"Wir haben eine verdammt gute Geschichte zu erzählen!" Gemeint ist die Geschichte der europäischen Union, in der am Sonntag, 26. Mai, wieder Wahlen anstehen. Die Aussage stammt von dem unterfränkischen CSU-Spitzenkandidaten Christian Staat. Er stellte sich bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung des CSU-Ortsverbands Haßfurt sowie des Kreisverbandes Haßberge unter dem Titel "Jetzt red ich - Europa" am Wochenende im kleinen Saal der Stadthalle vor und warb vor allem für eine hohe Wahlbeteiligung.

Die CSU ist zuversichtlich, dass ihr Spitzenkandidat Manfred Weber nach der Europawahl zum EU-Kommissionspräsidenten gewählt wird. Aber auch die unterfränkische CSU hofft auf einen Vertreter in Brüssel: auf Christian Staat, der aus Büchold im Landkreis Main-Spessart stammt und auf Platz acht der Liste der CSU steht. Sowohl der Bezirksvorsitzende des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik der CSU, Ilker Martin Özalp, als auch der Vorsitzende des CSU-Kreisverbandes Haßberge, der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel, und sein Stellvertreter Landrat Wilhelm Schneider hoben in der Veranstaltung hervor, dass es von Vorteil sei, wenn ein Unterfranke ins Europaparlament einziehen könnte. Sie betonten, wie wichtig eine hohe Wahlbeteiligung sei und wie erfolgreich die EU bisher gewesen sei. "Europa ist gerade für uns sehr wichtig, da Bayern ein Exportland ist und ein Großteil unserer Exporte in der EU bleibt", ergänzte der Landrat.

Der 35-jährige Christian Staat stellte sich als bodenständiger Mensch vor, der auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb aufwuchs, als Industriekaufmann bei der Firma ZF Sachs in Schweinfurt arbeitete, sein Abitur nachholte, Volkswirtschaftslehre studierte und seit 2017 als Büroleiter für den EU-Kommissar Günther Oettinger arbeitet. "Mit Ihrer Hilfe möchte ich Europa ein bisschen besser und unterfränkischer machen", warb er um Stimmen bei den 40 Anwesenden. Denn Europa stehe vor vielen Problemen und müsse sich vor allem der Migrationskrise und einer andauernden Populismuskrise stellen. Nicht nur der seit über 70 Jahren andauernde Frieden sei ein großes Verdienst der EU. "Auch jeder Bayer hat aufgrund des europäischen Binnenmarktes jährlich rund 1000 Euro mehr im Geldbeutel", betonte Staat. "Denn wir produzieren mehr, als wir konsumieren", sagte er.

Dagegen koste Europa jeden deutschen Bürger nur eine Tasse Kaffee pro Tag. "Die EU ist die einzige Ebene, die keine Schulden macht und keine Steuern erhebt. Sie funktioniert wie ein Kegelverein, bei dem die Mitglieder den Beitrag und die Ausgaben selbst festlegen", so der Kandidat.

Staat stellte sich den vielen Fragen der Zuhörer und betonte, dass das Argument, Deutschland sei der Zahlmeister der EU, so nicht stimme. "Zum einen fließt von den eingezahlten Geldern sehr viel wieder an uns zurück, zum anderen müssen Sie berücksichtigen, wie viel wir nach Europa exportieren, und zum dritten gibt es Länder, die pro Einwohner einen höheren Beitrag als Deutschland in die EU zahlen", antwortete er. "Fazit: Wir machen ein riesiges Geschäft", sagte Staat.

Viel Potenzial

Zu seinen Zielen befragt, sagte Christian Staat: "Wir müssen das Migrationsproblem lösen, wir sollten keine Regulierungen einführen, die kleine Unternehmen zusätzlich belasten, und die Türkei sollte nicht in die EU aufgenommen werden." Auf den Vorwurf, dass die EU seit langem nichts Neues mehr bringe und junge Leute nicht mehr anspreche, erwiderte er: "Man braucht keine neuen Ideen, denn wir haben eine verdammt gute Geschichte zu erzählen. Schalten Sie mal einen Tag lang Europa ab, dann merken Sie, was Ihnen alles fehlen wird."

Natürlich müsse man auch daran arbeiten, die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den einzelnen EU_Ländern abzubauen. Weiterhin genügt die EU-Sicherheitsarchitektur seiner Meinung nach nicht den modernen Herausforderungen. Es gehe aber nicht darum, mehr auszugeben; vielmehr berge auch eine gemeinsame Wehrbeschaffung viel Einsparpotenzial.

Angesichts vieler kleinerer Kritikpunkte betonte Staatssekretär a. D. Albert Meyer: "All diese Probleme, die heute angesprochen wurden, sind Nebenfragen. Denn die EU ist eine (Über-)Lebensfrage für uns alle! Angesichts der Weltlage und der großen Staaten USA, China und Russland dürfen wir uns nicht in Kleinstaaterei verzetteln. Wir müssen zusammenhalten."