Die SPD-Jugendorganisation Jusos hat am vergangenen Samstag, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, zu ihrer mittlerweile traditionellen Reinigungsaktion "Jusos putzen die Stolpersteine" aufgerufen. Mit Putzlappen und kleinen Eimern ausgerüstet starteten die jungen Sozialdemokraten, unterstützt von politischen Freunden, in kleinen Gruppen zu ihrer Aktion. Rund 120 im Stadtgebiet verteilte Stolpersteine vor den Häusern früherer Coburger Mitbürger jüdischen Glaubens und einiger anderer Verfolgten der Nazidiktatur sind im Straßenbelag eingearbeitet und sollten ihren Grauschleier verlieren.

Matt geworden

Da die Messingsteine im Laufe der Zeit matt werden und ihren Glanz verlieren, werden sie jährlich rund um den Jahrestag der Reichspogromnacht - die Nazis nannten die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ihrem eigenen Jargon auch "Reichskristallnacht" - wieder neu poliert. "Sorgen wir dafür, dass die Erinnerung an diejenigen, deren Stolpersteine wir wieder lesbar machen, nicht vergeht", sagten Bastian Braunersreuther und Cay Adin im Juso-Aufruf zu der Aktion.

Den jungen Leuten ist bewusst, was die Ereignisse in der Vergangenheit bedeuteten. Die Reichspogromnacht 1938 markierte den Übergang von der seit 1933 aufgeflammten Diskrimierung jüdischer Bürger zu deren systematischer Verfolgung und Ermordung während des Holocausts. Viele Menschen wurden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern getötet oder starben später an den Spätfolgen der erlittenen Misshandlungen.