Wie die Kreisgruppe Lichtenfels des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) mitteilt, kann man derzeit einen besonderen Wintergast beobachten: den Raubwürger. Der markante schwarze Augenstreif und das grau-schwarz-weiße Gefieder machen diesen etwa amselgroßen Vogel unverwechselbar.

Wie sein kleinerer Verwandter, der Neuntöter, ist der Raubwürger nur in offenen bis halboffenen Landschaften anzutreffen, wo er Hecken, einzelne Bäume, Feldgehölze oder Stromleitungen als Ansitz für die Jagd nutzt. Im Gegensatz zum Neuntöter, der sich im Moment im fernen Afrika aufhält, legt der Raubwürger im Winter vergleichsweise kurze Strecken zurück, um winterlichen Nahrungsengpässen in seinen nördlichen Verbreitungsgebieten auszuweichen. Derzeit kann man den Raubwürger vor allem auf den Jurahochflächen des Landkreises antreffen, wo er hecken- und gehölzreiche Offenlandschaften als Winterquartier nutzt. Sofern kein Schnee liegt, ist der Raubwürger relativ leicht zu entdecken, da er gerne erhöhte Sitzwarten nutzt und vor dunklem Hintergrund durch seine kontrastreiche Gefiederfärbung auffällt.

In Bayern sind die Brutbestände des Raubwürgers zwischen 1999 und heute um mindestens 80 Prozent zurückgegangen. Daher wird er in der Roten Liste Bayerns auch als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Die Ursache ist vor allem im Verlust strukturreicher und extensiv genutzter Lebensräume zu suchen. Im Landkreis Lichtenfels fanden die letzten Bruten wahrscheinlich Ende der 1990er Jahre statt. je