E s gab einmal eine Zeit, da mochte ich schwarze Haare und grüne Augen. Doch diese nicht durch sich, sondern durch sie und an ihr. Sie war 16 und ich auch, sie war scheu und ich auch. Ihretwegen schlief ich nicht, ihretwegen war ich aber auch nie ganz wach.

Verträumt lebte ich meine Jugend und wünschte mir an Freitagen die Montage herbei, um ihr wieder auf dem Schulhof begegnen zu dürfen. Es war ein reiches Leben, so dumm wie erfüllt.

Denke ich heute ans Damals, steigt es immer ein wenig als Weichzeichnung in mir auf, so als sei es verkapselt und aufbewahrt worden. In meiner Verehrung für sie war ich nicht alleine. Es gab noch zwei Hanseln, denen sie auffiel und manchmal kam man untereinander ins Gespräch, den jeweils anderen musternd, was dieser wohl voraus haben könnte.

Wir waren uns gut, aber wir hielten Distanz, wir suchten ihr Lächeln und wir tauschten uns darüber aus. Drei Mann in einem Boot, quasi, so etwas wie Minne betreibend.

Wie wir voneinander erfuhren, hatte jeder von uns ein Lieblingslied, welches er mit ihr in Verbindung brachte. Die 80er waren noch einigermaßen voll mit hierzu brauchbaren Liedern. Es war zwischen Mitte und Ende der 80er Jahre, der Russe stand vor der Tür und die Hitparaden waren noch lohnend. Blickten ihre grünen Augen einen an, konnte man sich tagelang damit aufhalten. Es waren regelrecht nahrhafte Blicke, doch vermutlich bedeutungsleer.

Aber zu ihrem Blick gehörte auch eine Haltung, eine Art zu erscheinen. Mir schien es jedenfalls immer so, als ob sie einen Stolz vor sich herzutragen wusste, vielleicht sogar eine Würde. Ja, sie war exklusiv.

Neulich begegneten wir drei Jungs vom damaligen Schulhof zufällig einander. Geschiedene Männer, verkorkste Männer, vernünftig gewordene Männer. Doch als wir uns an sie erinnerten, wurden wir wieder leicht versonnen. Nicht so sehr, dass wir das Einst nicht in erwachsenem Lichte zu betrachten wussten, aber doch so, dass wir uns wünschten, nicht ganz so erwachsen geworden zu sein.

Und neulich begegnete ich auch ihr wieder, 30 Jahre später und zufällig. Und bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass sich Zeit, der man keinen Vorwurf machen kann, zwischen uns gelegt hatte. Sie hat noch immer grüne Augen. Ihre grauen Haare sind verzeihlich, ihre Tätowierungen banal. Eine Mode griff nach ihr, ließ sie nicht zeitlos bleiben.

Der Traum von damals hat einen Knacks erhalten, ist übermalt worden. Es gibt ihn jetzt zweimal - verkapselt aufbewahrt und nie älter geworden, und als das Gegenteil. Es ist der 30. Sommer nach ihr. Bald ist wieder Bundesliga.