von unserer Mitarbeiterin 
Marion Krüger-Hundrup

Bamberg — Wer Otfried Sperl in diesen Tagen in seinem Büro in der Eisgrube besucht, stößt auf Umzugskartons. Inmitten der Aufbruchsstimmung bleibt der Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanates Bamberg jedoch gewohnt gelassen. Ja, nimmt sich die Zeit für einen Plausch bei Cappuccino am freigeräumten Besprechungstisch.
Nach 15-jähriger Dienstzeit als erster Pfarrer von St. Stephan und Dekan geht der 65-Jährige in den Ruhestand. Regionalbischöfin Dorothea Greiner wird Otfried Sperl im Rahmen eines Gottesdienstes am Sonntag um 16 Uhr offiziell verabschieden. In alter Verbundenheit hat auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sein Kommen zugesagt.
Das Dienstrecht der Landeskirche schreibt den unweigerlichen Ruhestand mit 65 Jahren vor. "Ich bedauere das nicht", lächelt Sperl, zumal er 40 Jahre lang als Pfarrer gearbeitet habe, unter anderem in Lindau am Bodensee, in Thalmässig, in Dillingen an der Donau und eben seit 1999 in Bamberg. Anders als seine katholischen Kollegen, die oft bis ins hohe Alter noch in der Seelsorge aktiv bleiben, will der scheidende Dekan aber nicht "Pfarrer in Rufweite" bleiben. Auch wenn er weiterhin in Bamberg wohne, "sind jetzt andere zuständig". Außerdem solle sein Nachfolger Hans-Martin Lechner "sein Terrain finden".
Sperl hinterlässt ein gut bestelltes Haus: Die 21 Gemeinden des Dekanates, die rund 50 Pfarrer und Pfarrerinnen, das Kirchenamt für 90 Gemeinden in den Dekanaten Bamberg, Forchheim und Rügheim, die 1000 hauptamtlichen Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim, das Evangelische Bildungswerk Bamberg sind unter seiner Verantwortung aufgeblüht und gedeihen prächtig. Vor allem hat die evangelische Kirche in Bamberg einen Stellenwert bekommen, der "mehr ist, als der 20-prozentige Bevölkerungsanteil hergeben", freut sich Otfried Sperl. "Wir sind in der Bischofsstadt Partner auf Augenhöhe", fügt er hinzu und schwärmt geradezu vom "in Bayern wohl einmaligen way of life mit der katholischen Kirche".

Ökumene ein großes Anliegen

Bei aller Bescheidenheit räumt der Dekan seine diesbezüglichen Verdienste ein. Schließlich war er bislang auch Ökumene-Beauftragter des Kirchenkreises Bayreuth und pflegte enge Kontakte mit dem Domberg. So erinnert sich Sperl besonders gern an die zahlreichen geschwisterlichen Veranstaltungen wie die 1000-Jahr-Feier des Bistums Bamberg 2007, an die Ökumenische Nacht der Bibel oder den "Gottesgarten der Religionen" auf der Landesgartenschau. Sperl rühmt den "sehr lebendigen interreligiösen Dialog in Bamberg".
Ein Herzenswunsch ist ihm denn auch, dass das Erreichte in der Ökumene und in der interreligiösen Zusammenarbeit erhalten bleibt. Und dass sich "das Klima der Offenheit und Toleranz in Bamberg weiter entwickelt" und auch die Asylsuchenden in der Stadt mit einschließt.
Im Rückblick gehören das 200-jährige Dekanatsjubiläum, die Dekanatskirchentage oder die Dekanatsgottesdienste zum Reformationsfest in der Erlöserkirche "zu den Höhepunkten im Leben als Dekan", so Sperl. Auch die kontinuierliche Fortsetzung der Partnerschaft mit der Diözese Meru in Tansania und die gute Zusammenarbeit mit den vielen Gremien aus allen Gemeinden seien "wertvollste Erfahrungen".

Ausgeglichenes Wesen

Natürlich musste der Dekan auch Tiefschläge verkraften: Wenn er etwa als Dienstvorgesetzter für Pfarrer eine Lösung finden musste, die in ihrer Gemeinde nicht klarkamen. Sperls ausgeglichenes Wesen, seine Offenheit und Dialogfreudigkeit werden ihm als Krisenmanager dabei geholfen haben. Gleichwohl spricht er von so mancher "Zerreißprobe" zwischen den Aufgaben als Pfarrer in der Stephansgemeinde und den vielfältigen Aufgaben als Dekan auch in den anderen Kirchengemeinden. Jedenfalls war ihm kein Acht-Stunden-Tag beschert. Ein regelmäßiger freier Tag war "zum Leidwesen meiner Frau" kaum möglich.

Ruhestand wohlverdient

Den Ruhestand lässt Otfried Sperl ohne große Pläne auf sich zukommen. "Ich will erst einmal Abstand gewinnen", sagt er und freut sich über neu geschenkte Zeit für seine Frau und seine vier Kinder sowie den Enkel. "Mein Flügel wartet auch auf mich", erklärt der ausgebildete Kirchenmusiker, der einst an den Konservatorien in Nürnberg und Augsburg Klavier und Orgel studierte.
Völlig von der Bamberger Bildfläche wird Otfried Sperl nicht verschwinden. Er bleibt Abonnent der Bamberger Symphoniker. Und außerdem "werde ich in der Kleinkunst- und Jazzszene auftauchen", kündigt er an; sicher auch bei der Einweihung des Stephanshofes am 19. April 2015. Denn der Umbau des Kapitelhauses an St. Stephan ist die einzige Baustelle, die der scheidende Dekan hinterlässt.