Eckehard Kiesewetter Ebern — Wenn eine Institution mit hauptamtlichen Kräften unterbesetzt ist, wie die katholische Kirche in Ebern, dann sind Ehrenamtliche unbezahlbar wichtig. Erst recht, wenn sie solch lange "Diensterfahrung" mitbringen wie Albert Kuhn. Seit gut 40 Jahren ist der gebürtige Bramberger für die Pfarrgemeinde St. Laurentius tätig - ehrenamtlich. Anlass, den Kirchenpfleger mit der Ehrennadel des Bistums zu würdigen, der höchsten Auszeichnung, welche der Bischof von Würzburg für freiwilliges Engagement zu bieten hat. "Sie haben sich um die Diözese Würzburg verdient gemacht. Hierfür möchte ich Ihnen von Herzen danken", schreibt Oberhirte Franz Jung in einer Urkunde, die er der Anstecknadel mit dem Wappen der Diözese beigefügt hat.

Die Übergabe übernahm bei einem besonderen Gottesdienst zum Pfarrfest in der St.-Laurentius-Kirche Stadtpfarrer Pater Rudolf Theiler. Der Karmelit hatte Kuhn in Würzburg für die Ehrung vorgeschlagen. Er weiß am besten, wie wertvoll der 68-jährige ehemalige Banker für seine Kirchengemeinde ist.

Albert Kuhn ist der Mann vom Fach, der die Kirchenrechnungen verwaltet. "Da kommen immer ganz schöne Summen zusammen, auch wenn zurzeit keine großen Projekte anstehen", sagt der Ex-Sparkassen-Mann. Damit meint er die Kirchenrenovierung, den Erwerb des Triegel-Altars oder den Pfarrzentrumsbau, die frühere Haushaltsjahre bestimmt hatten.

Viel Papierkram

"Das ist immer ein Riesen-Verwaltungsaufwand", sagt Kuhn und beschreibt als Beispiel die aufwendige Genehmigungsprozedur für eine Sanierung der Kirchenorgel (Kosten rund 3500 Euro), an deren Ende gerade mal 600 Euro Zuschuss heraussprangen. Für die neuen Kniebänke oder die Strahler in der Kirche gab's gar nichts. "Die beim Bistum sparen wie die Ochsen", sagt der Kirchenpfleger über die Finanzprobleme der Diözese, die zuletzt ein Minus von 17,8 Millionen Euro verzeichnet hatte: "Aber uns in Ebern geht's noch vergleichbar gut." Klingelbeutel und Kollekte sind gute Einnahmequellen, auch wenn viel davon als überörtliche Spende weitergegeben wird. Dazu kommen außergewöhnliche Belastungen, wie ein Wasserschaden im Pfarrhaus oder - vor kurzem erst - die mutwillig eingeschlagenen Kirchenfenster, wofür die Versicherung nicht komplett aufgekommen ist. 20 Bankkonten verwaltet Kuhn für die Eberner Gemeinde, von der Kirchenmusik über Ministranten und Pfarrjugend bis zu den Senioren, auch Gebäude und Mieteinnahmen (Benefiziatenhaus). Der Ruheständler: "Es is scho a weng a Arbeit, aber es macht sehr viel Spaß." Vor allem weil das Klima in den Gremien zurzeit sehr harmonisch und nett sei. Da hat er früher auch anderes erlebt. Prima klappt auch das Miteinander mit dem Stadtpfarrer Rudolf Theiler. Der ist gerade mal einen Monat jünger als sein Kirchenpfleger. Vielleicht lässt er sich deswegen "vom Älteren ab und zu auch mal was sagen, wenn's sein muss". Solange Pater Theiler in Ebern wirkt, will Kuhn auf jeden Fall weitermachen.

Seine "kirchliche Laufbahn" hatte Albert Kuhn eigentlich schon als Ministrant in Bramberg begonnen. Später verbrachte er mehr Zeit als TV-Kicker auf dem Fußballplatz als in der Kirchenbank. Mit 27 wurde der Sparkassenangestellte in den Pfarrgemeinderat gewählt, dem er zehn Jahre angehörte. Seither ist er über Jahrzehnte in der Kirchenverwaltung engagiert.

"Richtig glücklich" ist der Kirchenpfleger, der zugleich als Stiftungsverwalter der Spitalkirche wirkt, "ein wenig zur Schönheit aller drei Kirchen beigetragen zu haben". Sanierungen machten die Pfarrkirche 1991 und das Spital 2011 "zum Juwel", wie er findet; für die Marienkapelle habe er durch hartnäckiges Nachbohren die Rückkehr zweier kostbarer Heiligenfiguren erreicht. "Da bin ich schon stolz drauf." Aktuell bereitet der Kirchenaktivist das Jubiläum der Barbarakapelle am Sonntag, 14. Juli, vor.

Eine Lücke ins Personal der Kirchengemeinde reißt dagegen der Abschied von Pater Richard Pfletschinger. Der Abschied des Pallottinerpaters war vor Wochen bereits angekündigt worden (der FT berichtete).

Der Pater geht

Beim Gottesdienst zum Pfarrfest wurde er nun vollzogen, nachdem der 80-Jährige seinen Dienst zum 31. Mai aus gesundheitlichen Gründen beendet hat. Pfletschinger hatte über zehn Jahre hinweg als Priester mitgearbeitet, war zuständig für die Senioren und den Caritasförderverein, übernahm Beerdigungen und Gottesdienste. Der gelernte Industriekaufmann aus Baden-Württemberg hatte 1962 im Spätberufenenseminar der Pallottiner sein Abitur abgelegt und war im gleichen Jahr in Untermerzbach in die Ordensgemeinschaft eingetreten. 1968 erfolgte die Priesterweihe in Augsburg, wo er zunächst als Kaplan eingesetzt war. 1975 kam er nach Untermerzbach, wo er bis 1994 als Verwalter im Herz-Jesu-Heim der Pallottiner wirkte. Außerdem war er für das Mitarbeiterwerk, Besinnungstage und Exerzitien zuständig.1994 wurde der Pater Seelsorger der Pfarrei Reckendorf und 1996 Präses des Kreisverbandes Haßberge der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Seit 2009 war er in der Pfarreiengemeinschaft "Gemeinsam unterwegs" im Einsatz.