Die Tourismus-Region Coburg-Rennsteig verzeichnete im vergangenen Jahr 450 000 Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Sie beruft sich dabei auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, das die Beherbergungszahlen der deutschen Reisegebiete ausgewertet hat.

NGG-Geschäftsführer Michael Grundl spricht von einer "starken Bilanz, die jedoch nur mit dem starken Engagement der Beschäftigten möglich ist". Im Landkreis Coburg beschäftige das Gastgewerbe nach Angaben der Arbeitsagentur rund 1000 Menschen. "Allerdings fehlen hier zunehmend Fachkräfte - auch, weil die Branche ein waschechtes Image-Problem hat." Ein Hauptgrund seien immer extremere Arbeitszeiten. Zwar gehöre das Arbeiten am Abend oder am Sonntag für Hotelfachleute und Kellner fest zum Job. "Aber in den vergangenen Jahren sind die Schichten deutlich länger und die Erholungszeiten kürzer geworden."

"Gesundheit steht auf dem Spiel"

Grundl kritisiert insbesondere die Forderungen von Unternehmern, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. "Geht es nach dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, dann sollen 13-Stunden-Arbeitstage bald zum Normalfall werden. Aber hier steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel", sagt Grundl. Das Arbeitszeitgesetz schreibe eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. In Ausnahmefällen könne diese auf zehn Stunden ausgedehnt werden. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steige das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Und wer oft im Schichtdienst arbeitet, der habe ein erhöhtes Risiko, am Herzen oder an Diabetes zu erkranken.

"Branche attraktiver machen"

Im Kreis Coburg arbeiteten gerade gelernte Fachkräfte "längst am Limit". Die dürfe man nicht mit "Horror-Arbeitszeiten" verprellen. Schon jetzt falle es der Branche schwer genug, Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen. Bei einer aktuellen Umfrage der Gewerkschaft hätten 81 Prozent der Befragten angegeben, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite müsse in der Freizeit für den Betrieb einspringen.

Statt längere Arbeitszeiten zu fordern, sollten Hoteliers und Gastronomen die Branche attraktiver machen: "Das fängt bei einer guten Ausbildungsqualität an und reicht bis zur Bezahlung nach Tarifvertrag." red