Brigitte Krause Ja, sagt Heinz Braunreuther, ganz schwach erinnern kann er sich an den Fall, doch Genaues weiß er nicht mehr. Für ihn als Polizisten gab es damals andere wichtige Fälle. Wie ihm, der als "reing'schmeckter" Wonfurter seit 50 Jahren in dem Knetzgauer Gemeindeteil Oberschwappach lebt, geht es den Alteingesessenen. Udo Vogt etwa oder Edmund Hülß. Eines wissen sie alle: Es war Tagesgespräch im Dorf. Ja, und eine Bankfiliale haben sie heute nicht mehr, wegen der Geldgeschäfte müssen sie nach Knetzgau oder Haßfurt fahren ...

Das war passiert: Mit einer Nikolausmaske hatte sich ein Mann verkleidet und vor fast genau 17 Jahren, am 10. Dezember 2001, die Sparkassen-Filiale in Oberschwappach betreten, um die Bank auszurauben. Dabei scheiterte er jämmerlich. Bei der Bankangestellten, die an einen Scherz glaubte, konnte er nichts ausrichten. Schließlich flüchtete er zu Fuß. Der Landkreis schmunzelte über diese Nachricht, auch wenn die Sache für damalige Zeiten sehr ernst war.

Überfälle gab es häufiger

Denn Überfälle auf kleine, abgelegene Bankfilialen, Spielo- oder Videotheken oder auch Getränkemärkte - oft nur mit einer Frau besetzt - waren durchaus häufiger an der Tagesordnung, als es heute der Fall ist. Ganz abgesehen davon ist die Sicherheitsüberwachung inzwischen unvergleichlich strenger.

Späte Gerechtigkeit stellte sich im Falle des Oberschwappacher Überfalls nun nach 17 Jahren ein. Wie das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Bamberg jetzt mitteilten, konnte ein 51-Jähriger ermittelt werden, der vollumfänglich geständig ist. Seit Mitte Oktober befindet er sich in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, 2001 und 2002 insgesamt drei Banküberfälle, einen im Raum Bad Staffelstein, einen in Oberschwappach und einen in Trunstadt, begangen zu haben. Aufgrund besserer Kriminaltechnik sowie umfangreicher Ermittlungen der Kripo Schweinfurt und der Staatsanwaltschaft Bamberg hat sich der gebürtige Oberfranke noch vor der drohenden Verjährung als "dringend Tatverdächtiger" herauskristallisiert.

Nach seinem Erfolg am Abend des 28. September 2001, als der Täter in der Bank-Zweigstelle Uetzing (Landkreis Lichtenfels) mit einer Schusswaffe 16 000 DM aus einem Tresor erbeutet hatte und unerkannt entkam, hatte der Mann am 10. Dezember 2001 erneut zuschlagen wollen - diesmal in Oberschwappach. Der Bankräuber, maskiert mit einer Nikolausmaske, forderte unter Vorhalt einer Schusswaffe die Herausgabe von Bargeld. Die Bankangestellte Sigrid Angebrand aus Sand hat es noch in Erinnerung, wie sie mit dem Mann redete. Sie schmunzelt auf Anfrage unserer Zeitung: "Ich dachte, dass das ein Kunde ist, der mich a bissle ärgern will." Ein Dialog entspannte sich zwischen ihr und dem Maskierten, der in die Panzerglaskabine wollte. "Du kannst da nicht rein", sagte sie dem Burschen - der schließlich unverrichteter Dinge verschwand, weil auch noch eine Kollegin kam. "Mit dem Panzerglas vor mir hab ich mich sicher gefühlt", erinnert sie sich. Erst später am Abend, als sie realisierte, dass das Ganze doch kein Scherz war, hatte sie ein bisschen "Pudding in den Knien", das gab sich aber bald - so konnte sie dennoch ihren 45. Geburtstag am nächsten Tag feiern. Als sie die Polizei jetzt vor gut 14 Tagen anrief und ihr mitteilte, der Bankräuber von damals sei gefasst, "da hab ich mich total gefreut", sagt sie spontan. Diese Nachricht hatte sie nicht aus der Zeitung erfahren sollen. Ein schöner Abschluss ist das, meint sie nun: 45 Jahre im Berufsleben und zum letzten Tag am 7. Dezember jetzt auch noch solch ein "Geschenk".

Bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Fall in Oberschwappach hatten Beamte der Kripo Schweinfurt einen Fingerabdruck gesichert, der Mitte 2018 vom bayerischen Landeskriminalamt bei einer "Altfallrecherche" einem heute 51-Jährigen zugeordnet werden konnte. Der aus Oberfranken stammende Mann, dem wegen anderer Eigentumsdelikte eine Freiheitsstrafe drohte, war über ein Jahrzehnt untergetaucht. Schließlich entdeckten Kripo-Beamte den Gesuchten in Berlin: Ihm ließen sich auch Spuren zweifelsfrei zuordnen, die bei den Taten in Bad Staffelstein und Trunstadt gesichert worden waren. Somit erhärtet sich der Verdacht, dass der 51-Jährige für alle drei Fälle verantwortlich ist.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg erwirkte einen Haftbefehl, am 16. Oktober klickten in Berlin die Handschellen, auch Kripo-Beamte aus Schweinfurt und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Bamberg waren zugegen. Der Mann befindet sich nun wegen des dringenden Verdachts der vollendeten und der zweifachen versuchten schweren räuberischen Erpressung in Untersuchungshaft.