Am Sturmiusberg in Diebach plagen sich Bauarbeiter für den Naturschutz. Auf Initiative von Ortssprecherin Elisabeth Assmann werden einzelne eingestürzte Weinbergsmauern wieder aufgebaut. Um die Mauern zur Geltung zu bringen, ist jetzt sogar der Wanderweg aus dem Baugebiet auf halbe Hanghöhe umbeschildert worden.
Zu einer erfolgreichen Zwischenbilanz des Mauerprojektes gab es jetzt einen Umtrunk mit Verantwortlichen und den Grundstückseigentümern. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, wenn auch mit Verzögerungen. 2014 war die Aktion gestartet. Die längste neue Mauer ist 130 Meter lang. Rund sechs Wochen haben bis zu vier Arbeiter der Baufirma Lohfink (Ramsthal) gemauert. Auch die Firma Stadler hat Hand angelegt.
"Die Diebacher stehen voll dahinter", freut sich Elisabeth Assmann über den Zuspruch an dem Projekt. Das sei nicht überall so. Das Vorzeigeprojekt leiste indirekt einen Beitrag zur Dorferneuerung und Stärke den Zusammenhalt. Insgesamt sind 20 Grundstückseigentümer beteiligt. Aber es sei nicht leicht gefallen, entsprechende Fachfirmen zu finden.
Unter dem Vorzeichen des Insektensterbens sei der Erhalt der Kulturlandschaft für den Artenreichtum ein wichtiges Ziel. Die Mauern bilden wertvolle Sonderbiotope. Sie verlangen den Grundstückseigentümern aber auch einiges ab, räumte Assmann ein. Denn sie stehen der Befahrbarkeit mit dem Schlepper im Weg.
"Das ist Heimat", lobte Bürgermeister Armin Warmuth den Anblick der Mauern und die Leidenschaft der Verantwortlichen. Sie hätten ihre Begeisterung für das Projekt übertragen. Hier werde nichts überstülpt, sondern die Menschen seien mit Freude beim Erhalt der Landschaft dabei. Inzwischen gebe es in Diebach auch wieder ein paar Hobbywinzer.


Hahnenfuß und Wiesensalbei

Auch Aglaia Abel vom Landschaftspflegeverband ist angetan von der Bereitschaft der Diebacher, Mauern zu erhalten. Schlüsselblumen, Hahnenfuß und Wiesensalbei fühlen sich auf den Flächen sichtlich wohl. Ein Grundstückseigentümer wies allerdings auf Erschwernisse hin. Er sei vom Naturschutzwart angemahnt worden, nicht zu früh zu mähen, um die Blüte der Pflanzen nicht zu beeinträchtigen. "Später komme ich aber nicht mehr mit dem Mäher durch", kritisierte der Rentner.
Abel sprach von einem Zielkonflikt. Wünschenswert sei es, erst im Juli zu mähen und als "Luxus" für die Natur einen Pflanzenstreifen bis zum Herbst stehen zu lassen. Spätestens alle zwei Jahre müsse einmal gemäht werden", um die Verbuschung aufzuhalten. Der Landschaftspflegeverband könne wegen seiner vielen Verpflichtungen nur bedingt helfen. Dass die Wiederherstellung alter Weinbergsmauern mehr als eine Lebensaufgabe ist, unterstrich Roland Lenhart von der Unteren Naturschutzbehörde. Am Sturmiusberg sei jetzt erst etwa ein Zehntel der Arbeit erledigt. Gar nicht erst vom ganzen Saaletal zu sprechen. Am Sturmiusberg sollen die Arbeiten intensiv fortgeführt werden. Lenhart schwebt vor, vor seinem Eintritt in den Ruhestand 2019 noch einen Wanderweg zur Kapelle über den steilen Hang hinauf freizulegen.
Wer im Saaletal behördliche Unterstützung für die Erneuerung von Weinbergsmauern möchte, braucht Geduld. Bei Preisen von weit über 100 Euro pro Quadratmeter Mauer je nach Lage und vorhandenen Steinen sind die Mittel sehr beschränkt. Geldgeber sind der Landschaftspflegeverband und die Untere Naturschutzbehörde unter anderem aus Ausgleichszahlungen für die Errichtung von Windrädern. Privatleute können Förderung auch bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau mit 100 Euro je Quadratmeter Mauer beantragen. Die Erfassung von 1318 Weinbergsmauern im Saaletal 2007 ergab ein desaströses Bild. Den dringlichsten Sanierungsbedarf gab es in Hammelburg mit 20 Mauern, in Langendorf mit 38 und in Engenthal mit 44.