Wenn der Bauplatz eines neuen Supermarkts teilweise von einem Überschwemmungsgebiet überlappt wird, bereitet das erhebliches Kopfzerbrechen und macht alles etwas teurer. Nun scheint aber doch ein Weg gefunden zu sein, um eine seit gut zehn Jahren verfolgte Idee zu verwirklichen: Auf dem bisherigen Festplatz östlich der Bamberger Straße soll allen Bedenken zum Trotz ein "Nahversorgungszentrum" errichtet werden. Mit einstimmigen Beschlüssen zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan sowie zur nötigen Änderung des Flächennutzungsplans nahm das Projekt eines im Landkreis verwurzelten Einzelhandelsunternehmers die nächste Hürde. Geht nun alles glatt, könnte schon im April das Baurecht erteilt werden, hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
Dabei nahm allein die Beratung der Stellungnahmen diverser Behörden eine Stunde ein. Der Stadtplaner Leonhard Valier informierte, dass in der vorausgegangenen Planungs- und Abstimmungsphase eine Lösung für das Überschwemmungsproblem gefunden worden ist. Demnach soll an einer Biegung des Zeegenbachs in der Nähe der "Lindenbräu" eine Verwallung errichtet werden, um bei Hochwasser die Flut abzulenken. Für diesen von der Gemeinde zu errichtenden Damm muss noch ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Valier: "Das braucht seine Zeit."
Unterdessen könne aber das Projekt vorangetrieben werden. Der Baukörper des künftigen Supermarkts wird teilweise, der Parkplatz zur Gänze im Überschwemmungsgebiet eines 100-jährigen Hochwassers des Zeegenbaches entstehen. Realisierbar wird dies, weil der Baukörper hochwasserfrei errichtet wird und der Investor damit leben könne, wenn der Parkplatz überflutet werde. Bei solchen Wetterereignissen komme ohnehin niemand zum Einkaufen, zitierte Valier den Auftraggeber. Das Landratsamt besteht darauf, dass das Überschwemmungsgebiet als Rückhaltung erhalten bleibt. An eine Auffüllung ist somit nicht zu denken.


Naturschützer skeptisch

Bei der Unteren Naturschutzbehörde ist die Gemeinde zunächst mit ihrem Vorschlag abgeblitzt, zum ökologischen Ausgleich des Flächenverbrauchs ein Areal bei Amlingstadt vorzusehen. Der ins Auge gefasste Bereich wurde jedoch schon im Jahr 2006 bei einem anderen Projekt einbezogen. Da Strullendorf bislang kein eigenes Ökokonto angelegt hat, soll der Ausgleich nun auf zwei Flächen bei Wernsdorf und Amlingstadt erfolgen.
Kritisch beäugt auch der Bund Naturschutz, Kreisverband Bamberg, das Projekt auf dem Festplatz: "Kann man das Vorhaben nicht woanders verwirklichen?", fragte der BN. Die Naturschützer fordern, möglichst wenig Flächen zu versiegeln, die Bäume zu erhalten und einen Ersatz für das Beach-volleyball-Feld zu schaffen.
Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) teilte dazu mit, dass er eine denkbare Alternative geprüft habe: Der ehemalige Lidl-Markt werde jedoch vertraglich gesichert bis 2018 als Lager genutzt. Weitere Standortmöglichkeiten seien nicht vorhanden. Es gibt im Übrigen auch noch keine rechte Vorstellung, wo künftig der Kirchweihrummel platziert werden soll.
Einige Grundstücksnachbarn hatten im Anhörungsverfahren Bedenken hinsichtlich einer Verschlechterung der Abwassersituation durch den Bau des Supermarktes geäußert. Hierzu schilderte Ingenieur Jürgen Sauer das Entwässerungskonzept, das unabhängig von dem Neubauprojekt zur Entlastung der "hydraulisch überforderten" Kanäle im Norden von Strullendorf führen soll. Geplant ist die Verlegung eines zweiten Kanalsammlers mit 700 bis 800 Millimeter Nennweite von der Bahnhofstraße unter dem Parkplatz des Supermarktes und östlich um das Feuerwehrzentrum herum bis zum Regenrückhaltebecken und zu einem dort noch zu errichtenden Hochwasser-Pumpwerk. Dieses soll bei Starkregenereignissen mit einer Förderleistung von 1200 Litern pro Sekunde das anfallende Wasser in den Zeegenbach pumpen. Dafür ist eine Druckleitung DN 900 erforderlich.
Der weiteren Entlastung würde der möglichst zeitnahe Bau eines Regenrückhaltebeckens für den Bereich der Lindenallee und der Ortsdurchfahrt dienen, gab Sauer zu bedenken. Es entstehen nicht geringe Kosten: Mindestens 280 000 Euro wird der zweite Sammelkanal verschlingen, auf 300 000 Euro kommt die neue Erschließungsstraße. Weitere 400 000 Euro veranschlagt der Planfertiger für das Pumpwerk.


Teure Angelegenheit

Insgesamt ist die Sanierung der Entwässerungsanlage Strullendorfs auf sechs Millionen Euro veranschlagt. Da für Abwasseranlagen keine Staatszuschüsse mehr zu erwarten seien, bleibe zur Finanzierung nur die Erhöhung der Gebühren oder die Erhebung von Umlagen. Das gilt somit auch für die Kosten von rund 700 000 Euro für die unmittelbar anstehenden Maßnahmen im Bereich Bamberger Straße. Der Kämmerer wurde beauftragt, entsprechende Mittel im Haushalt einzuplanen.