Die Landesverkehrswacht Bayern war am Wochenende für zwei Tage in Kulmbach zu Gast. Organisiert worden war die Großveranstaltung von der Verkehrswacht Kulmbach mit ihrem Vorsitzenden Jürgen Schmidt und Schriftführerin Sandra Hempfling an der Spitze. Bei der Jahresmitgliederversammlung am Freitagnachmittag in der Dr.-Stammberger-Halle beschäftigten sich die Mitglieder unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Staatsminister Florian Herrmann, schwerpunktmäßig mit dem Thema Elektromobilität aus Sicht der Verkehrssicherheit. Herrmann wurde bei der Mitgliederversammlung auch als Präsident der Landesverkehrswacht in seinem Amt bestätigt.

Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck bezeichnete die Landesverkehrswacht Bayern als "starken Partner in Sachen Verkehrssicherheit". Der Freistaat setze auch künftig auf die gute Zusammenarbeit mit der Einrichtung. Diese sei auch nötig, sagte Eck mit Blick auf die Verkehrsunfallstatistik 2018. So habe es in Bayern zwar weniger Unfallopfer bei den Pkw-Insassen als im Vorjahr gegeben. Die Zahl der Verkehrsunfälle sei aber leider erneut gestiegen. "Zu hohe Geschwindigkeit ist bei schweren Verkehrsunfällen immer noch die Ursache Nummer eins", so Eck. Die am 15. Juni in Kraft getretene Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die beispielsweise für Elektrotretroller oder E-Scooter gilt, begrüßte Eck ausdrücklich. "Diese Fahrzeuge können einen wertvollen Beitrag zur Mobilität insbesondere in unseren Städten leisten."

In der Podiumsdiskussion ging es um die Chancen und Herausforderungen der Elektromobilität. Es diskutierten Andreas Eichhorn vom Amt für Ländliche Entwicklung, Michael Fiedeldey von den Stadtwerken Bamberg, Udo Skrzypczak, stellvertretender Polizeipräsident von Oberfranken, und Hermann Pfeifer, langjähriger Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Neumarkt und Sachverständiger.

Michael Fiedeldey stellte zunächst fest, dass die Individualmobilität so günstig wie noch nie ist. "Schauen Sie auf Primärenergiekosten, auf Finanzierungsangebote von Fahrzeugherstellern. Nicht nur in Bayern, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland hat es einen Zuwachs der zugelassenen Fahrzeuge von 1,6 Prozent gegeben, sprich in absoluten Zahlen 1,1 Millionen neue Fahrzeuge auf den Straßen." Der Geschäftsführer der Bamberger Stadtwerke betonte: "Die Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Handelns. Wenn wir über die Mobilitätswende sprechen, dann ist sie nur mit der Energiewende und die Energiewende nur mit der Mobilitätswende möglich."

Für Fiedeley ist die Elektromobilität nur ein Bestandteil der Verkehrswende. Er gab auch die Ergebnisse einer Testphase mit 15 E-Scootern aus Bamberg bekannt: "Die Resonanz auf die Aktion war überraschend hoch." 300 Tester haben die E-Scooter tage- und wochenweise genutzt. Zu Unfällen oder sonstigen Zwischenfällen sei es nicht gekommen.

Udo Skrzypczak vom Polizeipräsidium Oberfranken meinte: "Die Polizei wird die Behörde sein, die die ersten validen Daten für die neuen E-Scooter im Straßenverkehr liefern wird, immer dann, wenn so ein Scooter in einen Unfall verwickelt ist."

Hermann Pfeifer bezeichnete die Elektromobilität als eine interessante Neuentwicklung: "Die aber so jung und so nachhaltig noch gar nicht bei uns in den Köpfen eingedrungen ist. Ich warne davor, mit der Brechstange zu agieren."