Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Gemeinde Kemmern um Fördergelder aus dem KIP-S-Programm für die energetische Sanierung der Schulturnhalle beworben. Mit Erfolg. Nun wurde die Schulturnhalle durch das beauftragte Architekturbüro näher untersucht und Maßnahmen für die energetische Sanierung des Gebäudes in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Architekt Karl-Heinz Rösch vorgestellt.

So sehen die Planungen des Büros beispielsweise einen Austausch der Fenster vor. Aktuell besitzt das Gebäude Glasbausteine, die entfernt und durch Fenster ersetzt werden sollen, die sich nach außen kippen lassen. Daneben sollen laut Architekt Rösch die Fenster in das Sonnenschutzsystem einbezogen und mit Sonnenschutzglas ausgestattet werden. Dies solle dazu führen, dass auf Jalousien verzichtet werden könne, da diese zum einen anfällig für Defekte sind und zum anderen sehr viel mehr kosten würden.

Für das Heizungssystem schlägt Rösch sechs große Plattenheizstrahlkörper vor, die an der Decke montiert würden und mittels Strahlungsenergie das Gebäude erwärmen sollen. Dies sei die übliche Beheizung für punktuell genutzte Gebäude wie Turnhallen und sorge bei Bedarf in kurzer Zeit für ein angenehmes Raumklima. Zudem kollidieren diese Platten nicht mit Sportgeräten in der Halle und sollen ballwurfsicher gestaltet werden.

Bei der Begehung des Gebäudes durch das Büro seien aber auch zum Teil beträchtliche Mängel aufgefallen, wie sehr tiefe Risse an allen Gebäudeecken. Dies könne laut Rösch zum einen daher kommen, dass Elemente des Gebäudes nicht mit Stahl verbunden, sondern nur lose aufeinander betoniert seien. Zum anderen vermutet er einen weiteren Grund dafür in den Fundamenten. So wurden zwar noch keine tieferen Grabungen unternommen, aber die Frostfreiheit der Fundamente sei womöglich nicht gegeben. Als Lösung dafür schlug Rösch vor, die Fundamente weitläufig anzuschütten und das Gebäude mit einem Bewegungsprofil auszustatten. Auf Nachfrage, ob diese Risse gefährlich seien, erklärte der Architekt, dass durch die Risse Wasser eindringen könnte, was aber mit dem Bewegungsprofil gelöst würde. Die Standsicherheit sei zudem gewährleistet.

Dokumentiert wurden außerdem Wasserflecken an der Decke der Turnhalle, die Rösch auf die Eindeckung des Daches zurückführt. Das Dach besitzt eine Neigung von 20 Grad, doch eignen sich die Ziegel, die sich momentan auf dem Dach befinden, nicht für diese Neigung. Deswegen empfiehlt er, diese mit geeigneten zu ersetzen. Nach Röschs Einschätzung ist der Dachstuhl grundsätzlich in gutem Zustand und gut ausgelüftet.

Räte geben grünes Licht

Insgesamt würde die Turnhalle so zu einem sehr gut energetisch sanierten Gebäude werden, so Rösch. Er setzt für die Sanierung eine Bruttosumme von etwa 382 000 Euro an. Größere Posten sind hierbei die Kosten für Zimmerer und Dachdecker von etwa 79 000 Euro, die Anschaffung von Alufenstern mit Isolierglas für rund 87 000 Euro oder die Putzarbeiten und Kosten für Heizungsbauer von circa 86 000 Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Beseitigung der aufgeführten Mängel von etwa 80 000 Euro.

Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) zeigte sich erleichtert, dass das Büro die Halle vertieft untersucht und dabei die Mängel entdeckt hatte. Dabei herrschte auch Einigkeit im Gemeinderat, diese Mängel, die früher oder später ohnehin hätten beseitigt werden müssen, im Rahmen der Sanierung in Angriff zu nehmen. Somit wurde den Planungen des Architekturbüros grundsätzlich ohne Gegenstimme zugestimmt.