Der 18. August 2019 bleibt vielen Fußball-Fans in der Kreisklasse 3 Coburg und vielleicht auch darüber hinaus lange in Erinnerung. Mit einem sensationellen 17:0 schlug der TSV Scherneck die zweite Garde des TSV Staffelstein, doch nicht nur dieser Kantersieg macht die Liga interessant. Das Tageblatt fasst nachfolgend die Höhepunkte mit spannenden, schmunzelnden und teils visionären Stimmen zusammen:

Weichenstellung

Die Winterpause begann mit einem Paukenschlag. Der Tabellenzweite, SV Heilgersdorf, stellt die Weichen für die Zukunft und verpflichtet für die kommende Saison, wie bereits gemeldet, mit Stefan Derra einen neuen Spielertrainer.

Zuschauer und Fairplay

In Sachen Spektakel liegt jener SV Heilgersdorf ganz hoch im Kurs. Die Vorrunde noch ganz oben, musste man nun bis zum Winter Federn lassen. Das aber scheint den Anhang nicht abzuhalten, denn 165 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen an den Mittleren Weg und den Topwert von 350 erreichten die "Rot-Weißen" gegen Seßlach.

Allerdings führt die Elf von Noch-Coach Jürgen Holzheid auch in einer anderen Statistik: bereits neun Mal beendeten sie das Spiel nicht vollzählig. Dazu Spielleiter Tobias Schramm schmunzelnd: "Wir haben die Härte der Liga angenommen!"

17:0, Remiskönige und Serien

Oft ist die Fairplaywertung eine Drehspiegelung der Tabelle. Doch die KK3 ist auch hierbei eher orthodox. Schlusslicht Eyrichshof/Ebern hat noch keinen Platzverweis und ist die fairste Mannschaft.

Diese Besonnenheit führte aber auch schon zehn Mal mit dazu, dass man keinen eigenen Treffer bejubeln durfte und mit elf Niederlagen am Stück auch einen traurigen Negativrekord innehat.

"Nein, nicht der Kantersieg ist mir in besonderer Erinnerung. Ich bin mehr begeistert davon, dass wir nach unseren zwei Klatschen im September den Turnaround geschafft haben und eine Serie mit sieben Siegen hingelegt haben. Vor allem die starke Leistung gegen die Hut war super", Schernecks Topstürmer Dominik Sommerluksch lochte diese Saison bereits 38 Mal ein.

Er wirkt euphorisch und hofft, dass sein Team diese Form in das Frühjahr übernehmen kann, allerdings ist der angehende Polizist ohne Training und sieht seine Mitstreiter nur bei den Spielen. Spannend wird es ab März, denn dann entscheidet sich, wo er beruflich eingesetzt wird. Eine Frage, die sicher nicht nur in Scherneck viele beschäftigt, da der "Knipser" auch bei höherklassigen Vereinen im Notizblock steht.

Den Liga-Topwert in Sachen Remis halten die Bad Rodacher "Löwen". Bereits sieben Mal trennten sie sich unentschieden und können dazu mit je sechs Siegen und Niederlagen eine absolut ausgeglichene Bilanz vorweisen. Von Tradition kann man sich nichts kaufen. Viele ehemals große Vereine aus dem Coburger Land gibt es schon nicht mehr, anderen geht es derzeit nicht gut.

Dies trifft sicher nicht auf Heilgersdorf zu und der aktuelle Spielleiter und verletzte Goalgetter Tobias Schramm macht keinen Hehl aus den Ambitionen: "Wir wollen unseren 2. Platz auf jeden Fall halten und mal schauen was noch geht."

Ausblick, Anspruch und Vision

Der 34-Jährige lässt dabei offen, ob er selbst noch einmal eingreift, und auch ein verspätetes Comeback in der Kreisliga ist nicht auszuschließen. Fest steht, dass die "Schoko"-Tore auf jeden Fall helfen würden.

Bei einem anderen ehemaligen, langjährigen Bezirksligaverein, der Spvg Eicha, sieht es nicht ganz so gut aus. Die Situation ist für Außenstehende zweigeteilt. Der Verein ist bestens geführt, aber die erste Herrenmannschaft zählt nicht mehr zu den sportlichen Aushängeschildern im Landkreis.

"Ohne Fleiß kein Preis - unsere Trainingsauffassung lässt leider kaum mehr zu." Coach Carlo Werner ist lange genug im Geschäft und kann die Situation realistisch einschätzen. "Wir wussten vorher, dass es keine einfache Saison wird, aber im Verein behält man die Ruhe und versucht, zu verbessern, was möglich ist." Mit fünf Remis, zwei Niederlagen und nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen, zeigt der Richtungspfeil in die falsche Richtung aus Sicht der "Trächer".

Der 53-jährige Ex-Profi Werner weiß aber, dass es so auch bei vielen anderen Teams aussieht und ist von der Qualität seiner Jungs überzeugt. Hinzu kommt, dass der eine Absteiger mit Eyrichshof/Ebern II fast sicher ist, da diese mit drei Punkten absolut abgeschlagen sind. Auch nur ein Relegationsplatz wird vergeben und belegt Staffelstein mit bereits sechs Punkten Rückstand zum rettenden Ufer "in" Rossach.

Zum Schluss glaubt Carlo Werner, noch einen interessanten Verbesserungsvorschlag zu haben: "Ich bin lange im Geschäft und schaue auch andere Sportarten an. Fußball ist ein Kampfspiel, da wird auch mal gegrätscht und das gehört dazu. Doch danach sollte man sich die Hand reichen, egal ob in der Jugend oder bei den Herren."

Der "Fußballgott" wie er von den Düsseldorfer Fortuna-Fans einst genannt wurde, könnte sich einen Sportgruß nach Schlusspfiff, wie es beispielsweise bei den Keglern üblich ist, vorstellen: "Ich denke, dabei würde man die Gemüter herunterbringen und bei einem Getränk im Sportheim können notfalls offene Kritiken aus der Welt geräumt werden."

Diese Vision solle vielleicht auch mal beim BFV überdacht werden, denn so könne man sicher manche Schiri-Schelte oder anders aufkeimende Unruhe im Keim ersticken. Bastian Bieberbach