von unserem Redaktionsmitglied 
Friedwald Schedel

Kronach — Klaus Ruppert versteht die ganze Aufregung nicht. Weil in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Holland - also weit weg vom Frankenwald - wenige Fälle von Geflügelpest nachgewiesen wurden, greifen die Vorsichtsmaßnahmen der Behörden auch hierzulande: Wassergeflügel, also Enten und Gänse, musste, wenn es bei Ausstellungen gezeigt werden sollte, vorher von einem Tierarzt untersucht werden. Das kostet pro Tier und Ausstellung jeweils 40,50 Euro.
"Das wäre zu teuer für meine Züchter gewesen", sagt Klaus Ruppert, der Kreisvorsitzender des Verbands der Rassegeflügelzüchter ist. Die ließen ihre Enten und Gänse zu Hause, statt ihre gefiederten Freunde in den Hallen zu präsentieren. Die Ausstellungssaison ist vorbei und Klaus Ruppert hofft, dass sich der Sturm im Wasserglas bis zum Herbst, wenn die nächsten Ausstellungen anstehen, wieder gelegt hat.
Da der Kreis Kronach weder große Gewässer noch große Flüsse hat, an denen sich Wildvögel aufhalten, ist nach Meinung des Kreisvorsitzenden das Risiko, dass sich heimisches Federvieh mit dem Geflügelpest-Virus H5N8 infiziert, ohnehin sehr gering. Der Kreis Kronach gehört nicht zu den Sperrbezirken. Für Tauben ist das Virus übrigens nicht gefährlich.
Die Wildvögel, die am und im Wasser leben, tragen das Virus immer in sich, weiß Klaus Ruppert. Die Frage ist, ob die Geflügelpest auch ausbricht. Verständnis hat er schon für die Vorsichtsmaßnahmen, die in einem Merkblatt aufgelistet sind. Das kann man von der Website des Landratsamts Kronach downloaden. Man muss auf der Landkreis-Website dazu auf Bürgerservice, Behördenwegweiser, Abteilung 3 und dann auf Veterinärwesen klicken. Es soll mithilfe der Verordnung verhindert werden, dass Enten und Gänse der Züchter Kontakt zu Wildvögeln haben.

Die Tiere müssen raus

"Zum Glück gibt es jetzt keine so genannte Aufstallungspflicht wie vor ein paar Jahren", sagt Klaus Ruppert. Die besagt, dass Hühner, Enten und Gänse nicht mehr nach draußen dürfen. "Damals haben wir viele Züchter eingebüßt, die sagten, dass sie das ihren Tieren nicht antun wollten, sie immer einzusperren", bedauert Ruppert. "Uns macht das keinen Spaß, wenn die Tiere nicht raus können. Aus Tierschutzgründen wollten die Züchter ihr Federvieh nicht einpferchen."

Eier und Schlachtvieh vermarktet

Inzwischen hat sich der Geflügelzuchtverband, nachdem die Aufstallungspflicht in der Region wegfiel, vom Rückschlag erholt, neue Mitglieder gewonnen, einen Trend bei Familien festgestellt, Geflügel zu züchten. Im Kreis Kronach gibt es 13 Ortsvereine mit knapp 500 Mitgliedern und Tausenden von Tieren. Im Bezirk sind 8000 Mitglieder in 150 Vereinen aktiv.
Klaus Ruppert vermutet einen anderen Grund, warum erneut so viel Trara um die Geflügelpest gemacht wird. Die Lobby der Geflügelwirtschaft sei mächtig und wolle eventuell unterbinden, dass die kleinen Züchter Eier und Schlachtvieh vermarkten. "Das ist denen schon lange ein Dorn im Auge. Alles, was bei den großen Schauen zu verkaufen war, wurde auch verkauft", berichtet der Kreisvorsitzende. Haltungsbedingt könnten die Tiere bei den kleinen Züchtern raus und scharren, bei den großen Mästern nicht. Und der Trend beim Verbraucher gehe dahin, dass die Tiere artgerecht gehalten werden sollten. Das sei bei ihm und seinen Züchterkollegen natürlich der Fall. "Ich bin ein Naturmensch. Wenn es rund um mich summt und gurrt, bin ich glücklich", sagt Klaus Ruppert, der Imker und Taubenzüchter ist.