Wer von Neustadt über die Gebrannte Brücke nach Sonneberg fährt, übersieht sicher nicht das große Schild, das an die Teilung Deutschlands erinnert. Fahnen stehen daneben und es gibt einen Gedenkstein. Eine überdachte Sitzgruppe lädt Fußgänger ein, sich auszuruhen und sich an die Zeit zu erinnern, als hier eine tödliche Grenze den Weg versperrte. Die noch junge Linde, die ein kleines Stück weiter am Wegrand steht, nimmt kaum jemand wahr. Das soll sich ändern, findet die CSU Neustadt ebenso wie die CDU Sonneberg. Denn der Baum erinnert an einen denkwürdigen historischen Akt.
CDU Sonneberg und CSU Neustadt wollen den 1. Juli 1990 der Bevölkerung stärker ins Bewusstsein rufen. An diesem Tag unterzeichneten Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel und der bayerische Innenminister Edmund Stoiber an der Gebrannten Brücke den Vertrag zur Aufhebung der Grenzkontrollen an der innerdeutschen Grenze. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde damals am Ort des Geschehens eine Linde gepflanzt.


Gefahr des Vergessens

Stellvertretender CSU-Vorsitzender und Mitglied im Stadtrat Neustadt, Harald Hofmann: "Leider weiß heute der Großteil der Bevölkerung nicht mehr, was es mit dieser Linde auf sich hat. Ein Hinweis fehlt. Das ist schade. Denn die Aufhebung der Grenzkontrollen war damals der politische Ausdruck dafür, dass Zivilcourage, die Sehnsucht der Bürger nach Freiheit und die Unteilbarkeit von Menschenrechten einfach stärker waren."
Das findet auch Steffen Haupt, Vorsitzender der CDU Sonneberg und dort Mitglied im Stadtrat: "Wir sind dafür, dass neben der Linde durch die Nachbarstädte Neustadt und Sonneberg eine Hinweistafel in Erinnerung an dieses weltpolitische Ereignis in unserer Region aufgestellt wird - für Wanderer, Touristen und alle Interessierten. Diese Linde steht für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Es wäre schön, wenn beide Städte dieses Anliegen befürworten und unterstützen könnten." Die Ortsvorstände beider Verbände sicherten zu, mit einem gemeinsamen Arbeitseinsatz bei der Aufstellung dieses Hinweisschildes behilflich zu sein.


Persönliche Erinnerungen

Seit der Grenzöffnung 1989 treffen sich die Vorstände des CDU-Ortsverbandes Sonneberg und des CSU-Ortsverbandes Neustadt in regelmäßigen Abständen, um gemeinsame Themen zu diskutieren. Eine Verbindung, die an dem Tag ihren Anfang nahm, als die Grenze an der Gebrannten Brücke fiel. Damals war Harald Hofmann noch in der Jungen Union. Gerade durch das Leben in unmittelbarer Nähe der Sperranlagen war für ihn die Grenze unerträglich. "Die Junge Union in Neustadt hat schon vor der Grenzöffnung immer am 17. Juni, dem Tag der Deutschen Einheit, Aktionen gemacht", erinnert er sich zurück, als die Unionspolitiker in Neustadt und Sonneberg 2014 des Mauerfalls gedenken. Er war viele Jahre zuvor schon immer dabei, als bei Brüx jedes Jahr ein großes Feuer den Einwohnern in Rückerswind und anderen Orten gleich hinter der damaligen Grenze zeigen sollte: "Wir haben euch nicht vergessen. Wir wollen weiterhin für die Einheit unseres Landes kämpfen."
Auch für Steffen Haupt bleibt der Tag, an dem der Schlagbaum fiel, ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben, wie er 2014 beschreibt: "Ich war damals ganz neu bei der Polizei in Sonneberg", erzählt er. Plötzlich habe es Aufregung in der Dienststelle gegeben. Leute standen vor der Tür und wollten ihren Pass. "Die verwiesen auf Schabowski, aber bei uns wusste keiner was davon. Es war gar nicht so einfach, ihnen klar zu machen, dass wir nichts für sie tun konnten", sagt Haupt heute. Später dann, als sich immer mehr Leute in Hönbach zusammenfanden und nach Neustadt wollten, sei die Spannung groß gewesen. "Dann kam schon sehr bald der Befehl, die Polizei werde sich da heraushalten", sagt er.
Weil ihnen das Geschehen und das selbst Erlebte rund um die Öffnung der Grenze ganz persönlich so wichtig ist, und weil sie nicht möchten, dass alles in Vergessenheit gerät, deswegen machen sie sich jetzt für eine Gedenktafel stark.