Der SMS-Projektchor Ludwigsstadt gastierte mit seinem "Martin-Luther-Oratorium" in der evangelischen Kirche Gleisenau und beeindruckte die Zuhörer. "Nun freut euch, liebe Christen g'mein und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen!" Mit diesem ersten und persönlichen Kirchenlied von Martin Luther aus dem Jahr 1523 begann das "Martin-Luther-Oratorium" in der evangelischen Kirche von Gleisenau und man spürte bald, dass das auch das Motto des SMS-Projektchores aus Ludwigsstadt ist. Mit einer besonderen Hingabe boten die Sängerinnen und Sänger in einer Symphonie ihrer verschiedenen Stimmen einen gemeinsamen und einzigartigen Klangkörper.
Auch für Luther spielte ja die Musik eine besondere Rolle und er nannte sie als das beste Mittel und eine Therapie gegen Anfechtungen. Deswegen liebte er den Gesang und fröhliches Saitenspiel. "Damit wurde er auch zu einem Revolutionär der Kirchenmusik und verhalf der Musik im Gottesdienst zum Durchbruch", meinte Moderatorin Dorothea Weigelt. Die vielen Zuhörer bekamen dann einen tiefen Einblick in die damalige Zeit und das Leben Luthers. Dieses biografische Lied über den inneren Kampf Luthers, ob er sich für das Kloster entscheiden solle, zog sich auch wie ein roter Faden durch das Oratorium in Gleisenau.
In einer Kombination aus Originalworten und Geschichten aus seinem Leben begleiteten die Sprecher die Choräle des Reformators und neue Lieder und berichteten von seinem Ringen um Gottes Gerechtigkeit und von der Rechtfertigung gegenüber Gott, von seinen Zweifeln, ob er ein guter Mönch sei und genug bete. Der Entschluss, Mönch zu werden, sei auch für seine Freunde überraschend gekommen. Dazu passten dann die Lieder "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" und die "Abschiedsstunde", zu der auch lautes Glockengeläut erklang. Im Kloster stieß er dann auch auf den Psalm 145: "Der Herr ist nahe, allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen."
Zur Aufnahme ins Kloster kam natürlich die Befragung und Luther meinte: "Herr du erforscht mich. Es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du nicht schon wüsstest."


Herzergreifende Soli

Luther wollte eigentlich ein perfekter Mönch sein und zweifelte immer wieder an sich. Der Weg des Fastens und Bettelns, das Wachen und Beten schenkten Luther jedoch keine Nähe zu Gott. Vor diesem Hintergrund schrieb er das Lied "Aus tiefer Not schrei ich zu dir", das dann im Kirchenraum erklang.
Stefan Heyder gab dem Bettelmönch Martin Luther seine Stimme und mit besonderem Enthusiasmus und herzergreifenden Soli brachte er diese innere Zerrissenheit Martin Luthers zum Ausdruck und schrie gleichsam: "Wer reißt mich heraus aus dieser Not?" Man konnte diese Zerrissenheit sogar im Gesang und über Keyboarder Christoph Methfessel mit seiner abgehackten Begleitung spüren. "Schrei ich zu dir, so antwortest du nicht. Du bist mein Feind geworden. Warte ich auf Gutes, kommt das Böse, warte ich auf Licht, so ist es finster."
Als Solist glänzte Stefan Heyder auch bei der Frage und dem Lied "Wie krieg ich einen gnädigen Gott?" Gerade in diesem Lied konnte die wesentliche reformatorische Erkenntnis fast mit den Händen gegriffen werden - "Allein aus Gnade" und "Allein das Wort".
Die Offenbarung wurde vom Chor eindrucksvoll im Lied "Darin wird offenbart" zum Ausdruck gebracht, als gerade die hellen und klaren Sopranstimmen erklangen, die von der Querflöte von Sandra Schäfer-Küpferling verstärkt wurden.
Es kam in den weiteren der 24 Liedern zum Ausdruck, dass nun sein Leben wieder auf einem tragfähigen Fundament stand und dass daraus der Thesenanschlag auch die praktische Konsequenz war: "Luthers Protest gegen Rom." Was er wollte, war die Autorität des göttlichen Wortes, und damit habe die Reformation als Volksbewegung begonnen, hieß es. Das alles mündete in den Schluss-Song "Man singt mit Freuden in den Hütten der Gerechten", der mit viel Applaus bedacht wurde, so dass sogar Zugaben folgten.