Eckehard Kiesewetter Ebern/Weißenbrunn — Das Quaken ist unverkennbar, kommt aber nicht aus irgendwelchen Erdhaufen oder Tümpeln, sondern eindeutig aus den Fenstern von Schloss Weißenbrunn. Dahinter steckt der Musiker Josué Meléndez mit seinem Zink. Das mittelalterliche Instrument, früher in Bläsergruppen genauso beliebt wie heute noch die Posaune, übernimmt die Hauptrolle in einem musikalischen Kindertheaterspiel, das voller Überraschungen steckt: eine quakende Kröte.

"Was für eine spannende Produktion!", schwärmt die Gastgeberin Pia Praetorius. Die Schlossbesitzerin, eine Spezialistin für alte Musik, ist begeistert von dem Musikerlebnis, das sie dem jungen Publikum in den Haßbergen da präsentieren kann: ein Märchen der Guarani, der Ureinwohner Paraguays, in einer pfiffigen musikalischen Fassung.

Kinder ab vier Jahren sind die Zielgruppe für eine Inszenierung, die ab Sonntag, 10. März, an sechs Nachmittagen in Kölner Konzertsälen zu hören sein wird. Die Proben dafür finden seit Wochenbeginn in Schloss Weißenbrunn statt, und dort wird die Inszenierung auch am heutigen Freitag um 16 Uhr ihre Premiere erleben; nochmals ist sie dann am morgigen Samstag, ebenfalls um 16 Uhr, zu sehen und zu hören. "Weißenbrunn vor Köln" freut sich Praetorius, die mit einigen der Akteure befreundet ist. Diese suchten einen passenden Probenraum, und so gelangt das Kinderstück auf dem Weg ins Rheinland zunächst in die Haßberge.

Von Jörg Hilbert umgetextet

In dem Märchen geht es um Akzeptanz und Miteinander: Bei einem Fest im "Himmel der Tiere" (so der Titel) wird gefeiert und musiziert. Eine eingebildete Kröte bringt mit ihrem hässlichen Gequake alles durcheinander und wird am Ende doch von allen wertgeschätzt. Das hängt auch mit einem Streit und ihrer unangenehmen Verwandlung von einem hübschen Tier mit glattem Rücken zu einem Geschöpf mit pickeliger Haut zusammen.

Was die fröhliche Mischung aus Konzert und Theater so spanend macht, ist die hochkarätige Besetzung. Der Kinderbuchautor und -illustrator Jörg Hilbert ("Ritter Rost") hat das alte Märchen zeitgemäß und humorvoll bearbeitet. Das passt so richtig in seine Welt, denn Geschichten für Erwachsene schreiben wollte er nie: "Ich müsste mich dafür ja viel zu sehr verstellen." Vielmehr geht es ihm um eine Wirklichkeit, die "frei ist vom Zwang, cool, angepasst und erfolgreich sein zu müssen."

Der Autor ist in Weißenbrunn selbst dabei, tritt als Erzähler auf und spielt obendrein Gitarre und Laute.

Benjamin Harlan (Mobiles Theater Spunk), Spross einer bekannten Schau- und Puppenspielerfamilie, stellt die Hauptakteure der Geschichte im Puppenspiel dar, und das Ensemble "I Fedeli" aus Basel (Schweiz) untermalt das Ganze mit Musik aus Lateinamerika. "I Fedeli" (Josué Meléndez, Mónica Waisman und Nora Hansen) ist laut Pia Praetorius für außergewöhnliche Interpretationen von Musik des 15. bis 17. Jahrhundert bekannt: "Sie spielen historische Instrumente dieser aufregenden Zeit, in der Amerika entdeckt und europäische Kultur auf die der südamerikanischen Ureinwohner stieß", erklärt sie: "Dieses Zusammentreffen ließ erstaunliche Musik entstehen." Diese Musik auf alten Instrumenten wie Zink, Jarana oder Dulzian zu hören, werde auch für jung gebliebene Erwachsene ein Genuss, ist sie überzeugt.

Spannend wird das Ganze auch, weil die Akteure in dieser Konstellation noch nie zusammengearbeitet haben und sich das Märchenspiel Stück für Stück erarbeiten. "Am Anfang waren nur immer einzelne Fetzen zu hören", schildert Pia Praetorius. Anfang der Woche, als aus dem Musikzimmer Einhandflöte und Trommel erklangen, habe sie kurzzeitig gedacht, da würde eine Faschingsgruppe durch den Eberner Stadtteil ziehen. Am Mittwoch dann fand der erste komplette Durchlauf statt. "Die arbeiten sehr einfallsreich und kreativ zusammen", freut sich Pia Praetorius, das wird richtig gut!"

Ticketinformation unter karten@schloss-weissenbrunn.de oder telefonisch unter der Nummer 09531/9448660.