Karfreitag, der Tag an dem Christen aus aller Welt des Leidens und Sterbens Jesu gedenken, hat für die katholische und für die evangelische Kirche einen hohen Stellenwert. Deshalb gab das Kulmbacher Vokalensemble TonArt unter der Leitung des evangelischen Kirchenmusikdirektors Ingo Hahn ein Konzert in der eigens illuminierten katholischen Stadtpfarrkirche zu Unserer Lieben Frau.


Anspruchsvolle Orgelmusik

Mit anspruchsvoller Orgelmusik bereicherte der katholische Dekanatsorganist Wolfgang Trottmann die Vokalklänge. Er steuerte zu der besinnlichen Stunde "Jesu, meine Freude", eine bekannte Orgelpartita aus der Feder von Johann Gottfried Walther bei. Walther, der Cousin des berühmten Johann Sebastian Bach, war ein bekannter Barockorganist und zugleich Musiklehrer des Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar.
Auch bei Josef Gabriel Rheinbergers Passionsgesang op. 46 begleitete Trottmann das Vokalensemble mit viel Fingerspitzengefühl.
Im Mittelpunkt der besinnlichen musikalischen Stunde allerdings stand Vokalgesang der schönsten Art. Ingo Hahn hat bei der Auswahl der Werke wieder viel Einfühlungsvermögen bewiesen. Mit Michael Prätoritus "Lobet den Herrn alle Heiden, Psalm 117" eröffnete das zwölfköpfige Vokalensemble (Sopran: Maren Hansen, Elke Höhn, Natalia Weiche, Dagmar Besand, Alt: Irmgard Seemann, Christine Punke, Elisabeth Müller-Beck, Conny Gehringer, Tenor: Heiner Beyer, Karin Reinhold, Bass: Thomas Zapf, Christof Pöhlmann) die konzertante Gedenkstunde und überschrieb das Konzert auch gleich mit dem Titel des Chorsatzes. Aufgrund des stillen Feiertages verzichteten die Sänger auf das Brot der Künstler - auf den Applaus.
Besonders schön gelang die Gegenüberstellung des altkirchlichen "Agnus Dei" aus der Feder von Moritz Hauptmann und das modernere "Agnus Dei" aus der 1938 entstandenen "Messe de Requiem" von Jehan Alain. Alain wurde nicht nur durch berühmte Komponisten wie Debussy und Messiaen beeinflusst, sondern ließ sich auch durch fernöstliche Musik und Jazz inspirieren.
Wunderschön präsentiert wurde die Motette "Tristis est anima mea" für fünf gemischte Stimmen" von Johann Kuhnau. Und natürlich durfte auch Bach nicht fehlen: TonArt stimmte die Motettte "Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist" aus der Feder des legendären Thomaskantos an.
Mit "So gehst du nun, mein Jesu hin" von Gottfried August Homilius und mit verschiedenen Versionen von "Ubi caritas et amor" von Wolfram Menschik und Maurice Duruflé und mit Josef Gabriel Rheinbergers "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" ging das Karfreitagskonzert zu Ende.


Zweimal Vaterunser

Bei dem zeitgenössischen Werk "So liebt Gott die Welt" von Bob Chilcott präsentierte sich Elke Höhn mit ihrer Solosopranstimme. Und natürlich fehlten beim Karfreitagskonzert auch die Vaterunser-Gebete nicht. Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn stellte die Vaterunser-Komposition von Maurice Duruflé, einem Professor für Harmonielehre am Pariser Conservatoire, der Motetten-
Version aus der Feder des tschechischen Komponisten Zdenek Lukas gegenüber. Lukas war Leiter des Ceska Pilsen Chores und hat sich von volksmusikalischen Mustern beeinflussen lassen.