Morgen, am 21. Juli, ist Bernd Neisser exakt seit einem halben Jahrhundert bei der Coburger Firma Sanitär Schneider tätig. Im Berufsleben als Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur steht der Lautertaler bereits seit 58 Jahren. Nach der Lehre, die er 1959 begann, arbeitete er zunächst einige Jahre in Neuses. "Dann lernte ich meine Frau kennen und lieben." Der künftige Schwiegervater betrieb die Sanitärfirma und meinte, "du wirst doch nach der Heirat nicht für andere arbeiten." Daher wechselte Neisser im Juli 1967 den Arbeitsplatz und ist seither in der Mohrenstraße tätig.
Das Büro- und Lagergebäude von Sanitär Schneider befindet sich mitten in der Coburger Innenstadt, aber trotzdem etwas versteckt. Von der Mohrenstraße führt der Weg hinter der Volkshochschule vorbei. Dort siedelte sich die Firma 1938 an. Zuvor war der Handwerksbetrieb in der Kleinen Johannisgasse, wo er 1911 gegründet wurde. Seither ist das Unternehmen in den Händen der Familie.
Als Bernd Neisser Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit der Lehre begann, bestimmten verzinkte Rohre den Leitungsbau. "Nachdem das Rohr abgelängt war, wurde an jedem Ende ein Gewinde geschnitten und mit sogenannten Fittings das nächste Stück angeschraubt. So war das früher", sagt Bernd Neisser. Heute werden kupferne Heizungsrohre verlötet, ineinander gesteckt oder Kunststoffrohre eingesetzt. Das spart Zeit und Kosten. Der Kostenfaktor ist heute das Maß aller Dinge.
Der Weg von zu Hause zum Lehrbetrieb nach Neuses war seinerzeit langwierig. "Entweder mit dem Fahrrad von Oberlauter - auch bei Schnee, oder mit dem Bus. Da kontrollierte ein Schaffner die Fahrscheine und außerdem hatte der Bus einen Anhänger, um mehr Fahrgäste zu transportieren." Vom Coburger Bahnhof ging es dann zu Fuß nach Neuses.
Dem technischen Wandel hat sich Bernd Neisser nie verschlossen und auch nicht verweigern können. Neue effiziente Heizsysteme mit elektronischer Steuerung und Solaranlagen werden heute verbaut. 1982 legte er die Meisterprüfung ab, zwei Jahre später übernahm er nach dem Tod des Schwagers als Geschäftsführer die Firma.
Inzwischen hat sich Bernd Neisser aus dem Geschäft mit fünf Mitarbeitern weitgehend zurückgezogen. Entspannung findet er beim Angeln.