"Wer ko, der derf" ist der Leitgedanke, unter dem Hans-Jürgen Schüller mit Unterstützung der Stadtsteinacher Arbeiterwohlfahrt und des Frankenwaldtheaters verborgene künstlerische Talente in Stadtsteinach und darüber hinaus ausgraben, beziehungsweise ihnen eine Bühne geben will.
Schüller ist vor vier Jahren aus Cadolzburg bei Nürnberg in den Stadtteil Römersreuth gezogen - "weg aus dem Dunstkreis der Großstadt und hinaus aufs Land". Dort sollen seine Töchter aufwachsen, die Natur und naturnahes Leben kennenlernen. Schüllers Frau arbeitet im Waldorfkinderkarten, den auch die beiden Kinder besuchen.
Überhaupt möchte er mit seiner Familie dem allgegenwärtigen Rummel vermeiden. Sich auf ursprünglicheres Leben besinnen, aber ohne spleenige Aussteiger-Attitüde. Die Familie hat einen VW-Bus, denn ohne Auto geht es auf dem Weiler auf halber Höhe zum Frankenwald nicht. Auch nicht ohne Smartphone. Auf einen Fernseher kann man jedoch leicht verzichten. Schüller hatte seine erste Anstellung in einem Baugeschäft in der Region bald spontan aufgegeben. "Es passte eines Tages einfach nicht mehr," erinnert er sich - "ganz zum Entsetzen meiner Frau". Aber ganz kurzfristig fand er etwas Neues. "Die Dinge regeln sich oft allein," sagt er. Und nun arbeitet er, obwohl gelernter Buchhalter, körperlich mit Holz; mit der Option für Büroarbeit, wenn diese in der Firma gebraucht wird.


DJ auf Hochzeiten

Schüller braucht diese variable Spanne in seiner beruflichen Tätigkeit. Nebenbei macht er noch Diskjockey, vor allem bei Hochzeiten. Und er hat eine weitere Leidenschaft: Er schreibt seine eigenen Lieder, zu denen er sich auf der Gitarre begleitet.
Die Texte fallen ihm so ein, manchmal mitten im Alltag. Dann schreibt er über seinen Schuh, über die Vorstellung, fliegen zu können, oder über einen Zwerg, der in einem Luftballon lebt, diesen immer wieder aufbläst und ihm entfliehen will, bis er merkt, dass der Luftballon Löcher hat, und er doch eigentlich frei ist.
Fantastische Vorstellungen, aber auch Bilder, die ihm aus allen möglichen alltäglichen Situationen zufliegen. Dann kann es vorkommen, dass er sich spontan aus dem Familienleben zurückzieht und seine Ideen niederschreibt. Und er macht das alles nicht nur für sich. Mit einem privaten Rundfunksender hat er bereits in Nürnberg nach anderen und weiteren unentdeckten und verborgenen Talenten Ausschau gehalten. "Das war eine feine Sache." Und dieses Vorhaben möchte er nun auch in Stadtsteinach wieder umsetzen. Interessierte sollen bei "Wer ko, der derf" auftreten, sich einmal auf der Bühne ausprobieren, vorlesen, was sie aufgeschrieben haben, etwas singen, tanzen, wozu man gerade Lust hat. Alles ist möglich.


Erstes Treffen war schon

Ein erstes Zusammentreffen von solch künstlerisch angehauchten Menschen gab es bereits dieser Tage. Die Akkordzithergruppe "Zeit-los" gab einige eher heimatlich anheimelnde, besinnliche Stücke zum Besten. Friede Wagner überwand ihre anfängliche Unsicherheit und sang etwas vor.
Weitere Kandidaten stehen bereits auf der Teilnehmerliste. So unter anderen auch Julian Heinz mit seiner Posaune, der kürzlich einen ersten Preis bei "Jugend musiziert" auf Bundesebene gewonnen hatte.


Kein "Wettbewerb"

Wettbewerb ist eigentlich nicht der richtige Begriff für das Zusammentreffen aller Teilnehmer, das möglicherweise im Oktober stattfinden wird. Niemand soll gegen jemanden antreten, niemand soll abschließend als Sieger gekürt werden. Das würde dem Leitgedanken widersprechen. Denn es geht darum, sich selbst auszuprobieren, und das, was man kann, auch einem Publikum zu präsentieren und nicht nur sich selbst zu Hause im stillen Kämmerchen.
Wer noch Interesse hat, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, kann sich bei Hans-Jürgen Schüller melden. Näheres steht auf seiner Homepage www.ton-auf-ton.de.