Matthias einwag Sie sehen sich als Wegweiser, Brückenbauer und Kontaktpersonen zu Behörden. Hilfe zur Selbsthilfe wollen sie leisten. Die "Aktiven Bürger" möchten Menschen mit Migrationshintergrund genauso beraten wie Einheimische in Notsituationen. Die Stärke ihrer Unterstützung: Sie sind eng vernetzt mit Ämtern und Behörden, aber auch mit Arbeitgebern und Vermietern.

Um noch näher an den Menschen zu sein, etablierten die "Aktiven Bürger" nun ein Servicebüro unmittelbar neben dem Eingang des Jobcenters. Zweimal wöchentlich ist es geöffnet. Gaby Berg, Ludmilla Ubeda und Gitte Broome bilden das Team, das sich der Ratsuchenden annimmt.

Gläsernes Büro

Die verglaste Pförtnerloge ist bestens für diesen Zweck geeignet. Anmelden muss sich hier niemand. Das lichtdurchflutete Servicebüro lässt Schwellenängste gar nicht erst aufkommen, sagt Josef Breunlein vom Organisationsteam der "Aktiven Bürger". Eine solche Einrichting sei bayernweit einmalig.

Erhard Schlottermüller, ehrenamtlicher Geschäftsführender Vorstand, umreißt das Spektrum der Aufgaben: Jeder könne kommen, der soziale Probleme oder Schwierigkeiten im Schriftverkehr mit Behörden oder beim Verstehen des Mietvertrags hat. Gaby Berg und Ludmilla Ubeda ergänzen, dass sie dabei helfen, Formulare auszufüllen und Bescheide erklären, denn damit hätten nicht nur Asylsuchende, sondern auch viele Deutsche ihre liebe Not.

Die Lebensqualität wollen sie verbessern für Leute, die Hilfe brauchen. "Zu uns können Menschen aller Nationalitäten kommen", sagt Ludmilla Ubeda und verweist darauf, dass auch viele Einheimische in die Schuldenfalle tappen und dann weder ein noch aus wissen. "Das große Problem ist das Lesen und Schreiben", fügt sie hinzu, denn damit hätten die meisten ihrer Klienten Schwierigkeiten, und das führe oft zur Resignation.

"Gemeinsame Schnittstelle"

In der Kontaktstelle geben die drei Damen nicht nur praktische Tipps zum Beheben eines Problems, sie helfen den Ratsuchenden auch bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner bei Behörden. Wolfgang Franz, der Leiter des Jobcenters Lichtenfels, weiß das besonders zu schätzen: "Sie entlasten meine Kollegen, die bisher als Ansprechpartner da waren." Für ihn und seine Mitarbeiter sei das eine klassische Win-win-Situation. Deshalb sagt Wolfgang Franz, stelle das Jobcenter den "Aktiven Bürgern" den Büroraum unentgeltlich zur Verfügung. Es gebe sehr viele Themen, "die uns als Jobcenter nicht berühren". Er sei deshalb froh, dass sich im Dialog mit den "Aktiven Bürgern" ein Beratungsangebot schaffen ließ, das diese Lücke schließe. Das Servicebüro bezeichnete er als "gemeinsame Schnittstelle".

"Wer aus einem anderen Land kommt, kennt sich mit unserer Verwaltung nicht aus", beschreibt Wolfgang Franz das Dilemma vieler seiner Klienten. Die Arbeit der "Aktiven Bürger" wertet er deshalb als "sehr hilfreich". 253 "erwerbsfähige Leistungsberechtigte", die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind, würden derzeit von seiner Behörde betreut. "Es geht hier um gesellschaftliche Integration", fügt er hinzu - und dabei leiste das Servicebüro sehr wertvolle Arbeit.

Der Umgangston in der Infothek ist locker und herzlich. "Frau Gaby hilft - und Milla ebenfalls", scherzt Gaby Berg über den legeren Ton, den sie und Ludmilla Ubeda gern anwenden. Das bedeutet aber nicht, dass sie flapsig oder gar oberflächlich mit den Ratsuchenden umgehen. Sie prüfen jedes Anliegen genau und nehmen sich die dafür erforderliche Zeit. Wenn es erforderlich ist, lassen sie sich auch Ausweispapiere vorlegen.

Die Art des Aufeinander-Zugehens kommt offenbar bei den Menschen an. Gaby Berg: "Das, was zurückkommt, ist so nett, dass es einfach Spaß macht."