von unserem Mitarbeiter Sebastian Schmitt

Bad Brückenau — Der FC Bad Brückenau meldet sich nach nur einem Jahr Abstinenz in der Kreisliga Rhön zurück. Mit dem 3:1-Erfolg in Wartmannsroth war den Bad Brückenauern der heiß ersehnte Meistertitel nicht mehr zu nehmen. Damit kehren die Sinnstädter postwendend in die Liga zurück, in der sie sich zumindest in den vergangenen Jahren hartnäckig festgesetzt hatten.
Überregionale Auftritte in Bezirks- und Bezirksoberliga oder sogar, wie in den späten Siebzigern, in der Landesliga Nord, sind auf dem traditionsreichen Hans-Pfister-Sportgelände längst nicht vergessen. Seit dem Abstieg aus der Bezirksliga Ost im Jahr 2006 hat der FCB Jahr für Jahr leidenschaftlich um einen Wiederaufstieg gekämpft. Nach personellen Aderlässen folgte der Abstiegskampf und das Abrutschen in die Kreisklasse im Jahr 2013. Keine leichte Aufgabe für Coach Artur Trebacz, den Bad Brückenauer Laden zusammenzuhalten. Schon immer brachte der FCB zahlreiche talentierte Kicker aus den eigenen Reihen hervor, auch wenn der Verein die sportbegeisterte Jugend auf Fuß- und Handball aufteilen muss und damit quasi ein Doppelleben in der Kurstadt führt. Nicht selten entscheidet die Familientradition über die sportliche Laufbahn.

Der Aufstiegsplan hat existiert

"Natürlich haben wir den direkten Wiederaufstieg im Hinterkopf eingeplant", sagt Abteilungsleiter Heribert Jakobsche. "Denn wenn man erst einmal längere Zeit in den unteren Ligen überdauert, wird es immer schwerer, wieder den Weg nach oben einzuschlagen." Von der Bezirksoberliga (2004) in die Bezirksliga, dann der Abstieg in die Kreisliga (2006) und schließlich der steinige Weg in die Kreisklasse - das ruft die Kritiker scharenweise auf den Plan.
Nach dem Abstieg in die Kreisklasse ist das Bad Brückenauer Team nicht auseinandergebrochen. Das Team stellte sich hinter Coach Trebacz, der im Jahr 2011 aus Wildflecken nach Brückenau gekommen war. "Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit. Ihm hat der Abstieg am allermeisten wehgetan", so Jakobsche. Schon bevor Trebacz zum FCB kam, war er ein echter Kenner des Brückenauer Fußballs. "Er war immer bei Heimspielen da und hat zugeschaut. Das hat unsere Entscheidung natürlich beeinflusst."

Das Team rückt zusammen

Auch die Brüder Florian und Philipp Jakobsche sind vom Coach überzeugt: "Das Training ist abwechslungsreich. Wir lernen viel am Ball. Man merkt einfach, dass der Trainer früher selbst hochklassigen Fußball gespielt hat." Das eine Jahr in der Kreisklasse bereuen die Jakobsche-Brüder nicht: "Der Abstieg hat uns zusammengeschweißt. Sportlich ging es wieder aufwärts", ist Philipp überzeugt. Richtungsweisend für die erfolgreiche Saison sei der Rundenauftakt in Diebach gewesen, wo der FCB sofort einen 4:2-Auswärtssieg landete. "Das war ungeheuer wichtig, dass wir gleich ein Zeichen setzen konnten", meint Philipp. Und weiter: "Wenn wir die zwei Derbys gegen Schondra nicht verloren hätten, wäre es eine perfekte Saison geworden."
Mit nur 18 Gegentreffern in 27 Spielen hat die Brückenauer Hintermannschaft ein wahres Meisterstück abgeliefert. In der Fairnesstabelle des Bayerischen Fußballverbandes werden die Sinnstädter lediglich vom TSV Wollbach übertroffen. Übertriebene Härte ist die Sache der Brückenauer nicht, die ihr Heil eher in der Offensive suchen. "Außer den beiden Derbys sind echt alle Spiele super gelaufen, ganz unabhängig vom Ergebnis", sagt Philipp Jakobsche.

Zeitlofs/Rupboden als Partner

Weil sich der Kader nach schwierigen Jahren mittlerweile auch in der Breite verstärkt hat, geht der FCB in der kommenden Saison mit einer zweiten Mannschaft ins Rennen. "Das wird eine Kooperation mit dem SV Zeitlofs-Rupboden. Wir haben schon lange ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis", erläutert Abteilungsleiter Heribert Jakobsche. Da die Zeitlofser und Rupbodener aus Personalmangel keine eigene Mannschaft mehr aufrecht erhalten können, schließen sie sich dem FCB an. "Offiziell wird das zwar als unsere zweite Mannschaft laufen, aber die Spiele finden weiterhin in Zeitlofs statt." Die ersten gemeinsamen Trainingseinheiten haben die Zeitlofser, Rupbodener und Brückenauer bereits absolviert. "Das ist super gelaufen. Unser Coach Artur Trebacz wird sich um beide Mannschaften kümmern, trainiert wird sowieso immer gemeinsam." Auch Philipp Jakobsche sieht in der Zusammenarbeit nur positive Effekte: "Wir haben Spieler im Kader, die einfach unbedingt spielen wollen. Auch wenn es für die Kreisliga nicht reicht, werden sie ihren Spaß haben, wenn sie viele Einsätze in der zweiten Mannschaft bekommen."

Stark besuchte Einheiten

Für den Abteilungsleiter ist klar, dass auch das Training frischen Wind bekommen wird: "Wir hatten an Freitagen teilweise über 20 Mann im Training. Das ist eine sensationelle Entwicklung. Da ist es natürlich auch wichtig, dass alle im Verlauf einer Saison auch mal spielen können. Das fördert die Motivation." Schon jetzt steht fest, dass die Rückkehrer Sebastian Ziegler und Tobias Ebert das Kreisliga-Team verstärken. "Wir haben noch einen weiteren Spieler in Aussicht, aber dazu kann ich noch nichts sagen, weil es sozusagen nicht unterschriftsreif ist", erklärt Heribert Jakobsche.
Dass immer wieder hoch talentierte Fußballer aus der Brückenauer Mannschaft ausgeschieden sind, führt Jakobsche in erster Linie darauf zurück, dass das Pendeln im Amateursport über weite Entfernungen schwierig geworden ist oder sich sportlich hohe Ziele in der Kurstadt nicht erreichen ließen. "Wenn die Spieler zu uns zurückkehren, beweist das doch, dass der Kontakt zu unseren Ehemaligen immer noch sehr gut ist."

Neue Harmonie

Auch im Team selbst sei nach teilweise unruhigen Jahren wieder Harmonie eingekehrt. "Wir haben eine total ausgeglichene Mannschaft", ist Philipp Jakobsche überzeugt. Sowohl auf dem Sportplatz als auch außerhalb gebe es weder Starallüren noch Nögler. Das soll sich in der Kreisliga nicht ändern. "Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt klar machen", sagt Florian Jakobsche. Und Vater Heribert macht keinen Hehl daraus, dass die Sinnstädter ihre alten Glanzzeiten nicht vergessen können: "Langfristig muss es das Ziel aller Brückenauer sein, dass hier wieder in der Bezirksliga gekickt wird."