Michael Busch Ein Rennen hat einen Startpunkt, ein Ziel und viele Absprachen. So definierte zumindest einer der beiden Angeklagten am Erlanger Amtsgericht den Begriff des "Rennens". Richter Wolfgang Pelzl sah das allerdings ein wenig anders. "Es ist gar nicht so kompliziert", erklärte er. Aus seiner Sicht reiche bereits die Einstellung "Ich bin schneller". Das treffe bereits auf Fahrer im Dreiradalter zu. Und als Absprache könne bereits ein Kopfnicken zwischen zwei Rennteilnehmern gesehen werden.

Was war passiert? Im Juni 2018 waren zwei Freunde mit ihren beiden Autos in der Stadt Erlangen unterwegs. Am späten Abend gegen 23 Uhr wollten die beiden durch die Stadt in Richtung Frauenaurach zum eigenen Schrauberschuppen fahren. An der Südkreuzung standen der BMW und der Mini nebeneinander an der Ampel. Die Paul-Gossen-Straße führt von dort zweispurig durch die Stadt.

Was die beiden nicht bemerken, war die Tatsache, dass ein ziviles Polizeifahrzeug mit zwei Beamten hinter ihnen stand.

Der 22-jährige Auszubildende und der ein Jahr ältere Mechatroniker, so schilderten es die Beamten dem Richter, haben beim Wechsel der Ampel von Rot auf Grün dann hälftig Gas gegeben. Man habe die Verfolgung vonseiten der Polizei sofort aufgenommen.Ein Einholen sei nicht einfach gewesen. Der als Zeuge geladen Polizist schilderte, dass bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h keine Veränderung des Abstandes zu den beiden Autos gegeben habe. Erst mit 120 km/h sei man etwas näher gekommen.

Diese sein die gesamte Strecke nebeneinander gefahren und für die Beamten entstand der Eindruck eines Rennens. Erst beim Sichtkontakt zur nächsten Kreuzung habe es eine aktives Bremsen gegeben. "Wir haben die Bremsleuchten gesehen", schilderte der Beamte das Erlebte. Auf Nachfrage des Richters erläuterte er, dass er sehr deutlich den Eindruck gehabt habe, dass dieser Bremsvorgang ausschließlich der roten Ampel geschuldet gewesen sei.

Mit Vernunft fahren

Gegen den folgenden Strafbefehl gab es allerdings von beiden Beteiligten Einsprüche. Aus deren Wahrnehmung heraus, sei es ein wenig anders gewesen. Beide bestritten nicht, dass sie deutlich schneller als erlaubt gefahren seien, aber die angegebenen hohen Geschwindigkeitswerte habe man auf der Strecke nicht erreicht. Vielleicht wollte man ein wenig poussieren, da bei dem einen Fahrer eine 16-Jährige auf dem Beifahrersitz saß. "Ein Rennen haben wir nicht verabredet".

Genau an diesem Punkt setzte Pelzl dann bei seiner Urteilsbegründung an: "Allein die Anwesenheit des Mädchens hätte schon zu mehr Vernunft führen müssen." Vor Gericht habe man allerdings klären müssen, wie der gesamte Zusammenhang zu erklärenist. Ein neues Gesetz ist speziell zu den Autorennen erlassen worden. Diese sind nicht nur Ordnungswidrigkeiten, sondern Straftaten. Wie Erlangen zu beurteilen sei, ist juristisch spannend, gaben die Juristen im Sitzungssaal zu, aber man wollte hier pragmatisch sein und einigte sich auf ein Fahrverbot von vier Monaten und Geldstrafen in Höhe von 2200 und 1000 Euro. Das war nicht zuletzt den Tatsachen geschuldet, dass die beiden Männer auch beruflich auf ihre Führerscheine angewiesen sind und weiterhin, weil allein die nun entstandenen Folgen ihren Eindruck bei den Beiden hinterlassen hätten.

Der Richter schob noch hinterher: "Benzin ist offensichtlich immer noch zu teuer, wenn man es so verbrennen kann!"