"Hans bleib do" hieß es - wie das gleichnamige Lied - im Untertitel der sonntagnachmittäglichen Veranstaltung des Kulturpulses. Einige Stunden später, als offiziell schon die Jam Session lief, konnte der Beobachter feststellen, eine ganze Reihe von Besuchern der Frankenfolk-Session hat es wörtlich genommen und ist geblieben.
Ganz besonders Bassist Tobias Seitz. Sorgte er bei den Zwiefachen, die Manfred Schmitt vom Tanzhaus Erlangen für die ersten "Teil" ausgewählt hatte, für den nötigen Untergrund, wurde er schon beim ersten Set der Jam Session von Rudi Neite und Alexander Feser zu ihrer Unterstützung auf die Bühne gerufen.


Auftakt

Doch der Reihe nach: Zwei Liederhefte liegen aus, die C-Dur-Fassungen und die für die Bläser. Langsam trudeln die Musiker und die Zuhörer ein. Um den "harten Kern" mit den Geigern Manfred Schmitt und Brigitte Trost, den Akkordeonspielern Anna Schmidt und Manfred Kemmerth sowie Christine Kalyoncu mit der Ukulele und Michael Zwingmann an der Drehleier gesellen sich weitere mit ihren Instrumenten.


Mit der Teufelsgeige

Irgendwo in der Ecke liegt die Teufelsgeige. Sie wird später bei den Tanzübungen zu Polka und Zwiefachen noch eine wichtige Rolle für den Taktwechsel bilden.
Doch die ersten "Übungen" gelten dem Text. Schmitt versucht es mit Übertragungen ins Hochdeutsche und "stolpert" über die erotischen Anspielungen und Direktheiten der mundartlichen Texte. Schmunzeln und Gelächter weiß er zu nutzen, um den "Laienchor" der Zuhörer gehörig einzuspannen. Als Sänger, aber auch als Tänzer. Dabei hat es der Zwiefache in der oberpfälzisch-fränkischen Ausprägung in sich. Sein Taktwechsel zwischen drei Vierteln und zwei Vierteln ist an und für sich schon etwas Besonderes und im hiesigen Musikrepertoire auch noch unregelmäßig.
"Im Elsass kennt man Ähnliches", weiß Zwingmann. Dort gibt es Fünfer-, Achter- und Elferwalzer, deren namengebender Takt eben nur zwei Schläge hat.
"Ist der variable Taktwechsel vielleicht den Eigenarten des fränkischen Dialekts geschuldet?", rätseln Musiker und Gäste in der Pause. Ein Hilfsmittel für die Tänzer war der Sprachrhythmus allemal, ist man sich einig, wahrscheinlich auch noch in Zeiten, als Tanzmusik gemeinhin schon notiert war.
Runde zwei: Tanzübungen. Schmitts legere Art nahm offenbar bei vielen die Hemmungen, sich im Scheinwerferlicht zu drehen. Wie mitreißend das gemeinsame Musizieren und Tanzen war, darauf hatte Hubert Forscht vom Orgateam ungewollt eine Antwort. Jemand merkte an, als er von der Tanzfläche ging: "Ich habe gar nicht gewusst, dass du auch Zwiefachen kannst." Darauf Forscht: "Ich bis jetzt auch nicht."


Neue Wege lohnen den Versuch

Man steht noch beisammen im Foyer, man plaudert hinein in die geplante Pause zum zweiten Teil des Nachmittags. Der lockere Ton blieb, auch als Rudi Neite und Alexander Feser mit ihren Gitarren die Bühne betraten. Locker mit Tischchen war der Raum vorbereitet - für wenige Besucher. Doch auf viele Plätze setzten sich schon mal die Mitmacher vom Frankenfolk.
"Wie lang brauchst du noch?", wurde nach hinten gerufen, um den Saxophonisten Wolfgang Knauer als dritten Mann zu holen. Der Schlagzeuger kam auch, einer bediente die Congas, das Ensemble wuchs. Und zur gleichen Zeit strömten immer mehr Zuhörer ins Kolpinghaus, schneller als das Orgateam mit dem Stühleankarren nachkam. Sicher zur Freude von Kati Ritter, die als Sängerin mit ihren Musikerfreunden das nächste Set bestritt.
Zwei Dinge kann man außer dem persönlichen Vergnügen mit nach Hause nehmen: Lockere Formen locken manch unbekanntes Talent aus der Reserve, das eine. Und: Genregrenzen gibt es nicht. Es ist kein Widerspruch, tradiertes Liedgut zu interpretieren und in die Kiste mit Rock und Pop zu greifen.