bereich habe in den letzten Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe eine große Umstrukturierung stattgefunden, mit der Gründung von zwei Schülerhorten, für die es enormen Bedarf gebe, betonte Leiter Martin Gehring. Der Kindergarten sei zu einer Kindertagesstätte mit einer Kindergartengruppe und zwei Hortgruppen geworden. Daneben gebe es therapeutische und heilpädagogische Wohngruppen. Aber auch die Gruppen in der Einrichtung seien mit einem höheren Standard bis hin zu Einzelzimmern versehen. Zudem sei der Fachdienst mit noch mehr qualifiziertem Personal wie Diplom-Psychologen oder Heilpädagogen ausgestattet worden. Dies sei notwendig, um den Ansprüchen gerecht zu werden, zumal auch manche Fälle schwieriger werden und vor allem traumatische Erlebnisse aufgearbeitet werden müssten.