Bernhard Panzer

Einstimmig folgte der Planungsausschuss am Dienstagabend dem Vorschlag, das Pfarrzentrum in Niederndorf abzubrechen, um dort neue Gebäude für eine Kindertagesstätte zu errichten. Zuvor hatte Bürgermeister German Hacker (SPD) erläutert, dass eine Sanierung des knapp hundert Jahre alten Hauses für diesen Zweck nicht machbar wäre. Auch der betroffene Riegel neben der Kirche St. Josef sei nicht denkmalgeschätzt, auch nicht als Ensemble. Ein Neubau müsse sich behutsam ans Gotteshaus anfügen.
Freilich gab das Stadtoberhaupt zu, dass dies keine einfache Entscheidung sei. Seit mehreren Monaten überlege man sich den passenden Standort für eine Kita, wobei sich der Josefsplatz als Lösung ergab. "Es ist eine Operation am Herzen", sagte Hacker. Und "es hängen auch die Herzen der Niederndorfer dran."
Trotzdem müsse man die Vorteile erkennen. Ein Neubau an dieser Stelle wäre "eine sehr, sehr gute Aufwertung für Niederndorf", meinte Hacker. Er bringe "im wahrsten Sinne des Wortes Leben in die Bude." Die Ortsmitte würde nach dem Neubau der Südumgehung eine Verkehrsberuhigung erfahren. Das Projekt werte den Platz dann deutlich auf und könnte einen Treffpunkt schaffen. Für Hacker ist das "eine Riesenchance". Zumal das Haus nicht erhaltenswert sei.


Sieben Gruppen

Entstehen sollen am Standort sieben Gruppen: Vier für Krippen- und drei für Kindergartenkinder. Die Stadt würde die Kosten für die Kindereinrichtung übernehmen, also das klare Gros der Kosten. Die erforderlichen Gemeinderäume bezahle die Kirche. Sie bringe auch das Grundstück ein.
Über die Architektur wurde am Dienstag freilich nicht gesprochen. Darum werde sich die Katholische Kirche kümmern, sagte Hacker. Bis die Planungen konkret werden, dürfte noch ein Jahr ins Land ziehen. Jetzt ging es ausschließlich um einen Grundsatzbeschluss, den der Stadtrat noch bestätigen muss.
Auch die leitenden Mitarbeiter des Rathauses machten in der Sitzung Werbung für das Projekt. Verwaltungsleiter Gerhard Höfler stellte fest, dass das Pfarrzentrum für den Zweck Kindertagesstätte nicht saniert werden könne. Es sei auch nicht barriererefrei. Man müsste es vollständig entkernen.
Planungsamtschefin Anja Wettstein verdeutlichte, dass das Amt für Denkmalschutz auch bei einem Neubau mitsprechen werde. Es gehe ja darum, dass dieser durch die unmittelbare Nähe zur Kirche ins Ensemble passen muss. Das bedeutet für Bürgermeister Hacker, dass der Neubau "prägende Dinge" des bisherigen Pfarrzentrums enthalten müsse.
Franz-Josef Lang (CSU) sah das Vorhaben auch mit einem weinenden Auge. "Ich bin schon irritiert wegen dem Abriss", sagte er. Die Notwendigkeit einer Kita sei klar gewesen. Dass damit aber verbunden sei, dass das Pfarrzentrum weg muss, habe er erst aus der Zeitung erfahren.
Lang verdeutlichte, dass es sich bei dem Pfarrzentrum um ein Gebäude handelt, das das Ortsbild prägt. Es habe Geschichte und sollte Ensembleschutz genießen, fügte er an. Daher wünschte er sich, dass alle Planungen für einen Neubau mit dem Stadtrat abgesprochen würden. Sofern man den Bau nicht doch erhalten könne.


Beispiel für Gestaltungsbeirat

Im Vorfeld der Debatte hatte sich auch der Herzogenauracher Autor Günther Doliwa nebst einigen Niederndorfer Bürgern für einen Erhalt ausgesprochen (der FT berichtete ausführlich). Andere Bewohner des Ortsteils allerdings sehen das anders. Ein paar besuchten die Sitzung am Dienstag im Rathaus und dankten für den einstimmigen Beschluss. Offenbar wären manche, die im derzeitigen Pfarrzentrum ehrenamtlich arbeiten, mit einem besser strukturierten Neubau durchaus zufrieden.
Franz-Josef Lang betrachtete das Vorhaben auch als Musterbeispiel für einen Gestaltungsbeirat, den die CSU-Fraktion gefordert habe. Darüber sprach der Planungsausschuss in der gleichen Sitzung auch (Bericht folgt).