Rund 120 Interessierte diskutierten auf Einladung der Hammelburger Bundestagsabgeordneten Dr. Manuela Rottmann in der vergangenen Woche über den Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat und die Zukunft der heimischen Landwirtschaft.
Als Agrarexperten konnte Rottmann ihren grünen Bundestagskollegen Harald Ebner gewinnen. Der studierte Agraringenieur und Landschaftsökologe aus Göppingen führte im vollbesetzten Hammelburger Pfarrzentrum fundiert in das Thema des Abends ein. Ebner skizzierte, dass der Verbrauch von Glyphosat in Deutschland vor über 20 Jahren bei lediglich 300 Tonnen im Jahr lag. In den letzten Jahren stieg diese Zahl auf bis zu 7000 Tonnen, also das über 20-fache, an. "Allein daran kann man schon erkennen, dass Glyphosat nicht mehr nur gezielt in Einzelfällen verwendet wird, sondern mittlerweile flächendeckende Anwendung findet", so Ebner. "Frühzeitige Maßnahmen durch die Politik hätten diesen Anstieg verhindern können, stattdessen hat der ehemalige CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt Glyphosat im letzten Jahr noch einmal für weitere fünf Jahre genehmigt." Der Rückgang auf zuletzt etwa 4000 Tonnen im Jahr sei auch der öffentlichen Debatte zu verdanken.
Besonders kritisch ging Ebner mit den Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel ins Gericht. Dabei zeichnete er das Bild von einem Pestizidzyklus, bei dem ein neues Mittel zugelassen wird, großflächig zum Einsatz kommt, massive Nebenwirkungen entdeckt werden, das Mittel verboten wird und dann durch die Industrie mit einem neuen ersetzt wird. "Die Studienlage ist klar: Die Aufnahme von Glyphosat und anderen Pestiziden durch die Nahrung in den menschlichen Körper ist eindeutig nachweisbar", stellte der Bundestagsabgeordnete fest. "Und die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen das einfach nicht mehr." Der Handel habe in vielen Bereichen schon reagiert. So bestehen selbst manche Discounter beispielsweise auf glyphosatfreie Milch. Auch viele Kommunen haben ein Glyphosat-Verbot auf ihren eigenen Flächen beschlossen. Nur in Berlin habe die Verbraucherschutzpolitik der Regierung, wie schon beim Dieselskandal, versagt. Die lokale Abgeordnete Manuela Rottmann führte anschließend durch eine muntere und durchaus kontroverse Diskussion des bunt gemischten Auditoriums. So kamen neben dem Bund Naturschutz, einer Imkerin, einer Gärtnerin und einigen Biobauern auch der Bauernverband sowie verschiedene konventionelle Landwirte zu Wort. Auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell und der Landtagskandidat der Grünen, Yatin Shah, selbst auf einem Ökobauernhof groß geworden, brachten sich in die Debatte ein.
Die Diskussion ging bald schon über das Thema Glyphosat hinaus und beschäftigte sich allgemein mit der Zukunft unserer Landwirtschaft. Im Ziel eines "enkeltauglichen" Anbaus war man sich rasch einig. Neben der Digitalisierung wurde auch die Ausbildung in den Landwirtschaftsschulen als wichtiger Hebel genannt. Auch dass die finanzielle Förderung in der Agrarpolitik entlang ökologischer Kriterien erfolgen soll, wurde mehrfach in die Debatte eingebracht. Auf keinen Fall wollten sich konventionelle Landwirte und Biobauern gegeneinander ausspielen lassen, auch wenn bei aller Solidarität der ein oder andere Reibungspunkt durchaus deutlich wurde.
"Ökolandbau geht nicht immer für jeden Betrieb zu jedem Zeitpunkt. Das hängt von den jeweiligen Voraussetzungen ab", meinte auch Harald Ebner. "Eine neue moderne Landwirtschaft geht nur gemeinsam und dafür braucht es endlich einen Wettbewerb um die höchste Qualität statt immer nur um den niedrigsten Preis." Manuela Rottmann kündigte an, das Diskussionsformat mit weiteren Themen und Fachleuten regelmäßig anbieten zu wollen. red