Gut, der Angeklagte ist ohne Anwalt erschienen. Wahrscheinlich wegen seiner Finanzlage. Seine Verteidigungsstrategie geht aber total daneben. Einmal mehr muss der 37-Jährige eine Gefängnisstrafe absitzen.
Angeklagt ist der schon länger Arbeitslose wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Nachstellung. Nach mehreren Monaten Beziehung zu einer 26-Jährigen aus dem Landkreis ist Ende 2014 Schluss. Das akzeptiert der Mann aber nur bedingt. Die Anklage wirft ihm vor, dass er mehrfach auf den Balkon der Eigentumswohnung der Frau kletterte, an der Türe klopfte und dabei, weil er nicht eingelassen wurde, Blumenkästen zertrümmerte. Er räumt das Nachstellen ein, nennt als Grund aber Harmloses: Er sei enttäuscht gewesen über das Ende der Beziehung zu der Frau, die ihn, den vielfach Vorbestraften, auf die richtige Bahn gebracht habe. Er habe sich lediglich entschuldigen wollen für die Sache mit dem Auto.
Gericht und Staatsanwalt sind ratlos. Welches Auto? Der Angeklagte schildert, dass er den Pkw der Frau "zerstört", eine Scheibe eingeschlagen habe. Der Fall sei schon verhandelt, 800 Euro Geldstrafe muss er zahlen. Dem Gericht war das nicht bekannt. Dafür habe er sich entschuldigen wollen, mehr nicht, sagt der Angeklagte weiter und räumt ein, dass er mehrmals auf dem Balkon stand und auch geklopft hat.


Angst um den Sohn

Das Opfer als Zeugin schildert die Nachstellungen weitaus drastischer. Er habe sie bei der Arbeit abgepasst, habe sich eine neue Telefonnummer zulegen müssen. Ihrem Sohn habe der Ex SMS geschickt, sodass sie auch um ihn Angst hatte. Sie selbst verlässt ihr Zuhause nur noch in Begleitung, sie habe Angst vor dem Angeklagten.Das Kartenhaus des Mannes fällt nach der Aussage des seinen Fall behandelten Polizeibeamten völlig in sich zusammen. Die Belästigungen scheinen sich entgegen der Behauptungen des Angeklagten nämlich fortzusetzen. Es gebe entsprechende Hinweise von Zeugen, die ihn erneut am Balkon gesehen haben. Außerdem seien kürzlich die Schlösser ihres Pkw mit einer Flüssigkeit unbrauchbar gemacht worden, schildert der Beamte.
Hinzu kommt eine weitere Straftat, die nichts mit der Anklage zu tun hat: Der 37-Jährige ist mit 3,21 Promille im Hafengebiet auf einem Fahrrad erwischt worden. Dass er trotz des hohen Wertes noch Erinnerung an den Vollrausch hatte, wunderte "nicht nur den Amtsarzt", wie er sagte. Es blieb der einzige humorige Teil im Prozess.
21 Vorstrafen weist sein Register auf, vielfach Diebstahl. Mehrmals musste er die Haftstrafen absitzen. Der Ankläger bewertete vor allem die Auswirkungen fürs Opfer als gravierend und nah am Stalking. Sein Antrag: zehn Monate. Eine Bewährung gehe angesichts des Vorlebens nicht.
Der Angeklagte wiederholte, dass er sich nur entschuldigen wollte. Er habe die Frau in Ruhe gelassen, werde das weiterhin tun, Angst müsse sie keine haben.


Klare Worte

Das Gericht anerkannte seine Worte, schickte den 37-Jährigen aber neun Monate ins Gefängnis. Angesichts der "erheblichen Vorstrafen ist eine Bewährung nicht möglich", sagte der Vorsitzende, der sich zu einem deutlichen "Lass die Finger von der Frau, absolute Ruhe" veranlasst sah. Die Anwältin des Opfers, die die junge Frau begleitet hatte, dankte für diese "klaren Worte" ausdrücklich. hh