Am Ende gab es für die Fans kein Halten mehr: Zusammen mit ihren Idolen von der australischen Band "Mammoth Mammoth" standen sie auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Freudetrunken formten sie ihre Hände zur Pommesgabel, dem Gruß der Hard'n'Heavy-Gemeinde, reckten ihre Arme empor oder spielten Luftgitarre.

Ausgelöst hatte das Schauspiel eine nachweihnachtliche Bescherung. "Wiedersehen macht Freude!", dachten sich Brandy Schäck aus Peesten im Landkreis Kulmbach und das Rock-im-Wald-Team aus Neuensee im Landkreis Lichtenfels. Für ihr gemeinsames Weihnachtsfestival in der Altenkunstadter Kleinkunstkneipe "Nepomuk" engagierten sie alte Bekannte, die schon beim Peestener Open Air und im Neuenseer Waldstadion überzeugt hatten.

Hunderte Fans vor Ort

Hunderte von Fans aus nah und fern, darunter viele aus den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels, waren aus dem Häuschen ob der feinen und fulminanten Rockriffs, die rund vier Stunden lang auf sie herniederprasselten.

Auf Piesns Wiesn und auf dem heiligen Rasen von Neuensee hatten sie vor ein paar Jahren noch zu dritt abgerockt. Die Rede ist von der Bamberger Band "Trecker". Inzwischen ist aus dem Trio ein Quartett geworden. "Mit einer zweiten Gitarre können wir uns kreativ noch besser entfalten und die unterschiedlichen musikalischen Geschmäcker der einzelnen Gruppenmitglieder unter einen Hut bringen", erklärte Bassist Frederic Schneider die Aufstockung. Zusammen mit Sänger und Gitarrist Franz Kluge (Gesang und Gitarre), Schlagzeuger Frederik Braun und dem neuen Gitarristen Benjamin Bauroth entführte er die Besucher in ein vielschichtig-verwinkeltes Labyrinth der Töne: Ein kompakt-intellektueller Sound zwischen Hard-Rock und Blues elektrisierte das Publikum von Beginn an.

Eine Klasse für sich war auch die Gruppe "Willow Child" aus Nürnberg, die einen orgelgeschwängerten Retro-Rocksound zwischen Anmut und Aufwallung vom Stapel ließ, der sich gewaschen hatte. Man fühlte sich zurückversetzt in die 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Bands wie Deep Purple, The Doors oder Steppenwolf den Ton angaben und die Songs noch eine Ecke länger waren als heutzutage.

Im Auge des Rock-Hurrikans schrie sich Sängerin Eva Kohl zur Freude der Fans die Stimme aus dem Leib, während die anderen Bandmitglieder in ausladenden Instrumentalpassagen ihr kreatives Licht nicht unter den sprichwörtlichen Scheffel stellten.

Ständig unter Strom standen die Jungs der australischen Band "Mammoth Mammoth" aus Melbourne - insbesondere Sänger Mikey Turner, der den Publikumsbereich und den Tresen zu seinem Gesangsrevier erkoren hatte. Das Metal-Kraftwerk von Down Under produzierte einen temporeichen, rauen Sound, stilistisch anzusiedeln zwischen Bands wie "Motörhead" und "Turbonegro", der ganz nach dem Geschmack des tanzenden Publikums gewesen war.

Sänger Mikey Turner freute sich wieder, am Obermain sein zu dürfen. Den Veranstaltern und Fans machte er ein großes Kompliment: "Das Herz des Rock'n'Roll schlägt in Deutschland."