"Für einen Franken ist es doch Folter, wenn er vor einem vollen Fass Bier sitzt." Bürgermeister Andreas Hügerich versucht es mit einem Scherz, die gespannt wartenden Museumsbesucher zu erheitern. Unter dem Motto "Nachts noch Licht" fand am Freitag die achte Museumsnacht im Landkreis Lichtenfels statt.

Im Stadtmuseum, in der ehemaligen Direktorenvilla der "Bayerischen Bierbrauerei", erwartete den entdeckungsfreudigen Museumsbesucher eine Reise durch die Biere Europas. Bereits vor zwei Jahren, im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebots, hatten Stadtarchivarin Christine Wittenbauer und ihr Team zu einer Bierverkostung mit Biersommelier Markus Raupach eingeladen. Diesmal standen europäische Biere und manch interessante Geschichte und Kuriositäten im Fokus des Interesses.

Tiefschwarzes isländisches Bier

Wittenbauer hatte eine kleine, aber feine Auswahl an europäischen Bieren zusammengestellt, die von einem hellen tschechischen Bier über ein kupferfarbenes belgisches Bier bis hin zu einem tiefschwarzen isländischen Einstock reichte. Statistisch gesehen trinkt jeder Bundesbürger rund 100 Liter Bier im Jahr. Da mag es überraschen, dass China der Weltmarktführer beim Bierausstoß ist. Inzwischen wird jedes vierte Bier in der Volksrepublik gebraut.

Im europäischen Vergleich trinken die Tschechen das meiste Bier, nämlich 160 Liter pro Kopf und Jahr, und stehen damit beim Verbrauch an der Weltspitze. In Tschechien gibt es viele Biersorten, manche sind sehr berühmt, wieder andere stammen von kleineren oder lokalen Brauereien. Wittenbauer hatte ein Pilsner Urquell mitgebracht.

Wie das Pilsner entstand

Entstanden ist es quasi aus einer Notlage heraus. Bedingt durch die schlechte Bierqualität Anfang des 19. Jahrhunderts in Pilsen, entschlossen sich brauberechtigte Bürger, eine eigene Brauerei zu bauen. Als Braumeister holte man sich Martin Stelzer aus Bayern. Das Pilsner Urquell war das erste nach Pilsner Brauart hergestellte Bier. Weiter ging die Reise auf die iberische Halbinsel nach Spaniern. Kein Brauer, sondern zwei Biologen kreierten 2012 eine noch relativ junge Biersorte mit einem Aroma von Harz, Wald und Früchten. Im Weinland Spanien werden Biere auch in den Tapas-Bars ausgeschenkt.

Die älteste noch existierende Brauerei steht in England, die Fullers Brauerei. Ihr Aushängeschild ist das London Pride, das beliebteste Premium Ale in Großbritannien. "Es zeichnet sich vor allem durch eine süffige Trinkbarkeit aus", sagte Wittenbauer.

Dazwischen war immer ein "Prosit der Gemütlichkeit" von Christian Bauer auf dem Akkordeon zu hören. Die Reise ging weiter, und damit wurde auch die Farbe des Bieres deutlich dunkler. Das belgische Bier zählt zu den sortenreichsten der Welt. 2016 wurde es in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Die Museumsbesucher durften sich ein von Mönchen gebrautes Bier schmecken lassen. Das Chimay Peres wird in einem Trappisten Kloster gebraut, von denen es noch fünf in Belgien gibt.

Letzte Station der kulinarischen Reise war Island, die Insel der Wikinger, Elfen, Trolle. Von hier kommt auch eines der dunkelsten Biere, mit einer tiefschwarzen Farbe, durch die man nicht durchschauen kann. Gebraut wird es mit isländischem Regenwasser und Wasser prähistorischer Gletscher und Lavafelder. Auf seinem Etikett befindet sich der Kopf eines Wikingers, und den Kronkorken ziert eine gekreuzte Streitaxt.

Auch manche kuriose Geschichte hatte Wittenbauer für ihre Gäste parat. Der Brauch des Bierkrüge-Anstoßens geht auf das Mittelalter zurück. Aus Angst vergiftet zu werden, stießen die Zecher ihre Krüge dermaßen heftig aneinander, dass dabei das Bier von einem in den nächsten Bierkrug schwappte.

Es war eine vergnügliche Reise durch die Biere Europas, bei der die Entscheidung, welcher Gerstensaft der beste war, im Ermessen des Betrachters lag.