Wie ein Wiesel läuft Herr S. nach dem Startschuss los. Es ist erst sein dritter Halbmarathon. "Teile dir dein Tempo gut ein", hatten sie ihm noch vorher ins Gewissen geredet. Er winkte lächelnd ab - und musste dem zu schnellen Tempo Tribut zollen. Am Ende stand er den Halbmarathon mit Hängen und Würgen durch, aber weit über der Zeit, die er erreichen wollte.
Genau in Fällen wie dem beschriebenen kommen die Pacemaker - zu Deutsch "Schrittmacher" - ins Spiel. Sie laufen ein konstantes Tempo und ermöglichen beziehungsweise erleichtern es vor allem den wenig erfahrenen Athleten, ein bestimmtes Zeitziel zu erreichen.


Die Pacemaker

Organisator Karl-Heinz Drossel schätzt sich glücklich, nach dem Ausscheiden von Erwin Bittel beim diesjährigen Obermain-Marathon den Laufsportbegeisterten einen deutlich erweiterten Pacemaker-Service anbieten zu können. Auf der Marathondistanz wird es vier Pacemaker geben für die Zielzeiten 4:00, 4:30 und 5:00 Stunden, acht weitere Pacemaker werden beim Halbmarathon im Einsatz sein (Zielzeiten 1.30, 1:45, 2:00 und 2:15 Stunden). Mit Werner Freitag, Ralf Kurpanik und Sandra Nossek werden auch drei Athleten des TSV 1860 Staffelstein diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen. Organisatorisch die Fäden in der Hand hält betreffend des diesjährigen Pacemaker-Service Harald Fischer. Der 63-Jährige wohnt zwar mittlerweile in Mittelfranken, stammt aber aus Lichtenfels und kennt als regelmäßiger Teilnehmer des Obermain-Marathons Streckengegebenheiten aus dem Effeff. Schon etliche Male als Pacemaker bei vielen Veranstaltungen im Einsatz gewesen - auch heuer ist er als solcher mit von der Partie - nennt der erfahrene Läufer wichtige Punkte, worauf es als Pacemaker ankommt.


Tempo anpassen

"Auf der Strecke gilt es auf eine möglichst gleichbleibende Belastung zu achten, das heißt das Tempo bei Steigungen, Gefällen oder auch Gegenwind anzupassen", nennt er einen Aspekt. Auf der Marathonstrecke sind deshalb sogar einige Gehpausen fest eingeplant. Fit muss ein solcher Schrittmacher natürlich auch sein, aber unter keinen Umständen an seine persönliche Belastungsgrenze herankommen, wie er betont: "Es ist wichtig, einen zeitlichen Puffer einzubauen. Würde ein Pacemaker an seinem Limit, sprich im Bereich seiner Bestzeit laufen, wäre ja nicht mehr gewährleistet, dass er seiner Aufgabe, die Zeitvorgabe zuverlässig zu erfüllen, auch gerecht wird." Selbstverständlich ist es auch ein Muss, sich auf die jeweilige Strecke gut vorzubereiten. Das gilt besonders für die anspruchsvolle Marathonstrecke, darum werden hier auch nur ortskundige Läufer eingesetzt.


Offizieller Ausrüster: CEP

Mit dem Sportbekleidungsausstatter CEP hat Harald Fischer auch einen offiziellen Ausrüster für die Pacemaker des Obermain-Marathon gefunden. Durch die einheitliche Ausstattung der Schrittmacher mit Zielzeit-Fahnen, Shirts und leuchtenden Kompressionsstrümpfen werden sie für Athleten und Zuschauer ein guter und wichtiger Blickfang sein. Auch ein Pacemaker fällt freilich nicht vom Himmel. So zeigt sich Harald Fischer erfreut darüber, dass er beim Obermain-Marathon etliche Pacemaker-Paare aus einem erfahrenen Schrittmacher und einem Pacemaker-Neuling bilden kann. Alle Mitwirkenden Pacemaker werden übrigens auf der Internetseite http://obermain.marathon.cep-pacer.team mit Foto vorgestellt.


Ein Beitrag zum Gelingen

Als Pacemaker bekommt man auch viel zurück. "Die guten Kontakte mit Gleichgesinnten, Veranstaltern, Zuschauern sind auch ein wichtiger Grund, warum mir diese Aufgabe Freude bereitet" - aus diesen Worten von Harald Fischer spricht Vorfreude auf den Obermain-Marathon. Die Pacemaker schenken ihre Lauferfahrung quasi an andere weiter - und sie tun es gerne. So ein Service ist alles andere als selbstverständlich, weiß auch Karl-Heinz Drossel: "Schließlich leisten die Pacemaker einen überaus wichtigen Beitrag zum Gelingen unseres Obermain-Marathons, dafür schon einmal im Vorfeld ein dickes Dankeschön!" Und Herr S. atmet auf, denn er hat diesmal für das Erreichen seines persönlichen Ziels eine perfekte Unterstützung.


Wichtiges Radlerteam

Erwähnung verdienen darüber hinaus auch die voraussichtlich 14 Radfahrer, die heuer wieder der Läuferschar vorausfahren und die führenden Athleten ankündigen werden. Sie dienen als wichtiges Signal für die Verkehrssicherheitsposten an kritischen Kreuzungspunkten sowie als wertvolle Information für die Zuschauer. Aber mindestens genauso bedeutsam sind die Radler, die am Ende des jeweiligen Läuferfeldes postiert sind. "Denn natürlich werden die Verkehrsabsperrungen erst abgebaut, wenn die letzten Läufer durch sind", betont Karl-Heinz Drossel. Die meisten der Radler sind vom RVC Trieb, aber auch weitere, die sich für diese wichtige Aufgabe aufs Zweirad schwingen. Seit etlichen Jahren dabei ist etwa Klaus Haselmann. Auf das Radlerteam war und ist Verlass, lobt Karl-Heinz Drossel auch diese Helfergruppe. Es handelt sich um Ehrenamtliche, die an diesem sportlichen Sonntag sich uneigennützig einbringen, wie so viele andere. Mario Deller