Vor knapp zehn Jahren, im November 2009, wurde im Dom zu Regensburg die 37 Tonnen schwere Rieger-Orgel, die mit ihren 80 Registern und 5871 Pfeifen an nur vier Stahlseilen mit 30 Millimetern Dicke an der Decke der Nordseite des Querhauses hängt, eingeweiht. Weltneuheit damals war der freischwebende Lift, mit dem der Organist an den in luftiger Höhe befindlichen Spieltisch gelangt.

Mit genau diesem Lift fuhr vor Kurzem der Herzogenauracher Ludwig Orel, der gemeinsam mit Christoph Preiss und Simon Rager die Konzertreihe zum zehnten Jubiläum der Orgel eröffnete. Noch nie durften so junge, aber nach den Worten von Franz Josef Stoiber, Domorganist zu Regensburg, erwachsenen Organisten in nichts nachstehende Musiker an dieser Orgel konzertieren. Und da Ludwig Orel der jüngste der drei Organisten ist, ist er somit der Jüngste, der bis dato an dieser Orgel ein Konzert gegeben hat.

Die Darbietungen der drei jungen Organisten entlockten den rund 300 Zuhörern kräftigen Applaus, heißt es in einem Bericht über das Konzert. Das Finale, gestaltet vom auch als Pianist sehr erfolgreichen Christoph Preiss, bildeten die Bearbeitungen von Johann Sebastian Bach und Max Reger über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott". Preiss konnte mit seinem souveränen Vortrag sehr viele Klangbilder der gewaltigen Orgel vorstellen. In der Mitte trat Simon Rager auf, der sich mit dem a-moll-Choral von César Franck und der Toccata h-moll von Eugène Gigout Stücken der französischen Romantik widmete.

Den Auftakt des Konzerts hatte Orel gestaltet. Er bot einen reinen Bach-Block dar, was durchaus Mut verlangt. Zunächst war da der dritte Satz aus der Triosonate in C-Dur zu hören. Vielleicht der heiterste und virtuoseste Satz aus allen sechs Triosonaten, die Bach 1729/30 als Übungsstücke für seine ältesten Söhne komponiert hat. Jede Hand und die Füße musizieren in eigenständigen Linien und erzeugen eine filigrane, hochkomplexe Musik, die ein höchstes Maß an Konzentration und unabhängigem Spiel fordert.

Virtuoses Spiel

Als Intermezzo trug Orel das ruhig versonnene Choralvorspiel "Wenn wir in höchsten Nöten sein" vor, bevor er zum Abschluss seines Konzertbeitrages die groß angelegte Fantasie und Fuge in g-Moll BWV 542 erklingen ließ. Bach hat bei dieser Fantasie notiert, was in seiner Freiheit und großen Bewegung schon fast an eine ekstatische Improvisation erinnert. Der erst 17-jährige Herzogenauracher zeigte einmal mehr, dass er inzwischen ein ernst zu nehmender Musiker mit enormer Musikalität ist. Auch bei der anschließend zu hörenden Fuge ließ er keinen Zweifel an der Virtuosität seines Orgelspiels.

Wer Ludwig Orel in Herzogenaurach hören möchte, kann dies am 28. Juli um 17 Uhr bei seinem Konzert zum Mittelalterfest in St. Magdalena tun. red